JAKOB RESCH

K inder, Küche, Kirche? Naja, nicht ganz. "Köpfchen, Kanzel, Kinder" heißt eine jetzt erschienene Biografie über Jakob Rieber. Eine Biografie der etwas anderen Art über einen Mann besonderer Art: Rieber (1858-1926) war 17 Jahre Münsterpfarrer in Ulm und hatte mit seiner Frau Emma 17 Kinder (eines starb kurz nach der Geburt). Autorin Christine Bütterlin zeichnet sein Leben anhand von Briefen, Tagebuchnotizen, Familienerzählungen nach, quasi durch Riebers Brille gesehen also - die denn auch groß abgebildet ist.

Erzählt wird diese Geschichte als Rückblick des Münsterpfarrers selbst, der - kurz vor seinem Tod - in Ulm seine Sachen packt, um von der Pfarrerswohnung in der Frauenstraße 24, den in der Familie legendären "Pfaffenstadel" mit dem schönen Hof und der Straßenbahnhaltestelle vor der Tür, in die Donaustraße 8 umzuziehen, die so genannte Schelerei, die noch heute imposant dasteht.

Rieber, Sohn eines Tagelöhners, kommt aus armen Verhältnissen heraus auf Betreiben des Dorfpfarrers zu fremden Familien in Ebingen, um Lateinschüler zu werden. Er erinnert sich an seine "gräulich starke Stimme", die beim Predigen im Ulmer Münster noch von Nutzen sein sollte. Nach dem Stift in Tübingen, Vikar- und Pfarrverweserzeit wird er 1886 Stadtpfarrer in Isny und macht sich als Forscher über Patrizierfamilien einen Namen, zu denen dann auch die Besserer in Ulm gehören. Dorthin geht es 1907. Episoden-, ereignis-, faktenreich werden bewegte Ulmer Kriegs- und Nachkriegsjahre beschrieben. Und mit dem Ruf eines leutseligen "Trottoir-Seelsorgers" geht Rieber 1924 in den Ruhestand.

Die Konstruktion der Romanbiografie, die ein württembergisches Familienleben aus der Zeit heraus wieder auferstehen lässt, ist deswegen eine runde Sache, weil die Autorin selbst ein Kindeskind der Sippe ist, Enkelin des Jakob Rieber. "Ja bist Du auch eines von den Rieberle?", hieß es in ihrer Ulmer Kindheit. Erlebt hat sie ihren Opa, 18 Jahre vor ihrer Geburt gestorben, nicht mehr. Dafür hat sie das Interesse an Geschichte in den Genen, so wie auch ihr 1989 verstorbener Vater Albrecht Rieber, einst Leiter der stadtgeschichtlichen Forschungsstelle und Verfasser des Forschungswerks über die Pfalzkapelle in Ulm. Er war - Put genannt - das jüngste Kind von Emma und Jakob Rieber.Info Christine Bütterlin: Köpfchen, Kanzel, Kinder. Verlag Oertel + Spörer, 288 Seiten, 19,95 Euro.