Natur Lebensräume neben der Versiegelung

Ehingen / CHRISTINA KIRSCH 21.07.2018

Rund um den neuen Parkplatz 4, der sich in Richtung Berkach ans Werksgelände anschließt, hat die Firma Liebherr umfangreiche Naturschutzmaßnahmen ergriffen. Der Bereichsleiter Bau, Jürgen Abele, und Marketing-Leiter Wolfgang Beringer stellten gestern die Naturschutzmaßnahmen zu Wasser, Land und Luft vor.

Das Wassermanagement beginnt bereits auf dem Parkplatz, der in Längsrichtung von drei Rigolen durchzogen ist. Rigolen sind mit Schotter, einem Drainagerohr und Sickerkies gefüllte Gräben, die bei starkem Regen als Mini-Rückhaltebecken funktionieren. Von dort fließt das Niederschlagswasser in vier große Retentionsbecken, die 2015 Kubikmeter Wasser fassen können. Liebherr hatte die Auflage, Becken für 1260 Kubikmeter bauen zu müssen. Derzeit sind die Becken allerdings leer, und auch die Blühinseln auf dem Parkplatz leiden unter der Trockenheit.

Inseln für Blumen

Jeweils an den Kopfenden der Parkplatzreihen sind Inseln geschaffen worden, auf denen eine Gras-, Kräuter- oder Wiesenblumen-Mischung gesät wird. Zusammen machen die Inselflächen 4900 Quadratmeter aus.

Für den knapp 1000 Fahrzeuge fassenden Parkplatz hatte eine Streuobstwiese weichen müssen, was in der Bevölkerung für Unmut sorgte. Als Ausgleich wurden auf dem bestehenden Streuobstbestand neue Obstbäume gepflanzt. Zudem seien  auf einem Grünstreifen Richtung der Firma Ultralite zehn neue Bäume gepflanzt worden. Ein Grünstreifen mit Bäumen schließt sich auch an den Fahrradstellplatz an und der Lärmschutzwall Richtung Berkach wurde ebenfalls mit Hecken und Bäumen bepflanzt. „Das gibt mit der Zeit ein dichtes Grün“, sagte  Abele. Insgesamt wurden etwa 45 neue Bäume gepflanzt.

Für Tiere wie Amphibien, Käfer, Eidechsen und Vögel wurden unterhalb des Südhangs Eidechsenhabitate angelegt. Totholzstämme, Kalksteine und Sandhaufen sollen Eidechsen einladen, sich hier heimisch zu fühlen. Für Totholzkäfer gibt es tote Baumstämme. Auch die Kalksteinmauern um den Parkplatz bieten mit ihren Ritzen Unterschlupfmöglichkeiten für die Echsen.

Eine etwas komplizierte Sache war nach Meinung der Gutachter der Weg der Amphibien, die den Parkplatz kreuzten. Für Frösche und ihre Artgenossen gibt es am Parkplatz ein Amphibienleitsystem. Das besteht nicht aus Umleitungsschildern, sondern aus einer Art Wegeführung um den Parkplatz herum. Sollte ein Frosch oder eine Kröte trotzdem das Leitsystem verlassen und auf dem Weg Richtung Retentionsbecken auf Abwege geraten, fällt das Tier unweigerlich in eine Fallstopprinne am unteren Ende des Parkplatzes. Um dort wieder herauszukommen, muss der Frosch ein bis drei Meter Richtung Ausgang hüpfen und ist dann wieder auf dem richtigen Weg.

Parkplatz wird verdunkelt

All diese Maßnahmen seien in Zusammenarbeit mit der Stadt und den Bürgern getroffen worden, erklärte Jürgen Abele. Die Beleuchtung des Parkplatzes wird nach Schichtende auf etwa 20 Prozent heruntergefahren, um die Berkacher Bevölkerung nicht mit zu viel Helligkeit zu belästigen. „Kommt doch einmal jemand sehr spät auf den Parkplatz, haben wir so genannte Präsenzmelder“, sagte Jürgen Abele. Die funktionieren wie Bewegungsmelder.

Gut angenommen sind die Nistkästen, die auf der bestehenden Streuobstwiese installiert wurden. Die Wiese ist allerdings städtischer Grund und wird auch von der Stadt betreut. Kurz vor der Urlaubszeit ist der Parkplatz derzeit nicht voll belegt. „Wir haben jedoch die Genehmigung, hier auch Teile lagern zu dürfen“, berichtete Abele. An Ereignissen wie den Kundentagen sei man froh um diesen Platz.

45

Bäume hat Liebherr im Zuge des Parkplatzbaus neu  gepflanzt. Eine Steuobstwiese hatte für den Parkplatz weichen müssen.

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