Der gute Draht nach oben bewährte sich auch am diesjährigen Jugendtag im Kloster Untermarchtal. Die Wetterprognosen sprachen zwar von Regen, aber der Samstag war so sonnig wie in den vergangenen Jahren. So liefen die Jugendlichen bestens gelaunt unter dem großen Willkommensbanner auf dem Klostergelände ein und wurden von Schwester Ruth und ihren Mitschwestern herzlich begrüßt.

Die Gruppen, die aus der ganzen Diözese teilweise tagelang im Sternmarsch unterwegs waren, kennen das Ritual schon. Mit kleinen Sketchen, Tänzen, Vorführungen oder einem Lied stellten sie sich den bereits Angekommenen vor. Die Zuschauer saßen auf der Wiese, auf Bänken oder auf der Bierbank am Planschbecken und applaudierten den Darbietungen. Oft lag man sich in Wiedersehensfreude in den Armen. Seit Dienstag war eine Gruppe mit Vollgepäck aus dem Remstal in Richtung Untermarchtal unterwegs. Der Schweiß komme jedoch nicht vom Laufen, sondern „wir waren vorher noch kurz baden“, erklärte ein Sprecher. „Deshalb sind noch manche nass.“

Mit Inline-Skates kamen Jugendliche aus Langenau angedüst. „Aber wir sind in Blaubeuren gestartet“, meinte ein Mädchen. „Immerhin 29 Kilometer“, erklärte sie selbstbewusst. Einen besonderen Gag hatten sich die Erolzheimer ausgedacht. Schon bevor die Gruppe das Gelände erreichte, riefen alle nach Schwester Veronika, die von dort stammt. Die Ordensfrau bekam auch sofort ein Käppi mit Heiligenschein und zwei weißen Flügeln überreicht und musste bei dem Tanz mitmachen. „Wir sind nämlich heute hergeflogen“, verkündete Anna Schneider, die auch ihre Oma grüßen wollte. Denn die Oma hat die Auszubildende zum Glauben geführt. „Das Tischgebet mache ich auch heute noch“, berichtete die junge Frau.

Für die rund 800 angemeldeten Jugendlichen spielt der Glaube eine wichtige Rolle. Sie engagieren sich in kirchlichen Verbänden wie dem BDKJ oder der KLJB, sind Ministrantinnen und Ministranten und fühlen sich in der Gemeinschaft der Gläubigen wohl. „Es tut uns gut, wie ihr Schwestern uns hier begrüßen tut“, sangen die Teilnehmer aus der Seelsorgeeinheit Bad Wurzach. Rund 50 Jugendliche aus Schemmerhofen kamen mit Strohhüten, die sie beim gemeinsamen Song in die Luft warfen.

Aus Böbingen strampelten junge Erwachsene nach Untermarchtal. Armin Kießling ist ihr Sprecher. „Ich bin jetzt das zehnte Mal hier“, verkündete er. Und „weil im letzten Jahr meine Fahrradkonkurrenz so schwach war, musste ich mich selber dieses Jahr schwächen“, erklärte er lachend sein klappriges Klapprad.

Es gab aber auch kurzentschlossene Teilnehmer wie Christine Kramer aus Elchingen, die mit ihrem Mann und ihrer Nichte gekommen war. „Ich war schon als Jugendliche hier“, berichtete die Erzieherin, die sich wunderte, dass „es jetzt hier irgendwie weniger Leute sind“. Es sei schon in ihrer Jugend so gewesen, dass der Jugendtag eine Oase und ein Ort zum Auftanken ist. „Man ist hier nicht die einzige, die an Gott glaubt“, beschrieb sie das Gemeinschaftsgefühl. „Und ich habe hier immer viele Impulse für meinen Glauben mitgenommen“. Auf alten Fotos entdeckte sie sogar ihren zukünftigen Mann, der einst auch in Untermarchtal auf dem Jugendtag war. „Aber da kannten wir uns noch nicht.“

Da das Radeln oder der Fußmarsch zum Jugendtag doch anstrengend war, gingen die meisten erst einmal unter die Dusche und bezogen ihr Übernachtungsquartier. Nach dem Abendessen luden die Schwestern zum meditativen Wortgottesdienst in die Vinzenzkirche ein. Wer wollte, konnte sich in Einzelgesprächen mit den Schwestern austauschen, zur Beichte gehen oder den Tag mit dem Konzert mit der „Berg-Band Kollektiv“ im Zelt ausklingen lassen.

Der Sonntag war von Interessenskreisen zu verschiedenen Themen geprägt. Gemeinsames kreatives Tun, Beten, Puppentheater, offenes Singen und Informationen zu Freiwilligendiensten oder kirchlichen Diensten standen auf dem Programm. Den Abschluss des Jugendtags bildet wie jedes Jahr der Gottesdienst im Zelt, dieses Jahr mit Domkapitular und Offizial Thomas Weißhaar. Das Thema war dabei „Haltet fest am Guten“. Er sprach den Jugendlichen Mut zu und bestärkte sie im Glauben an eine gute Zukunft mit Gott.

800


Jugendliche melden sich für den
Jugendtag an. Die jungen Leute engagieren sich in kirchlichen Verbänden – etwa dem BDKJ oder der KLJB – oder sind als Ministranten aktiv.