Herr Fichtner, was macht die Ulmer Amnesty-Gruppe?

URS FIECHTNER: Amnesty International ist eine dezentrale Organisation. Die Regionalgruppen, wie die Ulmer Gruppe, übernehmen die Hauptlast der Arbeit. Diese Arbeit besteht darin, Menschenrechte durchzusetzen und Opfern von Menschenrechtsverletzungen zu helfen.

Wie groß ist die Ulmer Amnesty-Gruppe?

FIECHTNER: Die Ulmer Gruppe hat 100 Mitglieder. Sie verwaltet den Amnesty-Bezirk Ulm. Er erstreckt sich von Leutkirch bis Crailsheim und von Göppingen bis Dillingen.

Wie sieht die Arbeit konkret aus?

FIECHTNER: Wir recherchieren, und mit den Informationen erzeugen wir einen öffentlichen Druck auf Regierungen, Behörden und andere staatliche Organisationen. Im Prinzip nerven wir die solange mit Mails, Briefen und Demos, bis sich etwas ändert. Darüber hinaus betreiben wir Menschenrechtsbildung bei Bürgern. Selbstverständlich machen wir auch viel praktische Arbeit, zum Beispiel organisieren wir medizinische Hilfe für politische Gefangene oder Unterstützung für deren Angehörige.

Haben Sie damit Erfolg?

FIECHTNER: Natürlich! Seit 1973 konnte die Ulmer Gruppe 268 politischen Gefangenen helfen und über 200 politisch Verfolgte dabei unterstützen, in Europa Schutz und eine vorübergehende Heimat zu finden. In den 90ern haben wir die Gründung des Ulmer Behandlungszentrums für Folteropfer organisiert.

Und was findet am Tag der offenen Tür statt?

FIECHTNER: Dazu haben wir zwei ehemalige politische Gefangene aus Kenia und Chile eingeladen. Um 14 und 17 Uhr gibt es einen Vortrag aus Kenia zu Frauenrechten und Genitalverstümmelung, während Sergio Vesely aus Chile über seine Erfahrungen in chilenischen Militärgefängnissen und Konzentrationslagern berichten wird.