Ausstellung Klare Linien, gestische Malerei

Dieter Gassebner und Ursula Sihler-Steidl stellen seit dem Wochenende und noch bis 20. Mai gemeinsam ihre Werke in der Galerie im Petrushof in Obermarchtal aus.
Dieter Gassebner und Ursula Sihler-Steidl stellen seit dem Wochenende und noch bis 20. Mai gemeinsam ihre Werke in der Galerie im Petrushof in Obermarchtal aus. © Foto: Maria Bloching
Obermarchtal / Maria Bloching 10.04.2018

Dieter Gassebner und Ursula Sihler-Steidl haben einiges gemeinsam: Sie sind Mitglieder im Bundesverband Bildender Künstler Ulm und sie sind Autodidakten, die schon vor vielen Jahren ihre ganz eigene Kunst auf den Weg gebracht haben und jetzt in der Galerie im Petrushof in Obermarchtal ausstellen.

Der Bildhauer und Plastiker Gassebner lebt und arbeitet in Blaubeuren. Er liebt die klaren Formen, beschreibt seine Arbeiten als „eindeutig und kommentarlos“, sie sollen nichts erklären, erfordern keine Interpretation und sind für ihn Sinnbild der Ästhetik. Diese steht sowohl bei seinen kraftvollen Skulpturen aus Beton und Stahl, aber auch bei seinen fein colorierten Grafiken im Vordergrund. „Mein Atelier befindet sich im Steinbruch, das Material von dort kann ich direkt verarbeiten“, sagt er. Zum Beispiel in seinen Betonobjekten, die – wie Kunsthistoriker Dr. Martin Mäntele im Rahmen der Vernissage beschrieb – wirken, „als hätten in die Luft geschriebene Linien plötzlich feste Gestalt angenommen“. Mit Sichtbeton, Basalt oder weißem Zement mit Kalksplitt von der Alb hat er Kunststoffschläuche ausgegossen und daraus Formen gestaltet, die laut Mäntele den Eindruck erwecken, als wäre jemand dabei, einen Knoten zu machen und die Schnur sei mitten im Vorgang in der Luft erstarrt.

Einen bunten Kontrast dazu bieten seine Metallskulpturen aus Baustahl: „Ich verarbeite, was mir über den Weg läuft“, lacht der Künstler. Winkelartig geformte Eisenteile setzt er nach und nach zusammen, verschweißt und lackiert sie, aus einzelnen Elementen entstehen so durchsichtige, leichte und unter Spannung stehende Gebilde, deren Strukturen noch klar zu erkennen sind.

Diesen klaren Linien steht die gestische Malerei von Ursula Sihler-Steidl gegenüber. „Meine Bilder entstehen nicht im Kopf, sondern während des Prozesses“, sagt sie und beschreibt den spontanen Impuls als Ausgangspunkt für  ihre abstrakte Kunst.

Ein Spiel von Flächen

Natürlich gibt es stets einen Auslöser: ein Gefühl, ein Gedanke oder eine häusliche Krise. Rund 35 Bilder sind in der Ausstellung von der Laupheimerin zu sehen, allesamt künstlerische Produkte ihrer Spontanität, ohne starre Regeln im Arbeitsprozess. Sihler-Steidl liebt die feinen Kontraste von Schwarz- und Grautönen, aber auch die geringe Menge an Signalfarben, die klecksartig aufgetragen werden und die Dynamik des Arbeitsvorgangs wiederspiegeln. „Sie erzeugt auf der Bildoberfläche ein fast kontrapunktisch zu nennendes Spiel von Flächen, bei denen unterschiedliche Strukturen und Farben einander gegenüber gestellt werden, wie überhaupt das ganze Bild die Fülle gegen die Leere, den Gegenstand gegen den Grund stellt“, führte Mäntele im Rahmen der Vernissage aus. Die Arbeitsweise der Künstlerin lasse eine strenge Trennung von Malerei und Zeichnung nicht zu, vielmehr kombiniere sie zeichnerische mit malerischen Elementen. In ihren Werken sind einzelne Arbeitsschritte klar erkennbar: „Eine künstlerische Idee bedingt die nächste, auf den jeweils vorhergehende Schritt muss der nächste reagieren“, so Mäntele. Sihler-Steidl selbst beschreibt ihre Arbeiten als „geheimnisvoll und manchmal sogar rätselhaft“. Die Zusammensetzung der Formen, die trotz ihrer Gegensächlichkeit eine Einheit bilden, soll den Betrachter neugierig machen. Authentizität hat eine vorrangige Bedeutung in ihren Arbeiten: „Ich muss mich selbst darin erkennen“. Denn die Künstlerin setzt sich gerne mit Leichtigkeit, Sensibilität, Verspieltheit und Spontaneität auseinander. „Und wenn ich meine, dass ein Bild Leben hat und atmet, dann ist es fertig“.

Die Ausstellung in der Galerie im Petrushof ist bis zum 20. Mai jeweils sonntags von 11 bis 16 Uhr oder nach Vereinbarung zu sehen.

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