Schelklingen „Oberes Berntal“: Kritiker wollen Stadtverwaltung überzeugen

Hier, zwischen zwei Hängen, soll das Baugebiet „Oberes Berntal“ entstehen. Laut Ulrich Ruckh ist das Verfahren frühestens in einem Jahr abgeschlossen. Dann erst könnte die Erschließung erfolgen.
Hier, zwischen zwei Hängen, soll das Baugebiet „Oberes Berntal“ entstehen. Laut Ulrich Ruckh ist das Verfahren frühestens in einem Jahr abgeschlossen. Dann erst könnte die Erschließung erfolgen. © Foto: Manuel Striebel
Schelklingen / Von Joachim Schultheiß und Stefan Bentele 23.08.2018

Etwa 400 Unterschriften haben die Initiatoren der Interessengemeinschaft „Oberes Berntal“ bereits gegen das geplante Baugebiet in ihrer Nachbarschaft haben gesammelt. Erich Burkhardtsmaier, sein Sohn Klaus, Ralf Eisenmann und Reinhold Kley haben am Mittwoch nach Schelklingen eingeladen und Stellung aus Sicht der IG bezogen.

Die Anwohner fühlen sich angesichts des Vorhabens übergangen. Sie kritisieren, dass der Gemeinderat in seiner Sitzung am 18. Juli den Aufstellungsbeschluss – der erste von mehreren Verfahrensschritten – für das Bebauungsplanverfahren ohne vorherige Information der Bürger gefasst habe. Das entspreche nicht der durch die Gemeindeordnung des Landes vorgeschriebenen Vorgehensweise.

Beschluss wurde in öffentlicher Sitzung gefasst

„Ich kann die Kritik nicht nachvollziehen“, sagte Bürgermeister Ulrich Ruckh gestern auf Nachfrage. Er verweist auf die öffentliche Sitzung, in der der Beschluss gefasst worden sei. Das diene ja auch dazu, die Bevölkerung zu informieren. Es habe zwar zuvor interne Maßnahmen zur Vorbereitung gegeben, mit der Entscheidung Mitte Juli sei man jedoch zügig an die Öffentlichkeit gegangen.

Die IG brachte ferner einen Bürgerentscheid gegen das geplante Baugebiet ins Gespräch. Laut Ralf Eisenmann will man den Ausgang der bereits vereinbarten Gespräche mit der Stadtverwaltung und den Gemeinderatsfraktionen abwarten. Danach werde gegebenenfalls geprüft, ob ein Bürgerbegehren und, sofern erfolgreich, ein dann folgender Bürgerentscheid rechtlich möglich wäre. Das Land hatte vor wenigen Jahren die Voraussetzungen dafür gelockert.

Gespräche Ende September

Eisenmann betonte aber auf Nachfrage gestern, zunächst den Weg des Dialogs gehen zu wollen. Die IG hofft, dass die eigenen Argumente und die gesammelten Unterschriften als deutliches Zeichen für Stadtverwaltung und Stadträte gedeutet werden. Ruckh hat eigenen Angaben zufolge drei Gesprächstermine angeboten, die IG habe sich für Gespräche am 27. September entschieden.

Derzeit liegen die Pläne für den Bebauungsplan erstmals im Rathaus zur Einsicht aus, Bürger können noch bis Montag, 3. September, Stellung dazu nehmen. Laut Ruckh habe die Verwaltung damit eine vorgezogene Bürgerbeteiligung vorgenommen. Es seien auch schon Einwendungen eingegangen, die die bisherigen Kritikpunkte wie etwa eine Beeinträchtigung der Frischluftschneise betreffen.

IG kritisiert Planer

Die IG kritisiert ferner das Planungsbüro – dort konnte wegen Urlaubs gestern telefonisch niemand für eine Stellungnahme erreicht werden –, wonach in deren Plänen weder das dort vorhandene Wasserschutzgebiet, noch die Lage im Biosphärengebiet Beachtung fände. Ruckh verweist hierbei auf die Kompetenz der Fachleute im Planungsbüro, ferner an das laufende Verfahren, das ja noch Änderungen erlaube. Das Interesse zu bauen, die Eingriffe und den Ausgleich gelte es gegeneinander abzuwägen. Ferner ziehe sich das Wasserschutzgebiet durch die gesamte Stadt, das Biosphärengebiet reiche bis an die B 492. „Das ist kein Naturschutzgebiet, sonst könnten wir uns ja gar nicht mehr entwickeln.“

Die IG sieht zudem eine Überschneidung von Landschaftsschutzgebiet und geplanten Baugebiet im Norden, Osten und Westen. In einem Schreiben des Landesnaturschutzverbands an das Planungsbüro, unterzeichnet von Daniela Fischer von der LNV-Geschäftsstelle Ulm, und unterstützt vom BUND, dem Schwäbischen Albverein und dem Nabu, heißt es, dass 1,2 Hektar naturnahe Hangwaldbestände abgeholzt werden. Laut Ruckh gibt es keine Überschneidungen, beide Bereiche lägen in Nachbarschaft zueinander. „Es gibt keinen direkten Eingriff.“

Die IG beruft sich ferner auf einen Artikel in der SÜDWEST PRESSE vom Dezember 2000, als über eine Entscheidung zum damals beschlossenen Flächennutzungsplan 2015 berichtet wurde. Damals habe dasselbe Planungsbüro, das das Vorhaben nun begleitet, den Vorschlag abgelehnt, im Oberen Berntal eine Bebauung vorzusehen. Ruckh äußerte sich dazu gestern nicht, er war damals noch nicht Bürgermeister. Er betont aber, dass das jetzige Baugebiet aus dem Flächennutzungsplan entwickelt werde, der die Fläche für Wohnbebauung vorsehe. „Das kommt nicht aus heiterem Himmel.“

Innen gegen außen

Die IG und die genannten Verbände kritisieren letztlich, dass mit dem Verbrauch von Grünfläche nicht sparsam umgegangen werde, führen dazu die 27 Häuser auf 1,65 Hektar ins Feld. Besser sei es, Innenentwicklung zu betreiben. Ruckh sieht das so: Gerade eine weniger enge Bebauung am Rand der Stadt sei wichtig. „Wir sind hier im ländlichen Bereich.“ Und Innenentwicklung sei immer besser, doch die Möglichkeiten dazu begrenzt.

400

Unterschriften hat die Interessensgemeinschaft „Oberes Berntal“ bislang gesammelt. Sie hofft damit und mit Argumenten das Baugebiet zu verhindern.

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