Es ist der Klassiker in Bilderbüchern für die Kleinsten: Eine Katze sitzt auf einem Baum und traut sich nicht mehr herunter. Aufmerksame Anwohner rufen die Feuerwehr. Die kommt mit der Drehleiter, rettet das hilflose Tier und übergibt eine glückliche Katze an ihre nicht minder glücklichen Besitzer.

Vielleicht hatten einige Tierfreunde diese liebevoll illustrierten Bilder vor Augen, als sie auf der Facebook­-Seite „Wanted Ehingen“ das anonym gepostete Bild einer Katze im Baum entdeckten. Seit mehr als 24 Stunden sitze das Tier im Ehinger Längenfeld in luftiger Höhe fest, war dabei zu lesen. Bald überschlugen sich die Kommentare.

Wegen Katze Feuerwehr oder Polizei rufen? Unterschiedliche Meinungen

„Feuerwehr rufen“, rieten die einen; „bitte zwingend Feuerwehr und Polizei verständigen“, forderten die anderen. Nicht wenige äußerten Unverständnis, dass in einer solchen Situation nicht sofort Hilfe geholt wird. Andere halten die Aufregung für übertrieben: „Habt ihr schon mal ein Katzenskelett auf einem Baum gesehen?“, fragt ein Nutzer. Ein anderer, nach eigenen Angaben selbst Feuerwehrmann, schreibt: „Feuerwehr wegen so einem Mist rufen, habt ihr sie noch alle? Und wenn es dann brennt, lassen wir es brennen, weil man eine Katze vom Baum holt ...“

Ist eine Katze auf einem Baum tatsächlich ein Fall für die Feuerwehr? Auf Anfrage unserer Zeitung zeigt sich Ehingens Stadtbrandmeister Oliver Burget skeptisch.

Erfolgsaussichten für Einsatz gering

„Die Erfolgsaussichten eines solchen Einsatzes tendieren gegen Null“, sagt er. „Sobald wir kommen und eine Leiter stellen, bekommen die Katzen es meistens mit der Angst zu tun.“ In der Folge fänden die Tiere entweder doch aus eigener Kraft den Weg nach unten – oder kletterten noch höher hinauf. Dabei erreichten sie nicht selten Bereiche, in denen auch die Feuerwehr machtlos sei. „Im Prinzip ist eine Rettung einer Katze aus einem Baum nicht möglich“, sagt Burget daher.

Tiere kommen meist selbst herunter

Meist allerdings seien die Tiere gar nicht wirklich in Not, ergänzt der Stadtbrandmeister: „Sobald sie Hunger oder Durst haben, kommen sie nach zwei bis drei Tagen von alleine vom Baum herunter.“ In mehr als 25 Jahren bei der Feuerwehr habe er erst einen einzigen Fall erlebt, in dem eine Katze tatsächlich die Hilfe der Feuerwehr brauchte: Sie hatte sich im Gebälk eines Dachstuhls derart verstiegen, dass sie sich nicht vor noch zurück traute. Nach einer Woche des Wartens hätten die Besitzer schließlich die Feuerwehr alarmiert, die das Tier dann mit großem Aufwand aus seiner misslichen Lage rettete.

Grundsätzlich sei bei einer Katze im Baum aber der beste Rat, „ruhig zu bleiben, abzuwarten und Tee zu trinken“. Sorgen, dass im Fall der Fälle aufgrund einer Katze im Baum ein Brand ungelöscht bleibe oder Unfallopfer länger auf ihre Rettung warten müssten, brauche sich ohnehin niemand zu machen, betont Burget: „In so einem Fall sitzt eine Katze eben noch eine Stunde länger im Baum fest.“

Einsatzkosten für Rettung trägt der Besitzer

Die Kosten für die Rettung einer Katze aus einem Baum trägt laut Bettina Gihr, Pressesprecherin der Stadt Ehingen, in der Regel ihr Besitzer. „Meist ist es ohnehin auch er, der die Feuerwehr alarmiert“, sagt sie. Sei der Besitzer nicht festzustellen oder flüchte die vermeintlich zu rettende Katze unerkannt, gehe der Einsatz zu Lasten der Allgemeinheit. Teuer werde das aber meist nicht: Die Feuerwehr rücke in einem solchen Fall nicht mit voller Mannschaftsstärke aus, erklärt Gihr. In aller Regel schaue sich einer der hauptamtlich angestellten Gerätewarte die Situation vor Ort an und alarmiere dann je nach Bedarf weitere Kameraden.