Kultur Komödie mit Köstlichkeiten im Adler

Josef Raublinger (rechts, Andreas Neumann) mit seinem Hausmeister Pauli (Simon Missel).
Josef Raublinger (rechts, Andreas Neumann) mit seinem Hausmeister Pauli (Simon Missel). © Foto: Anne Hagenmeyer
Ehingen / ANNE HAGENMEYER-HOBEN 01.10.2018

Das Ehinger Theater und das Hotel Adler kooperierten mit drei Akten des Stückes: „Der fast keusche Josef“ und vier Gängen eines Menüs. Der Saal im Hotel war mit mehr als hundert Besuchern voll besetzt. Die Gäste genossen sowohl die Theaterdarstellung als auch das Essen.

In dem Stück ist Josef Raublinger (Andreas Neumann) am Anfang so gar nicht keusch. Zwar bezeichnet er sich selbst als einen grundsoliden „Bordellier“, aber seine Umgebung sieht ihn als ausgemachtes Ekelpaket. Auf der Bühne steht ein Tisch mit Überwachungskameras für seine Damen, an einem anderen Tisch berät seine Schwester Maria (Beate Frömmichen) zusammen mit dem Franziskanermönch Fidelius (Michael Missel), wie Josef zum Glauben und zur Moral zurückfinden könnte. Doch Raublinger ist taub für alle Argumente.

Maria, die Hausangestellte (Claudia Zanker), wird genauso ausgebeutet wie sein Hausmeister Pauli (Simon Missel). Sie wurden samt einem Pferd als Pfand für Spielschulden von einem Gutsbesitzer übernommen. Genauso hat Raublinger den Arzt in der Hand, der an die Damen Hand anlegt, um sie attraktiver zu gestalten. Doch nun hat er genug vom Chirurgen Dr. Schlauch (Andreas Beck) und beschließt sein Bordell in einen Bioladen mit Naturschönheiten umzubauen. Einzig seine Managerin Madame (Kerstin Neumann) unterstützt sein Ausbeutertum. Bei einem Ausritt auf Bella Donna wirft das Pferd den bösen Raublinger ab, und er erleidet einen Schlag auf den Kopf, der sein Denken komplett umdreht.

Im Zweiten Akt spricht Josef in lateinischen Versen, kennt die Bibel auswendig und wird päpstlicher als der Papst, dessen rote Schuhe er sich bestellt hat. Auch die Kardinalsmütze liegt schon bereit. Ob seine Umgebung diesen radikalen Wandel mitmachen kann? Auf jeden Fall kommt es im dritten Akt erneut zu einem Schlag auf den Hinterkopf des Raublingers.

Andreas Neumann ist das Stück von Cornelia Wilinger wie auf den Leib geschrieben. Er trägt es in Mundart vor und mimt einen bayrischen Haudegen, der große Präsenz auf der Bühne einnimmt. Die anderen Schauspieler werden von seiner Energie mitgetragen und alle können sich auf derbe Sprüche und poltrige Spieleinlagen einlassen. Und das Publikum geht zwischen Kürbissuppe, Schweinefilet und Zwetschgenragout ebenso lebendig mit und dankt der Theatergruppe am Ende mit großem Applaus.

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