Ehingen / CHRISTINA KIRSCH  Uhr

Nichts funktioniert, die Kapazitäten reichen nicht und bisweilen bleiben Fahrgäste am Bahnsteig stehen, weil der Zug überfüllt ist.“ Das ist das Urteil von Pendler Joachim Hepp, der am Freitag seine Erfahrungen auf der Strecke Munderkingen-Ulm direkt an Thorsten Krenz, den neuen Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn AG für Baden-Württemberg, weitergeben konnte. Auf Einladung des CDU-Landtagsabgeordneten Manuel Hagel fuhr der Anfang 2019 eingesetzte Bahn-Chef von Munderkingen bis Ulm im Zug mit und stellte sich dem Gespräch.

„Wir wollen über Themen wie Verspätungen oder Überfüllung reden“, hatte Hagel vor der Fahrt angekündigt. Der Unmut vieler Bahnfahrer landet auch bei ihm und bisher sei ihm von verantwortlicher Seite stets erklärt worden, warum das so ist, „aber wir wollen, dass sich etwas ändert“. Dass es viele Stellschrauben sind, an denen gedreht werden muss, war allen Beteiligten auch ohne Bahnfahrt klar, aber Krenz wirkte im Zug zugewandt und bemüht, die Probleme anzugehen. „Dass das nicht von heute auf morgen geht, wissen wir“, sagte Hagel. „Aber uns ist es wichtig, dass wir ein Gesicht kennen und Zuständigkeiten erfahren“.

Partner für die Region

In diese Kerbe schlug auch Munderkingens Bürgermeister Michael Lohner, der südlich der Gleise am Munderkinger Bahnhof bekanntlich unlängst mehr als 7000 Quadratmeter Bahnfläche für die Stadt erwarb, aber mit der Fläche nördlich der Gleise immer in Konflikt mit der Bahn gerät. „Die pflegen die Hecken nicht und lassen den Zaun verrosten“, sagte der Bürgermeister. „Dann macht das unser Bauhof und wir schicken eine Rechnung an die Bahn, die nicht bezahlt wird.“ „Wir sind leider noch nicht dort, wo wir gerne wären“, bekannte Thorsten Krenz. „Wir wollen am Ende ein Partner für die Region sein.“ Bis dahin scheint es noch ein weiter Weg zu sein, der für Bahnfahrer wie Joachim Hepp im Sommer mit einem stark heruntergekühlten Zug beginnt. „Da braucht man morgens eine Jacke und nachmittags ist es zu heiß.“ Offensichtlich können die Lokführer die Klimaanlage des Zuges nicht selber regulieren. Thorsten Krenz bedauerte, „dass die Personalverfügbarkeit ein großes Thema“ sei. Die Bahn habe zu wenige Lokführer und müsse erst welche ausbilden. Der Infrastrukturausbau werde angegangen. So beginnt am Blaubeurer Bahnhof derzeit der Kreuzungsumbau, so dass sich dort wie in Ehingen und Munderkingen die Züge kreuzen können. Das entspanne die Situation.

Schwierigkeiten bei den Zuständigkeiten

Auch Schelklingens Bürgermeister Ulrich Ruckh hätte gerne ein weiteres Gleis und einen Park & Ride-Parkplatz am Bahnhof. „Da haben wir mal angefragt, aber was sich die Bahn an Pacht vorstellte, war für uns unbezahlbar.“ Ruckh bemängelte zudem, dass es als Behörde nicht gelinge, eine übertragbare Bahncard für die Mitarbeiter des Rathauses für Dienstfahrten zu erwerben. „Das ist ein Vertriebsthema“, zeigte Thorsten Krenz die Schwierigkeiten bei den Zuständigkeiten auf. Dennoch wolle er das Anliegen weitergeben. Ulrich Ruckh sieht aber auch die Wirtschaft in der Pflicht: „Mir ist es unverständlich, dass unverderbliche Güter wie Zement nicht auf der Schiene transportiert werden.“ Der Lehramts-Student Matthias Hammer sieht einerseits Verbesserungen, andererseits „geht es gar nicht, dass Pendler stehen gelassen werden“.

Manuel Hagel bedankte sich bei Thorsten Krenz für dessen Bereitschaft, sich der Probleme der Bahnfahrer anzunehmen. Für Joachim Hepp war der Besuch ein positives Zeichen. Der Munderkinger befürchtet dennoch, dass der Spruch seiner Bahn-Mitfahrer auf der Strecke zwischen Mengen und Ulm noch oft gesagt werden wird: „Schlimmer geht immer“, frotzeln die Bahnfahrer gerne in bestem Galgenhumor.

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