Veranstaltung Jazztage: Big-Band-Sound und Saitenklänge

Horst Schwalb ist seit März der neue Vorsitzende im Ehinger Jazzclub. Unter seiner Leitung soll das Rad nicht neu erfunden werden, doch es sollen jüngere Menschen angesprochen werden.
Horst Schwalb ist seit März der neue Vorsitzende im Ehinger Jazzclub. Unter seiner Leitung soll das Rad nicht neu erfunden werden, doch es sollen jüngere Menschen angesprochen werden. © Foto: Christina Kirsch
Ehingen / CHRISTINA KIRSCH 04.10.2018
Die 30. Ehinger Jazztage lehnen sich unter neuer Leitung an das alte Konzept an. Das Ziel lautet: jüngere Menschen einbinden.

Früher, als Horst Schwalb mit seiner Frau Andrea noch in Ulm gewohnt hat, beobachtete er den Ehinger Jazzclub nur aus der Ferne. „Im Jahr 2000 zogen wir dann nach Gamerschwang“, sagt der 59-Jährige. Dennoch, trotz der damit verbundenen Nähe zu Ehingen, hatte es ihn noch nicht zum Club gezogen, obwohl ihm die Musik zusagt. Sehr sogar. Irgendjemand hatte ihm erzählt, dass im Jazzclub Leute wären, die ihm nicht lägen.

Ungeprüft ließ Horst Schwalb das so stehen. Aber dann gab es in der Brasserie Amadeus einen Auftritt des Rua Baden Powell Projekt – und Horst Schwalb ging hin. Er wurde freundlich aufgenommen, „und schon in der Pause des ersten Konzerts habe ich mir den Aufnahmeantrag geholt“, erinnert er sich an seine Anfänge im Jazzclub.

Wenn man dann öfter Konzerte besuche, gerate man in das Blickfeld der Organisatoren, erzählt der Jazzclub-Vorsitzende. So habe er zunächst bei Konzerten kassiert und sei dann als Beisitzer in den Vorstand gewählt worden. Im vergangenen März haben ihn die Mitglieder des Jazzclubs – der Verein zählt 360 Mitglieder – in der Jahreshauptversammlung zum neuen Vorsitzenden gewählt. Auch seine Frau Andrea ist Mitglied und seit den Neuwahlen Beisitzerin im Club.

Jüngeres Publikum ansprechen

Vom 12. bis 14. Oktober richtet der Club die 30. Ehinger Jazztage aus. Das Konzept fußt auf dem Strickmuster der vergangenen Jahre und geht in der Planung und Kontaktpflege auch noch teilweise auf den alten Vorstand um Doris Dammann zurück. Das Programm am Freitag hat eine traditionelle Ausrichtung und bringt mit „The New Orleans Experience“ sieben Musiker aus drei Nationen (Deutschland, Schweiz, Großbritannien) auf die Bühne, die in der Tradition von Bunk Johnson, George Lewis oder Kid Thomas Valentine Musik machen. „Let the saints go marchin‘ in“ lautet das Motto gemäß eines populären Gospel-Hits.

Am Samstag wird versucht, ein jüngeres Publikum anzusprechen. Die ersten 30 Minuten des Konzerts in der Lindenhalle werden von 30 Schülern des Johann-Vanotti-Gymnasium gestaltet. Unter der Leitung von Simon Föhr haben die Bläser Jazz-Standards und Rock- und Pop-Arrangements einstudiert. „Der Jazzclub wird von Jugendlichen weitgehend nicht wahrgenommen“, sagt Horst Schwalb. Der Vorsitzende hofft, dass die JVG-Big-Band neues Publikum anzieht. Als Zugpferd soll auch Joo Kraus wirken, der an dem Abend mit der SWR-Big-Band auftritt. Von den Profis wird man Jazz, Fusion und Weltmusik zu hören bekommen. Die 17 Musiker haben auch Pop von Max Mutzke, Incognito oder Götz Alsmann im Repertoire.

Rad nicht neu erfinden

„Wir haben nicht vor, das Rad neu zu erfinden“, sagt Horst Schwalb. Mehr als die Hälfte der Personen im Vorstand seien neu, sagt der Ehrenamtliche, der im Hauptberuf als Schreiner am Theater Ulm arbeitet. Man habe jedoch dieses Jahr die Anzahl der Banner von drei auf neun aufgestockt und auch ein Stadtbus ist plakatiert worden. Zudem läuft auf dem Busmonitor ein Programmhinweis auf die Jazztage.

Als besonderes Schmankerl für sparsame Jazzliebhaber bietet der Jazzclub die Vorverkaufskarte 5 Euro günstiger als die Eintrittskarte an der Abendkasse an. „Das rechnet sich“, sagt der Schwabe Schwalb.

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Vier Gaststätten und ein Gottesdienst

Kneipennacht Im Anschluss an die Hauptkonzerte in der Lindenhalle gibt es auch wieder Musik in vier Ehinger Gaststätten. Im „Schwanen“ tritt mit dem Achim Bohlender Swingtett die Band aus dem vergangenen Jahr auf. Die fünf Musiker bieten Swing. In der Brasserie „Amadeus“ hören Besucher von der „Roman Spilek Band“ Gitarrenmusik, die ihre Wurzeln im Blues hat. Ein Ehinger Gewächs ist „jazzorange+“, bei dem sich zu den Zwillingsbrüdern Michael (Drums) und Gernot Ernst (Piano) noch Ulrich Kuhn am Bass und Berthold Fischer am Saxophon gesellen. In der Kneipennacht am Freitag singt im „Ochsen“ Stephanie Gröger-Fendt mit der Band, am Samstagabend tritt der Gitarrist Lorenzo Petrocca mit den Ehingern auf. Im „Denkinger“ finden „Nic Diamaond & The Mellow Tunes“ zwischen den Stühlen gerade noch Platz. Die zwei Musiker Johannes Hettrich (Bass) und Mike Knehr (Piano) reihen laut Veranstalter ein Songjuwel ans andere. Nicole Häussler setze die Instrumentalisten mit ihrer Stimme in Szene.

Gottesdienst Der Jazzgottesdienst am Sonntag um 11 Uhr in der evangelischen Stadtkirche mit Siyou Isabelle und Joe Fessele hat treue Fans. Mit der Matinee im Restaurant Linde, zu der dieses Jahr der Pianist Leon Burkard aufspielen wird, schließen die 30. Ehinger Jazztage.

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