Die Winckelhoferstraße ist wegen des Sporthallenbaus derzeit im Gespräch. Diese lange Straße an der südlichen Peripherie der Stadt wurde nach Hieronymus Winckelhofer benannt, geboren 1469, gestorben 1538 in Ehingen. Hieronymus Winckelhofer war Jurist, Theologe, Kaplan am Ulmer Spital, Pfarrverweser in Berkach und ein prominenter Stifter in Ehingen. Der Ehinger Johannes Lang hat sich eingehend mit der Familie der Winckelhofer befasst und hielt bei der Museumsgesellschaft einen Vortrag zu den beiden Glasfenstern im Ehinger Rathaussaal, die auch morgen wieder Thema im Museum sind.

Das sei der reinste Krimi, meinte der Hobbyhistoriker, der bei einem Urlaub in Brixen im dortigen Lachmüller-Haus ein identisches Stifter-Bild entdeckt hatte. Dieses Bild tritt quasi den Beweis dafür an, dass es von den Stifter-Bildern mehrere Ausführungen gab. Schon Joseph Hehnle forschte zu den Fenstern im Rathaussaal, die den Stifter als kleine Person in einem einfachen Priestergewand zeigen. Dargestellt sind auch der Heilige Hieronymus als Namenspatron und die Madonna mit Kind.

Hieronymus Winckelhofer war wohlhabend und vergab Stipendien an Studenten, die Priester werden wollten. "Alljährlich stiftete er auch die Mitgift für ein ehrbares Mädchen, das ohne Aussteuer nicht hätte heiraten können", berichtete Lang. Auch das Heilig-Geist-Spital, das heutige Museum, profitierte von Winckelhofer. Zum Dank für seine Wohltaten schenkte ihm die Stadt Ehingen ein Glasbild, das 1509 im Rathaus eingebaut wurde. Beim Brand 1688 wurde es zerstört.

Aber von diesem Bild habe es eine Nachbildung aus gleicher Zeit gegeben, berichtete Johannes Lang. Diese Nachbildung habe sich in einem Winckelhofer-Haus, vermutlich dem Wohnhaus in der heutigen Hauptstraße 61 (heute Schuhhaus Maute), befunden. Schon Oberstudienrat Joseph Hehnle vom Ehinger Gymnasium habe bei seinen Nachforschungen ermittelt, dass sich dieses Bild im Besitz von Johann Nepomuk Vanotti befand. Dieser wurde 1814 Pfarrer in Ehingen. Weil er das Ehinger Konvikt gründete, ist er als Namensgeber des Gymnasiums verewigt worden. Johannes Lang vermutet, dass der einstige Hausbesitzer das Glasbild dem geistlichen Herrn überlassen hat. Im Pfarrhaus sei das Bild jedoch in die Brüche gegangen. Daraus könnte man dann eine hübsche fiktive Heimatgeschichte entwickeln, was sich Johannes Lang allerdings untersagt. Die Scherben seien an den Oberamtsarzt Dr. Buzorini gegangen, der sie zum Glasermeister Kienle trug. Der fügte die Scherben wieder zu einem Bild zusammen und zeigte es dem Ulmer Kunsthändler Thierer. Der kaufte das Bild kurzerhand und verkaufte es nach Paris. Stadtschultheiß Müller erfuhr von dem Bild, kaufte es zurück und ließ es 1870 im Rathaussaal rechts einbauen.

Ähnlich abenteuerlich ist die Geschichte des linken Bildes mit einem ähnlichen Motiv, allerdings im Hochformat. Auch davon gab es eine Nachbildung, die mit der Auswanderung der Familie 1530 nach Tirol kam. Ritter Hannibal von Winckelhofen hatte sich unweit von Brixen die Karlsburg gebaut, die 1850 an einen Bauern verkauft wurde. In der dortigen Kapelle fand Johannes Lang das fast gleiche Bild wie im Rathaussaal. Eine Innsbrucker Glaswerkstatt kopierte das Bild und ließ es dem Rottenburger Bischof Wilhelm Reiser zukommen. Die Schwester des Bischofs verkaufte das Bild dann nach Ehingen, wo es 1899 in das linke Fenster eingebaut wurde.

Info Am morgigen Sonntag bietet Johannes Lang den Besuchern des Museums Kurzvorträge zur Familie Winckelhofer und zu den Glasfenstern im Ehinger Rathaus an. Beginn ist um 14.30 und 16 Uhr.