Unterhaltung Kluftingers Enkel auf der Waschmaschine

Volker Klüpfel (links) und Michael Kobr in der Lindenhalle.
Volker Klüpfel (links) und Michael Kobr in der Lindenhalle. © Foto: Christina Kirsch
Ehingen / CHRISTINA KIRSCH 19.01.2019

Wer immer schon einmal sehen wollte, wie die beiden Krimi-Autoren Volker Klüpfel und Michael Kobr als kleine Jungs aussahen und was aus den Krimis geworden wäre, wenn sie keine Krimis geworden wären, der war bei der Lesung der beiden in der Lindenhalle genau richtig. Wobei „Lesung“ das falsche Wort für die Performance der Erfolgsautoren ist.

Seit ihrem ersten Krimi stellen die beiden Ällgäuer ihre gemeinsam geschriebenen Werke in szenischen Lesungen vor. Da werden Tatorte vorgestellt, Bräuche erklärt und es wird bester Allgäuer Käse beschrieben. Die Show zum zehnten Krimi mit dem Titel „Kluftinger“ begann mit einem Werbefilm zum Allgäu und auch nach der Pause bekam man einen filmischen Einblick in eine Tischgesellschaft der 1960er Jahre, in der die Familie in Tracht um eine Schüssel Kässpätzle saß und ordentlich zulangte. Heute serviere man des Allgäuers „Soul-Food“ auf separaten Tellern, ergänzte Volker Klüpfel. Vermutlich bekommt das gut genährte Familienoberhaupt auch nicht mehr den prominenten Platz an der Stirnseite des Tisches.

Beim Outfit in die Haare geraten

Die beiden Autoren begannen ihre Show mit alten Fotos aus den Anfangsjahren ihrer Karriere. Volker Klüpfel zierte schon früh eine hohe Stirn, man trug Jeanswesten und gelegentlich sogar ein Jackett. Das gegenwärtige Outfit war auch der erste Streitpunkt, bei dem sich die beiden in die Haare bekamen, obwohl sie sich versprochen hatten, ausnahmsweise einmal nicht zu streiten.

Klüpfel und Kobr besetzten abwechslungsweise ein aufblasbares, abgewetztes Sofa aus ihren Anfangsjahren und nicht weniger in die Jahre gekommene Tische, an denen ernsthaft gearbeitet werde. Außer den Frotzeleien gab es auch Einblicke in den zehnten Krimi. In wechselnden Rollen lasen die Autoren aus „Kluftinger“. Der Kommissar ist endlich Opa geworden und kämpft mit den Tücken des Babysittings.

Das gab Klüpfel und Kobr Anlass, im Publikum zu fragen, wie man denn in Ehingen den Schnuller benennt. „Bapfi“ oder „Didi“ kamen als Antwort. Im Allgäu sage man schlicht „Zapfa“, erklärte Kobr. Und wie sagt man zu dem Geschlechtsteil kleiner Jungs?, schoben die beiden als Frage nach. „Biesele“, „Zipfel“ oder „Schniepi“ standen als Ehinger Auswahl zur Diskussion.

Im Krimi macht sich Opa Kluftinger im Internet schlau, wie man Babys beruhigt und erfährt, dass die Geräusche von Haushaltsgeräten Säuglinge einschlummern lassen. Tatsächlich schläft der Enkel selig auf der Waschmaschine. Nur der Schleudergang rüttelt alle wach.

Solche Details machen die Krimis munter und lesenswert. Auf ausgelegten Karten konnte man sich auch kundig machen, wie es an den einzelnen Tatorten wie der Freilichtbühne Altusried, am Himmelhorn in Oberstdorf oder auf dem Schloss in Bad Grönenbach tatsächlich aussieht.

Zuhörer ziehen Krimis vor

Die Autoren stellten zudem fiktive Buchtitel vor, die möglich gewesen wären, wenn sie sich nicht dem Krimi-Genre verschrieben hätten. Zur Auswahl standen ein Mystery-Thriller mit dem Titel „Scrotum“ oder eine Pilcher-Serie „Zwiebelstauden im Sommersturm“. Diesen schriftstellerischen Auswüchsen zogen die Zuhörer doch die originalen Krimis vor und ließen sich diese nach der Show signieren.

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