INTERVIEW · STEPHANIE BERNICKEL (SPD): Auch Jugendliche zwischen 14 und 18 an der Kommunalpolitik beteiligen

ANDREAS HACKER 15.05.2014
Die Ehinger SPD-Vorsitzende Stephanie Bernickel ist mit 25 Jahren die jüngste Kandidatin auf der Liste ihrer Partei zur Gemeinderatswahl.

Warum kandidieren Sie? Was ist Ihre Motivation, sich kommunalpolitisch zu engagieren? Gab es ein Schlüsselerlebnis, das Sie hat politisch aktiv werden lassen?

STEPHANIE BERNICKEL: Ich engagiere mich kommunalpolitisch, da ich in meiner Stadt etwas verändern, der jungen Generation eine Stimme geben und vor allem den Anteil politisch aktiver Frauen erhöhen möchte. Für mich gibt es kein besonderes Schlüsselerlebnis, das mich dazu bewogen hat, 2006 in die SPD einzutreten. Da uns heute Persönlichkeiten wie Willy Brandt fehlen und die politische Lage auch nicht mehr so stark polarisiert wie in den 1960er bis 1980er Jahren, stehen Inhalte im Mittelpunkt. Der Wunsch in mir, sich einzusetzen für soziale Gerechtigkeit und gleiche Entwicklungschancen, hat dazu beigetragen, dass ich in die SPD eingetreten bin und mich seither politisch engagiere.

Wie sieht ein junger Erwachsener Kommunalpolitik? Ist sie bedeutend, ein bisschen wichtig oder belanglos?

BERNICKEL: Kommunalpolitik ist bedeutend! Leider nehmen die meisten meiner Generation dieses so nicht wahr und verspielen durch Desinteresse die Möglichkeit, die Zukunft ihrer Gemeinde aktiv mitzugestalten. Kommunalpolitik betrifft alles, was unser tägliches Umfeld ausmacht: Bildung, Sport, Kulturangebote, Einkaufsmöglichkeiten und die wirtschaftliche Rolle der Gemeinde.

Warum sollte man als junger Mensch im Alter von 16 oder 17 Jahren am 25. Mai bei der Kommunalwahl wählen gehen?

BERNICKEL: Die grün-rote Landesregierung hat durch das Senken des Wahlalters auf 16 den Jugendlichen die Möglichkeit gegeben, die Weichenstellungen für die Kommunalpolitik mit zu beeinflussen. Die Jugendlichen im Alter von 16 und 17 Jahren sollten sich die Chance nicht entgehen lassen, möglichst viele junge Kandidatinnen und Kandidaten zu wählen, um so ihrer Generation Gehör zu verschaffen.

Werden Sie Wahlkampf betreiben? Wenn ja: wie?

BERNICKEL: Mein Wahlkampf wird im Rahmen des Wahlkampfes unserer SPD-Liste stattfinden. Wir wollen es schaffen, die Anzahl unserer Sitze im Gemeinderat auszubauen.

Was sind Ihre Ziele? Wollen Sie eigene Themen einbringen?

BERNICKEL: Mir liegt vor allem die Beteiligung der Jugendlichen zwischen 14 und 18 an kommunalpolitischen Entscheidungen am Herzen. Wir müssen eine Plattform schaffen, beispielsweise über einen Jugendgemeinderat, in denen die Jugendlichen die Möglichkeit haben, sich losgelöst von politischen Zwängen mit der Kommunalpolitik zu befassen, Entscheidungen mit zu treffen und zu verstehen, wie Politik in unserem Land funktioniert.

Was muss sich in Ehingen aus Ihrer Sicht ändern, damit die Stadt für junge Menschen attraktiv bleibt?

BERNICKEL: Im Vergleich zu Städten und Gemeinden in der Nachbarschaft ist die Attraktivität Ehingens für junge Menschen sehr gut. Die Stadt bietet mit Schulen und Ausbildungsplätzen viele Perspektiven. Um attraktiver für junge Familien zu werden, muss es gelingen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und den Familien eine gute Kinderbetreuung anzubieten.