In Reutlingendorf wird in einem beschaulichen früheren Stall an der Haldenstraße ein altes Handwerk gepflegt: Karl Nagler flicht dort seit fünf Jahren Körbe. Kürzlich hat der Korbmacher der örtlichen Feuerwehr anlässlich ihres Fests für die Tombola eines seiner Werke gespendet. Auch dem Musikverein hat der Flechter schon Erzeugnisse geschenkt.

Der 54-jährige Reutlingendorfer besuchte für sein Hobby bereits zahlreiche Kurse. Die zu verarbeitenden Weiden kauft er trocken ein. „Mal kommen sie aus Spanien, mal sind es französische. Auch aus Deutschland und Dänemark stammen meine Weiden“, sagt der gelernte Maschinenschlosser, der in einem großen Ehinger Industriebetrieb in Schichtarbeit seine Brötchen verdient.

Drei Wochen vor der Verarbeitung müssen die geschälten, gekochten und noch trockenen Weiden in Wasser angefeuchtet werden. „Die Weiden sind ein reines Naturprodukt“, schwärmt der Reutlingendorfer. Er verarbeitet sie in allen verschiedenen Variationen: Einkaufs-, Brot-, Holz- und Obstkörbe sowie Gartendekorationen wie Fische, Kugeln und selbst Hasen hat er angefertigt. Außerdem entstehen auch so genannte Meisenknödelhalter, also Vogelfutterhäuschen. „Die Korbflechterei ist ein Handwerk von früher, das man nicht vergessen sollte“, sagt Nagler. Ende September wird er seine Produkte beim Bauernmarkt in Munderkingen zeigen.

Für einen Einkaufskorb braucht er fünf Stunden Flechten, und er verlangt im Verkauf pro Korb 20 Euro. Aber oft verschenkt er einfach seine Erzeugnisse, um seinen Freunden und Bekannten eine Freude zu machen. „Manchmal mache ich auch Auftragsarbeiten wie das Reparieren eines kaputten Griffs oder das Fertigen eines Briazkorbs.“

„Ich bin stolz über jedes fertige Teil“, betont der bescheiden wirkende Flechter: „Und als nächstes habe ich mir vorgenommen, ovale Körbe zu flechten.“

Beim Korbflechten fängt er stets zuerst mit dem Boden an. Wenn er eine Kugel macht, stehen am Beginn acht Kreise. „Ich verwende beim Machen der Kugeln keinen Draht“, betont Nagler. Im Garten können die Dekorationsartikel nach einigen Jahren von der Witterung angegriffen sein. Aber Nagler ist dann immer noch stolz auf seine Flechterzeugnisse. „Das ist und bleibt mein Hobby“, sagt der 54-Jährige und streicht zufrieden mit der Hand über eine Kugel, die bei ihm schon seit geraumer Zeit vor dem Haus steht.