Ehingen Kabarettistischer Elternabend

RENATE EMMENLAUER 03.12.2012
Der kabarettistische "Elternabend" hat mehr als 500 Besucher in die Lindenhalle gelockt. Die bekamen durch die Verbalakrobaten ausschweifend-kuriose Einblicke in den Schulalltag - und lachten Tränen.

Eigentlich war das Jubiläumskabarett "10 Jahre Munz und Ruppenthal" für den kleinen Saal der Lindenhalle angedacht gewesen. Wegen der großen Resonanz im Vorverkauf hatte das Kulturamt umdisponiert und den großen Saal reserviert. Gewagt? Denn seit den Anfängen vor einem Jahrzehnt hatte das Duo mit Ulrich Munz und Martin Ruppenthal in Ehingen überwiegend kleinere Gastspiele. Die Rechnung ging auf. Die Ränge waren am Freitag voll besetzt. Das dritte Programm der Vollblutkabarettisten mit dem Titel "Elternabend" lockte natürlich viele Lehrer aus Ehingen und der Region, auch weil Martin Ruppenthal selbst Lehrer am Johann-Vanotti-Gymnasium in Ehingen ist.

Angekündigt war das Duo als "wundervoll intelligente Unterhaltung" und "super große Kleinkunst - ein Abend im Dienste der Bildung". Und das war nicht zu hoch gegriffen. Kaum standen die beiden Comedykünstler auf der Bühne - beide Meister der Mundakrobatik und mit einem schier unerschöpflichen Redefluss - lieferten sie sich ein perfektes Rededuell nach dem anderen.

Als Sahnetüpfelchen erwies sich Andreas Reif, der ab und an witzige Gags einwarf und als Pianospieler brillierte, wenn das Lehrerduo selbst getextete Lieder mit Schlagwörtern wie "Pausendurchschwitzer", "Pubertätsentgleisungsversteher", "Kollegenhetzer", "Anarchisten", "Besserwisser" oder auch "Diktatoren" zum Besten gab. Martin Ruppenthal als korrekter Schulleiter in typischer Beamtenmanier und Ulrich Munz als duckmäusiger Referendar hatten zum "Elternabend" eingeladen, um das Projekt Gemeinschaftsschule vorzustellen und gleich auch Elternvertreter zu wählen. Ein heikles Thema. Und sie legten auch gleich damit los, dass man das Gymnasium am Ort als Gemeinschaftsschule ausgewählt und man mit einer Demonstration zum Glück noch die Tieferlegung der Schule unter die Erde habe verhindern können. Als Oberpauker pries Munz die Broschüren zum Vorzeigeprojekt an und präsentierte die neuen Unterrichtsmethoden, etwa Integration durch Selektion, oder auch Prävention durch Absolution. Ruppenthal sinnierte über die blühenden pädagogischen Landschaften, versprach, bei der Umsetzung der Gemeinschaftsschule auch im Lehrerzimmer nicht mehr zu differenzieren. "Es gibt keinen Kaffee und Tee mehr, nur noch heißes Wasser. Für alle das gleiche."

Weil erfolgreiche Bildung vom Elternhaus abhängt, wolle man nicht wie bei den Pisa-Studien die Schüler, sondern viel mehr die Eltern testen. Das Duo präsentierte einen gepfefferten Elternstresstest mit einem dreistufigen emotional-pädagogischen Auswahlverfahren. Ins Spiel kam auch das neue Unterrichtsfach Medien und Kommunikation, bei dem Martin Ruppenthal als leicht verstaubter Pauker mit null Ahnung von moderner Technik, aber mit astreinem hessischen Dialekt auftrat und Ulrich Munz als ausgefuchster Sachse, der seine pädagogischen Erfahrungen in der DDR beim Aufdampfen von Briefen gesammelt hat und anstelle Klassenarbeiten Zockerrunden auf dem Lehrplan favorisiert. Es war ein herrlich amüsanter Abend, bei dem keine Langeweile aufkam und viele Zuschauer Tränen lachten. Was das Duo vor allem auch sympathisch machte, war, dass es stets das Publikum in die Show miteinbezog.