Ehingen Interim-Festival: Wolfertturm wird zur Galerie für Kunst

1891 als "Kaiser-Wilhelm-Gedächtnisturm" errichtet, wird der Wolfertturm im Sommer zur Galerie für Kunst. Währen des Festivals soll er drei Stunden täglich offen sein.
1891 als "Kaiser-Wilhelm-Gedächtnisturm" errichtet, wird der Wolfertturm im Sommer zur Galerie für Kunst. Währen des Festivals soll er drei Stunden täglich offen sein. © Foto: Stefan Bentele
Ehingen / Stefan Bentele 01.02.2019
Einige Aktionen des Interim-Festivals laufen an. Der Wolfertturm wird bespielt, ein Künstler verwandelt Alltägliches in Kunst.

Wir werden den Wolfertturm bespielen“, sagt Rainer Markus Walter, Kurator des Interim-Festivals, das Ende Juni in Ehingen stattfindet. Der Turm war schon von Beginn an als Spielort angedacht, nun gibt es konkrete Überlegungen, wie das aussehen könnte. Einen Ausschlag hat auch eine Begehung mit dem Albverein ergeben. Einen weiteren die Tatsache, dass die Veranstalter von Interim in Gesprächen mit Menschen in der Stadt festgestellt haben, dass der Turm immer wieder Thema war, offenbar auch, weil der Zugang meist nur einmal im Monat möglich ist. „Wir glauben, dass viele Ehinger deshalb noch gar nicht auf dem Wolfertturm waren.“ Walter bezeichnet das Bauwerk als „symbolträchtiges Erkennungszeichen“ der Stadt Ehingen. Er sei selbst oben gewesen und habe den „Spitzenausblick genossen“.

Angedacht ist nun, dass Gruppen von Jugendlichen mit Menschen in der Stadt das Gespräch suchen und sie zum Wolfertturm befragen. Die Idee stammt von Sarah Baltes, wie Walter ein Vorstandsmitglied bei Interim. Die Fragestellung der Aktion soll in etwa lauten: „Was verbinden sie mit dem Wolfertturm?“ Dabei sollen die Jugendlichen mit Aufnahmegeräten die Aussagen aufzeichnen, die O-Töne selbst sollen dann während des Festivals über zwei Hörstationen im Turm wiedergegeben werden. Selbstredend, dass der Zugang während des Festivals möglich ist, vermutlich drei Stunden täglich. Währenddessen sollen die Besucher die Audioaufnahmen hören und den Ausblick über Stadt und Land genießen.

Auch Kunst von Kindern ist dabei

Zusätzlich zu den Tonaufnahmen soll Kunst aus Kinderhand in dem Turm zu sehen sein. Das Interim-Mobil war schon an verschiedenen Schulen zu Besuch, die Mitarbeiter haben dabei festgestellt, dass die Kinder immer wieder den Wolfertturm gemalt haben. Letztlich ist so die Idee für die Kunstausstellung entstanden. Derzeit ist das alles noch reine Konzeption, doch Walter stellt sich vor, dass die Malereien während des Festivals im Treppenhaus ausgestellt werden.

Unter dem Titel „Ehingen versammelt“ ruft der Ulmer Künstler Christian Greifendorf dazu auf, Alltagsgegenstände im Interim-Labor im Pfeiffer-Haus abzugeben (siehe Info). Die Gegenstände – vom Stuhl über Vasen, Kaffeemaschinen, Koffer bis zu Gartenzwergen ist vieles möglich – sollen „Teil eines größeren Kunstwerks“ werden, heißt es in einem Flyer zum Festival, der seit gut zwei Wochen an verschiedenen Orten in Ehingen ausliegt.

Nach dem Festival bekommt jeder sein Kunstwerk zurück - signiert

Es handle sich um ein „partizipierendes Moment“, sagt Greifendorf, um ein niederschwelliges Angebot. „Es soll ein Austausch stattfinden.“ Der Künstler wird die Gegenstände bearbeiten – wie er sagt, gerne unter Mitarbeit der Eigentümer – und sie etwa über Farbgestaltung „vereinheitlichen“ und somit ein verbindendes Element schaffen. „Damit die Gegenstände miteinander kommunizieren können.“ Wie die weitere Überarbeitung ausschaut, hängt davon ab, was alles eingereicht wird.

Noch vor dem Festival können die Geber entscheiden, wo sie die dann geschaffene Kunst ausstellen. Laut Greifendorf können die Ausstellungsstücke bis zum Festival, wo sie ausgestellt werden, im privaten Bereich gezeigt werden, am Arbeitsplatz, an einem sonstigen erlaubten öffentlichen Platz oder im Schaufenster im Pfeiffer-Haus. Nach dem Festival erhält jeder Geber sein Kunstgegenstand zurück, signiert. „Auch danach sollen die Gegenstände miteinander kommunizieren“, sagt Greifendorf.

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„Ehingen versammelt“ bis Mitte April

Abgabe: Wer sich an der Aktion des Künstler Christian Greifendorf beteiligen möchte und Alltagsgegenstände abgeben möchte, kann das bis 12. April im Pfeiffer-Haus in Ehingen tun, immer freitags von 15 bis 19 Uhr. Die Gegenstände sollten weder einen hohen materiallen noch immateriellen Wert haben, also keine Erinnerungsstücke oder Gebrauchsgegenstände. Bei den Ausmaßen ist zu beachten: Höchstens ein Kubikmeter, mindestens 40 Zentimeter. Angenommen werden nur optisch intakte Gegenstände, technisch müssen sie nicht funktionieren, dürfen aber keine schweren sichtbaren Schäden aufweisen.

Fest: Das Festival findet vom 27. bis 30. Juni in Ehingen statt. Es gibt zudem Konzertabende und ein Traumtheater. Außerdem sammelt der Riedlinger Fotograf Georg Kliebhan 52 Fotos von Ehingern, die Szenen in der Stadt festhalten (wir berichteten).

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