KOMMENTAR · SCALA: Sparkasse muss neu nachdenken

FRANK KÖNIG 20.06.2014

Zweifellos haben die jüngsten Beschlüsse der europäischen Zentralbank gezeigt, wo sich die Zinsen auf absehbare Zeit bewegen: nahe null. Das hat - und es muss trotz der Aufregung um Scala der Ehrlichkeit halber gesagt werden - die Führungsebene der Sparkasse Ulm als erste vorhergesehen. Darauf hat die regional führende Bank ihre Anlagepolitik ausgerichtet und daher steht sie wirtschaftlich kerngesund da. Damit dies anhält und ausreichend Reserven für Kredite an den Mittelstand bleiben, will sich die Sparkasse nun von den Scala-Sparern trennen, die im Höchstfall noch bis zum Jahr 2030 Zinsen von bis zu fast vier Prozent bekommen. Es geht um Millionen.

Dabei ist freilich alles schiefgelaufen, was schieflaufen konnte. Viele Scala-Sparer betrachten die Sparkasse als vertragsbrüchig, fühlen sich bei der Einbestellung in die Filialen aus ihren Altverträgen hinausgemobbt. Die Verbraucherzentrale empfiehlt sogar, die Sparbücher aus Vorsichtsgründen zuhause zu lassen und Kopien mitzunehmen. Der Imageschaden für die Sparkasse, aber auch ihren Verband, ist kaum zu übertreffen. Sparkassen-Chef Manfred Oster steht seither massiv in der Schusslinie, bleibt dennoch hart und hält an einem gesetzlichen Kündigungsrecht als Drohkulisse fest. Wenn die Sparkasse jedoch in erster Instanz am Landgericht eine Schlappe erleidet, muss Oster womöglich über einen Kompromiss nachdenken. Ein ewiger Weg durch die Gerichte macht die Sache nicht besser.