Puh, das hat ganz schön geschlaucht“, sagt Interim-Geschäftsführerin Sarah Baltes. Unzählige Male ist sie die Stufen des Wolfertturms rauf und runter gestiegen, um 275 Kinderzeichnungen aus Schulklassen aufzuhängen. „Zum Glück hatten wir auch kleinere Formate, sonst hätten die wir gar nicht alle untergebracht.“ Denn die Schüler haben ihrer Fantasie für „Dein Bild vom Wolfertturm“ freien Lauf gelassen.

Treppenstufen hinter den Fenstern sind zu sehen, einige Türme erinnern an den Turmbau zu Babel. Die Kinder setzten einen Hubschrauber auf den Turm oder dekorierten ihn mit Sonnenuntergang und Streublumen. Das Aufhängen der Bilder habe sich als schwierig erwiesen, meint Sarah Baltes, die alle Zeichnungen laminierte. „Ich habe zehn Packungen von dieser Klebemasse gekauft, mit der man Bilder an die unebene Wand pappen kann.“ Der Klebstoff wird in diesen Tagen vor allem beweisen müssen, dass er hitzebeständig ist.

Ein Besuch des Wolfertturms lohnt sich auch wegen der Klang­installation von Moritz Bussinger, der im Trauraum des Turms und im Jugendhaus mit sieben Personen Einzelinterviews zum Turm führte. Als Ehinger hört man genau hin und errät auch schnell, wer da spricht. So erklärt Hadmute Bechler die Geschichte des Turms, der einst auf den Ehinger Wohlfahrtsäckern errichtet wurde. Ihr zufolge hat sich das Wort „Wohlfahrt“ mit der Zeit zu „Wolfert“ verschliffen und „hat mit Wölfen rein gar nichts zu tun“.

Mitglieder des Schwäbischen Albvereins, der den Turm betreut,  erzählen von Zeitgenossen, die den Turm gerne beschmieren; oder von der wechselvollen Geschichte des Adlers am Gefallenendenkmal. Der wurde abgeschossen und mehrmals ersetzt. Einige Ehinger erzählen in der Installation auch ihre Anekdoten mit dem Wolfertturm. So spazierte wohl Bürgermeister Sebastian Wolf an seiner Trauung mit der Festgesellschaft zum Wolfertturm und Christian Walther rüstete sich mit seinen Kumpels ordentlich mit Cola, Rotwein und einem Ghettoblaster aus, um auf dem Wolfertturm zu chillen. Die Polizei beendete das Gelage. Aber wie es dazu kam, muss sich der Besucher selber anhören. Man braucht dazu übrigens nicht ganz hinaufzusteigen. Ein erster Lautsprecher steht bereits am Eingang.

Bussinger hat die Interviews geschnitten. „Dafür habe ich mir auch einmal den Schlüssel vom Wolfertturm ausgeliehen.“ Er gibt den entscheidenden Tipp dazu: „Ich war bei der Info der Stadt und habe erfahren, dass man sich für 50 Euro Pfand  den Schlüssel leihen kann.“ So kann jeder, der das möchte, seinen ganz privaten Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang auf dem Wolfertturm  zelebrieren. Die Getränke dazu müsste man dann vorher hochschleppen. Als Überraschung für die Liebste oder den Liebsten taugt so eine private Wolfertturmbesteigung allemal. Man muss es ja nicht machen wie Christian Walter in seinen Sturm-und Drang-Zeiten.

Interessiert am Aufbau

Schon in der Aufbauphase zeigten sich die Ehinger interessiert für das, was auf dem Festplatz passiert. „Die sind vorbeigekommen und haben immer gesagt, dass man ja gar nicht mitbekomme, was hier oben los sei“, sagt Kurator Rainer Markus Walter. „Und dann haben sie Fragen gestellt, denen zu entnehmen war, dass sie sehr wohl Bescheid wissen.“ Zum Beispiel, von welchem Alter an die Kinder beim Workshop im Interim-Mobil teilnehmen können.