Nahverkehr Land will bei S-Bahn helfen

Ein Regionalzug der Bahn in der Bahnwerkstatt in Ulm: Es wird lange dauern, bis ein attraktives S-Bahn-Netz für die Region Donau-Iller aufs Gleis gesetzt werden kann.
Ein Regionalzug der Bahn in der Bahnwerkstatt in Ulm: Es wird lange dauern, bis ein attraktives S-Bahn-Netz für die Region Donau-Iller aufs Gleis gesetzt werden kann. © Foto: Archiv/Matthias Kessler
Andreas Hacker 28.12.2017
Minister Hermann und Ulms OB Czisch schließen eine Vereinbarung ab, über die sich Ehingens OB Baumann nur bedingt freuen kann.

Die Botschaft klingt verheißungsvoll: „Land und Region wollen die Regio-S-Bahn Donau-Iller gemeinsam voranbringen“ ist die gemeinsame Pressemitteilung überschrieben, die das Landesverkehrsministerium und der Verein Regio-S-Bahn Donau Iller am Mittwoch verschickt haben. Darin formulieren sie als Ziel ein S-Bahn-System mit einheitlichen Bedienstandards und aufeinander abgestimmten Anschlüssen und informieren darüber, dass Minister Winfried Hermann und Ulms OB Gunter Czisch dazu eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet haben. Die sei ein guter Schritt in die richtige Richtung, erklärt Czisch. Er sei dankbar, dass Verein und Land an einem Strang zögen.

„Alles, was der Realisierung der Region-S-Bahn dient, ist zunächst mal was Gutes“, sagt Ehingens Oberbürgermeister Alexander Baumann zu der Nachricht. Gleichzeitig macht Baumann keinen Hehl daraus, dass er darin noch keinen Schritt nach vorn erkennen kann, denn alle Maßnahmen, die da angekündigt werden, seien seit Jahren im Gespräch. „Nun werden auf Arbeitsebene vertiefende Gespräche zu den planerischen, betrieblichen und finanziellen Rahmenbedingungen geführt“, heißt es in der Mitteilung. Und weiter: „Ziel ist es, zügig die planerischen Grundlagen zu verfeinern, in Abhängigkeit vom künftigen Betriebskonzept den tatsächlichen Ausbaubedarf zu ermitteln, die Untersuchungen zur Wirtschaftlichkeit des Vorhabens anzustoßen sowie alle in Frage kommenden Finanzierungsinstrumente zu prüfen.“

Baumann ist bei der Regio-S-Bahn erkennbar unzufrieden mit dem Verlauf der Dinge. Es mache ihn zornig, sagt er im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE, dass nichts vorangehe, woran die Leute erkennen könnten, dass es den Zuständigen ernst sei mit dem Ausbau des Schienennahverkehrs: „Das glaubt uns doch langsam kein Mensch mehr, dass wir für einen besseren ÖPNV eintreten.“ Im Frühjahr hat er erleben müssen, wie sowohl Markus Riethe vom Regionalverband als auch Oliver Dümmler als Geschäftsführer des Vereins im Kreistag ein sehr ernüchterndes Bild gezeichnet haben. Vorbei die Hoffnung, dass bis zum Jahr 2021 auf allen Linien nach und von Ulm ein Stundentakt angeboten und in Verbindung mit den IRE-Zügen an größeren Bahnhöfen wie Ehingen sogar ein 30-Minuten-Takt möglich wird. Und: Auf der Donaubahn Ulm–Ehingen–Sigmaringen hänge der Ausbau der Infrastruktur auch von der Entscheidung des Landes ab, ob auch künftig Neigetechnikzüge eingesetzt werden. Dabei habe die Bahn schon angekündigt, sagt ein verärgerter OB Baumann, dass sie keine neue Generation dieser Züge bestellen wolle.

 Wenn Minister Hermann nun ankündigt, dass das Land dem Projekt eine hohe verkehrspolitische Bedeutung beimisst und die Projektierungs- und Planungsphase nach Kräften unterstützen will, so löst das bei Baumann nur verhaltene Freude aus. Denn für alle Maßnahmen, die zur Umsetzung anstehen, gebe es eine klare gesetzliche Regelung mit einem klar benannten Aufgabenträger: das Land.