Ehingen / Stefan Bentele Wegen des trockenen Sommers fehlt den Bauern Heu und Stroh in den Futterlagern. Auch die Blauzungen-Krankheit bereitet Sorgen.

„Es gibt Sorgen bei einzelnen Betrieben“, sagt Hanns Roggenkamp, Landwirt in Weilersteußlingen-Ermelau und stellvertretender Vorsitzender des Kreisbauernverbands Ulm-Ehingen. Wegen des trockenen Sommers im vergangenen Jahr fiel die Ernte von Heu und Stroh, wie im Herbst berichtet, in der Region mager aus. Roggenkamp bezeichnet die Situation als „sehr angespannt“ mit Blick auf die Futtermenge, die die Bauern für ihre Tiere verfügbar haben. Das zeige sich schon an der rückläufigen Milchmenge. Bundesweit geben die Kühe im Moment ungefähr drei Prozent weniger Milch als im Vorjahr. Weil zwischen Winter und Frühling mehr Kälber geboren werden, steigt die Milchmenge im Frühjahr und Sommer etwas an.

Situation könnte sich noch verschärfen

Jetzt, da der Winter gut zur Hälfte vorüber ist, schauen viele Bauern in die Lager und machen eine Bestandsaufnahme. Einige haben in den vergangenen Wochen schon gehandelt, den „Bestand angepasst“, wie Roggenkamp sagt, und Tiere verkauft. Zugute kam den Bauern dabei, dass die Preise für Schlachtvieh zuletzt aus Sicht des Kreisbauernverbands auf einem anständigen Niveau lagen.

Sie Situation könnte sich in Sachen Heu im Frühjahr sogar dann noch verschärfen, sobald der erste Schnitt eingefahren ist. „Der ist entscheidend fürs Jahr.“ Denn anhand der Menge und der Qualität dieser Ernte, die in Ehingen und Umgebung gewöhnlich in den letzten April- und ersten Maiwochen eingefahren wird, können die Bauern abschätzen, was die weiteren Schnitte abwerfen. Und sollte es dabei zu einer mageren Ernte kommen, können die Bauern keine Reserven in ihren Futterlagern aufbauen. „Dann wird es schlimm.“

Stroh regt die Verdauung an

Laut Roggenkamp müssen vor allem Pferdehalter jetzt schon Futter zukaufen. Im Gegensatz zu dem für Rinder muss das Heu für Pferde älter, ganz trocken und von hoher Qualität sein. Und solches Futter ist knapp, die Preise liegen entsprechend hoch. Bauern mit Milchvieh oder Rindern strecken hingegen das Futter – auch in Jahren ohne Futterknappheit üblich – mit Stroh. Mit seiner längeren Faser sticht, so erklärt es Roggenkamp, das Stroh den Pansen der Rinder und regt damit die Verdauung der Tiere an.

Ob die Niederschläge, Regen wie Schnee, in den vergangenen Wochen dem Boden ausreichend Wasser zugetragen haben? „Ich habe noch keine Bodenbearbeitung durchgeführt“, sagt der Landwirt. Die Niederschläge jedenfalls haben gut getan, zumal der Boden selbst unter der Schneedecke auf der Alb nicht gefroren und somit aufnahmefähig sei. „Ob das aber ausreicht, um die Reserven aufzufüllen, kann ich im Moment nicht beurteilen.

Doch die hiesigen Bauern blicken nicht nur sorgenvoll auf die Futterlager, auch die Blauzungen-Krankheit treibt sie um. Laut Roggenkamp können so genannte nicht-mastfähige Kälberrassen gar nicht oder nur schwer verkauft werden. Braunviehkälber seien gar nicht abzusetzen, Schwarzviehkälber werfen derzeit um die 50 Euro ab. Damit können, sagt Roggenkamp, nicht einmal die Futterkosten abgedeckt werden. Und wenn die Tiere nicht zu vermarkten sind und auf den Höfen bleiben, verschärfe dies die Futtersituation zusätzlich. Außerdem müsse bei Kälbern, deren Muttertiere nicht geimpft sind, das Blut untersucht werden, was weitere Kosten nach sich zieht. „Die Bauern stecken also derzeit eher Geld in den Bestand.“ Fleckviehkälber hingegen erzielen akzeptable Preise von etwa 350 Euro.

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Manche Sonnenblume blüht bis in den November hinein

Verzögerung Deutlich mehr Blühmischungen als Herbstbegrünungen waren im Herbst auf den Feldern zu sehen, sagt Hanns Roggenkamp. Die Blumen standen sehr lange oder stehen noch immer. Wegen der Trockenheit seien die Saaten später aufgegangen, hätten sich aber mit den zunehmenden Niederschlägen bei den milden Temperaturen gut entwickelt. So hätten vereinzelte Sonnenblumen bis in den November hinein geblüht.

Planung Der Kreisbauernverband will das Thema Blühflächen in diesem Jahr noch mehr forcieren. Im Zusammenhang mit dem „Jahr der Landwirtschaft im Alb-Donau-Kreis“ kündigt Roggenkamp Aktionen dazu an. Wie viele Landwirte sich bislang dem „Projekt Bienenstrom“ angeschlossen haben, weiß Roggenkamp noch nicht, es fehlen aktuelle Zahlen. Das Biosphärengebiet Münsingen und die Stadtwerke Nürtingen hatten das Projekt angestoßen, dabei können Landwirte als so genannte Blühpaten etwa auf Maisanbau verzichten und stattdessen sechs Jahre eine Blühfläche anlegen. Gefördert von Stromkunden, die  mit einem „Blühhilf-Beitrag“ von einem Cent pro Kilowattstunde auch Ökostrom beziehen. Sinn der Sache ist vor allem, Lebensraum für Insekten zu schaffen.