Künstler Johannes Lang trägt das Leben der Künstlerin Maria Freudenreich zusammen

Johannes Lang ist der Malerin Maria Freudenreich auf der Spur.
Johannes Lang ist der Malerin Maria Freudenreich auf der Spur. © Foto: Christina Kirsch
Ehingen / CHRISTINA KIRSCH 06.02.2014
Johannes Lang sammelt derzeit alles, was mit der Malerin Maria Freudenreich zu tun hat, deren Mutter in Ehingen geboren wurde. In Ehinger Familien sind noch Bilder der Künstlerin zu finden.

Irgendwie kommt eines zum anderen. Bei Johannes Lang kommt gerade alles zu der Malerin Maria Freudenreich zusammen. Vorläufig noch als Kopie hat der Ehinger Sterbebildchen, Gemälde, Briefe und bemalte Tassen zusammengetragen. Auf diese Weise fügt sich ein Leben zusammen, in das Johannes Lang seit 2012 eingetaucht ist. Anlässlich des 100. Todestags von Maria Freudenreich wird in Ehingen und Ochsenhausen eine Ausstellung zur Malerin zu sehen sein. Im Vorfeld sammelt, recherchiert, telefoniert und fahndet Johannes Lang nach Belegen, Bildern, Zeitungsausschnitten und Fakten.

Die Hinweise hat er von Ehinger Bürgern bekommen. Denn Maria Freudenreichs Mutter war eine geborene Bechler, und so finden sich im Hause des ehemaligen Steuerberaters Bechler noch Bilder der Malerin, die als Leihgaben in der Ausstellung zu sehen sein werden. Auch die Ehingerin Klara Baum besitzt noch Originale. Zudem war der Ururgroßvater von Maria Freudenreich Pfarrmeßmer in Ehingen. Dessen Frau wiederum hieß Anna Maria Manz, stammte aus Ehingen und kam vermutlich auch wieder hierher zurück, als ihr Mann starb. "Deren Tochter Ernestine heiratete den Häfner Sauter, der in der Lindenstraße im heutigen Haus Thielemann eine Häfnerei betrieb", erzählt Johannes Lang, der die verwandtschaftlichen Verhältnisse anhand eines Stammbaums auseinanderdividiert. Über diesen Häfner gibt es in einem der Ehinger Stadtgeschichte-Bücher einen Text von Walter Schaupp. Aus dieser Häfnerei kamen auch Schmuckziegel und besondere Kaminaufsätze.

Auf die Spur von Maria Freudenreich kam Johannes Lang in Gesprächen mit Klara Baum und dem Steinmetz Stefan Freudenreich, der ebenfalls Bilder der Malerin aufbewahrt. 2012 fing der ehemalige Oberstudienrat an der Gewerbeschule dann mit der Recherche an. Lang fand das "Semestral-Zeugnis" der Kunstgewerbeschule in München, an der Maria Freudenreich ihr Handwerk gelernt hatte. Aus dieser Zeit sind Kopien großer Meister erhalten. Ihren Lebensunterhalt verdiente sich die ledige Malerin mit Pfarrherren-Bildern, die etwa in der heutigen Stiftung Liebenau hängen. Diese Bilder kommen ebenfalls in die Ausstellung.

Am meisten interessiert sich Johannes Lang jedoch für ein lebensgroßes Portrait des Bischofs Dr. Paul Wilhelm Keppler. "Marias Schwägerin erwähnt 1913 in einem Brief, dass Maria Freudenreich ein lebensgroßes Porträt des Bischofs gemalt habe", erzählt Johannes Lang. Doch dieses Porträt ist bisher nirgends aufgetaucht. "Im Bischofshaus hängt in der Galerie der Bischöfe ein Keppler-Porträt des Malers Gebhard Fugel", berichtet Johannes Lang. Dieses Bild wurde 1915 gemalt. Da es auch aus dem Jahre 1912 ein Foto von Maria Freudenreich im Garten des Bischofspalais gibt, liegt die Vermutung nahe, dass sich die Malerin 1912 oder 1913 längere Zeit dort aufgehalten hat. Wahrscheinlich sei, dass sie gemalt hat, mutmaßt Johannes Lang. Wenn Maria Freudenreich 1912/1913 ein Porträt des Bischofs gemalt hat, dann hat dieses Porträt dem Bischof vielleicht nicht gefallen. Warum sollte er sonst 1915 Gebhard Fugel beauftragt haben?

Der Fund dieses Bischofsporträts wäre für den Hobby-Historiker die Krönung der geplanten Ausstellung. Um auf eine Spur zu stoßen, hat er gerade die Klöster Reute, Sießen und Untermarchtal angeschrieben. Wer weiß, es sind schon einige Ausstellungstücke in Abstellkammern gefunden worden und unvermutet wieder aufgetaucht.

Die Ausstellung über Maria Freudenreich wird am 6. April im Klostermuseum Ochsenhausen eröffnet. Von 1. Juni an ist sie im Ehinger Museum zu sehen.

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