Jubiläum Kinderbetreuung feiert dieses Jahr ihr 125-jähriges Bestehen

JULIA-MARIA BAMMES 17.06.2014
Die Kinderbetreuung hat in Allmendingen eine lange Tradition. Vor 125 Jahren wurde, für die Kinder der Angestellten des Zementwerks, eine Kleinkinderschule eröffnet. Im September wird das Jubiläum gefeiert.

125 Jahre Kinderbetreuung - ein Jubiläum, das nicht jede Gemeinde feiern kann. In Allmendingen ist es in diesem Jahr so weit, im September steht der 125. Geburtstag an. Begangen werden soll das Jubiläum am zweiten Wochenende im September, sagt Gudrun Ruf-Speidel, die Beauftragte für katholische Kindergärten im Raum Ehingen. Derzeit sei eine Planungsgruppe damit befasst, die Feier vorzubereiten. Mit dem Jubiläum wird auch die Fertigstellung des neuen Kinderhauses Don Bosco sowie der Abschluss der Renovierung des Kindergartens Don Bosco gefeiert.

Allmendingens Bürgermeister Robert Rewitz konkretisiert, wie das Jubiläum begangen werden soll: Für Freitag, 12. September, ist die offiziellen Eröffnung geplant. Für Samstag, 13. September, wird ein Kinderfest organisiert, parallel dazu sowie am Sonntag, 14. September, findet ein Tag der offenen Tür statt.

Weiter sei, wie Rewitz sagt, eine Vortragsreihe geplant, in der es darum gehen soll, wie sich die einstige "Bewahranstalt für Kinder" zu einer Bildungseinrichtung entwickelte. Außerdem wird es einen Kunst-Wettbewerb für Kinder geben, verbunden mit einer Ausstellung.

Für die Einrichtung des Kindergartens in Allmendingen zeichnete einst weder die bürgerliche Gemeinde noch die Kirche verantwortlich: In der Zeitung "Volksfreund für Oberschwaben" war am 28. September 1889 zu lesen: "Am 22. September 1889 fand nach dem nachmittäglichen Gottesdienst die feierliche Einweihung der Kleinkinderschule statt. Dieselbe ist am Eingang des Dorfes von der Stuttgarter Zementfabrik Blaubeuren mit einem Aufwand von zirka 8000 Mark für die Kinder ihrer Angestellten und Arbeiter erbaut worden." Zum Vergleich: 1891 betrug der Tageslohn eines Arbeiters eine Mark und 60 Pfennige.

Die Leiter der Zementwerke kümmerten sich nicht nur um den Nachwuchs ihrer Angestellten; sie hatten 1889 auch an der Ehinger Straße sieben Wohnhäuser für ihre Arbeiter bauen lassen. Allmendingen galt lange Zeit als "Eldorado der Zementindustrie"; in den zahlreichen Werken und Produktionsstätten wurden viele Arbeitskräfte benötigt.

Bis zum Jahr 1924 unterhielt die Stuttgarter Zementfabrik zusammen mit der Firma Schwenk die Kinderschule, schreibt der Allmendinger Walter Kneer in seinem Buch "Ein Blick zurück". Doch dann wurde der gesamte Kindergarten - mit Hofraum und Garten - der Gemeinde Allmendingen geschenkt.

Von 1927 an wurde für jedes Kind monatlich die Gebühr von 20 Pfennig verlangt. Wurden aus einer Familie zwei oder mehrere Kinder betreut oder lag eine "besondere Bedürftigkeit" vor, waren nur zehn Pfennig zu zahlen, berichtete unsere Zeitung anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Kindergartens.

Ende der 1950er Jahre war der Kindergarten viel zu klein geworden. Der damalige Bürgermeister Karl Spitzmüller suchte nach Ausweichmöglichkeiten und so konnten von 1959 bis 1960 einer beziehungsweise zwei Räume im katholischen Jugendheim belegt werden.

Der Gemeinderat nahm sich des Themas an. Das Ziel: Eine befriedigende Kindergartenarbeit. Und so beschloss das Gremium schließlich im Januar 1961, dass die Gemeinde den Bau und den künftigen Betrieb eines neuen Kindergartens einschließlich einer Schwesternstation der katholischen Kirchengemeinde Allmendingen überlasse. Am 14. November 1962 war die neue Einrichtung samt Schwesternwohnhaus - der Kindergarten St. Maria - bereits fertiggestellt und konnte bezogen werden. Gut zwei Jahrzehnte später reichte aber auch dieses Gebäude nicht mehr aus und so wurde im Jahr 1988 im Kleindorf der Kindergarten Don Bosco eröffnet.

Mittlerweile haben die Kirchengemeinde und die bürgerliche Gemeinde wieder neue Wege beschritten: Das neue Kinderhaus Don Bosco, neben dem bestehenden Gebäude errichtet, ist fertig und bereits bezogen. Die Einrichtung bietet 30 Krippenplätze für Kinder unter drei Jahren sowie 40 Ganztagsbetreuungs-Plätze für Kinder von drei bis sechs Jahren. Neubau und Sanierungsarbeiten im bestehenden Kindergarten Don Bosco, die bis September abgeschlossen sein sollen, kosten gut zwei Millionen Euro. Die Einrichtung der 30 Krippenplätze wird pro Platz mit 12 000 Euro gefördert, das entspricht 360 000 Euro. Die katholische Kirchengemeinde, Trägerin der Einrichtungen in Allmendingen, beteiligt sich mit 100 000 Euro und zahlt bei der Sanierung des Altbaus 25 Prozent. Aus dem Ausgleichstock erhält die Gemeinde 550 000 Euro Förderung.

In einer Krippengruppe können maximal zehn Kleinkinder betreut werden. Im Kinderhaus Don Bosco arbeiten momentan sieben pädagogische Fachkräfte, davon drei Teilzeit, im Kindergarten St. Maria sind es momentan ebenfalls sieben pädagogische Fachkräfte, davon vier in Teilzeit, teilt Gudrun Ruf-Speidel mit. Im Kindergarten St. Maria werden aktuell 62 Kinder betreut, im Kindergartenbereich von Don Bosco 46 Kinder. Die Krippengruppe startete mit drei Kindern.