Wirtschaft IHK: Mehr Frequenz in den Städten der Region

An dieser Stelle hat eine Firma im Auftrag der IHK die Passantenfrequenz erhoben. Gezählt wurden Menschen, die mit einer oder mehreren Einkaufstaschen unterwegs waren.
An dieser Stelle hat eine Firma im Auftrag der IHK die Passantenfrequenz erhoben. Gezählt wurden Menschen, die mit einer oder mehreren Einkaufstaschen unterwegs waren. © Foto: Stefan Bentele
Ehingen / Stefan Bentele 12.10.2018

Im Ganzen betrachtet steht Ehingen mit Blick auf Passantenfrequenz, Schlüsselbranchen und Leerstände im Handel besser da als vor fünf Jahren, wie aus dem gestern vorgestellten Einzelhandelskompendium 2018 der Industrie- und Handelskammern (IHK) Ulm und Schwaben hervorgeht. Untersucht wurden wieder 18 Städte in den Kammergebieten.

Es sei bemerkenswert, dass die meisten Städte in den Kammergebieten einen Zuwachs bei der Passantenfrequenz (siehe Info) verbuchen, wie Josef Röll, für Handel und Dienstleistungen bei der IHK Ulm zuständig, gestern im Haus der IHK in Ulm erläuterte. Das sei womöglich eine Folge der Situation in Ulm, wo wegen vieler Baustellen die Erreichbarkeit schwieriger sei.

Otto Sälzle, Hauptgeschäftsführer der IHK Ulm, sprach noch einen weiteren Aspekt mit Blick auf den Online-Handel an. So hat Sälzle zufolge eine Untersuchung von PWC – einem Netzwerk unabhängiger Unternehmen – ergeben, dass die Zahl der Konsumenten, die angaben, wöchentlich einmal im örtlichen Einzelhandel einzukaufen, von 46 Prozent im Jahr 2016 auf nun 59 Prozent gestiegen ist. „Vielleicht ist das eine Trendwende bei den Menschen. Der Internethandel wird aber bleiben.“

Mit dem Kompendium wollen die Kammern nun auf den Regionalverband Donau-Iller zugehen, um ein Einzelhandelskonzept zu entwickeln. Sälzle betonte, dass es attraktive Geschäfte in den Innenstädten brauche. „Hier schlägt der Puls der Stadt.“

Beim Blick auf Ehingen verteilt sich der Einzelhandel auf drei Hauptstandorte: Innenstadt, Möbel Borst und Alb-Donau-Center. Röll zufolge verzeichnen die Standorte an der Ehinger Peripherie hohe Frequenzen, was mit der Neustrukturierung bei Borst beziehungsweise der Revitalisierung des Centers erklärt wird. „Das bringt einen Schub, aber eben nicht für die Innenstadt.“ Den Bereich Adolffstraße zählt die Untersuchung im Übrigen nicht zu Innenstadt, begründet wird das mit der trennenden Bahnlinie.

Mit Blick auf die Zahlen für Ehingen gilt zu berücksichtigen, dass die absolute Kaufkraft im Durchschnitt gegenüber 2013 bundesweit zugenommen hat, zugleich hat der Onlinehandel an Bedeutung gewonnen. Das hat zur Folge, dass Städte mit einer so genannten Einzelhandelszentralität von 113,1 Punkten oder weniger einen Kaufkraftabfluss verzeichnen. Ehingen jedoch kommt auf einen Wert von 171,5. Damit gewinnt – unter Bereinigung des Onlinehandels – die Stadt insgesamt deutlich mehr als die Hälfte der örtlichen Kaufkraft von außen, vor fünf Jahren war es noch knapp die Hälfte (2013: 149,7).

Röll zufolge haben sich in Ehingen viele Filialen angesiedelt, er nannte hier etwa H&M als „Anker“, der insbesondere junge Menschen anziehe. Die Zahl der Gastronomien (24) sei gut, verteile sich aber hauptsächlich auf die Teilorte, was eben nicht der Innenstadt zugutekommt. „Was man aber merkt: Dass die Stadt lebendiger wirkt.“ Zu begründen sei das mit dem Stadtentwicklungskonzept und den vielen Kulturveranstaltungen in Ehingen.

Branchen und Leerstände

Was den Branchenanteil bei Mode, Schuhe und Sport betrifft, liegt Ehingen in beiden Kammergebieten mit einem Anteil von 23,2 Prozent (2013: 22,7) auf Platz vier. Besser schneiden lediglich Laupheim, Biberach und Ulm ab. Die IHK spricht den Branchen die Rolle als „Frequenzbringer“ zu, die letztlich über den „Bummelfaktor“ einer Stadt entscheiden.

Hingegen steht Ehingen bei den Leerständen mit 11 Prozent zwar besser da als vor fünf Jahren (14), liegt mit dem Wert aber auf Platz 14 von 18. Wobei in der Untersuchung betont wird, dass ein Abbau von Leerstand nicht per se von Vorteil sein muss, wie an der Stadt Vöhringen im Kreis Neu-Ulm zu beobachten sei: Dort haben Dienstleister die Leerstände belegt, die aber keine nennenswerte Frequenz bringen.

Menschen mit Einkaufstüte gezählt

Passantenfrequenz Bei der durchschnittlichen Passantenfrequenz je Stunde hat sich Ehingen mit einem Wert von 747 Passanten mit Einkaufstasche an der Ecke Hauptstraße und Marktplatz um einen Platz gegenüber der Untersuchung 2013 verbessert, damals lag der Wert bei 460. Vor Ehingen liegen Biberach (2018:1448/2013: 1352) und Ulm (2831/5064). Die IHK führt diese Entwicklung auf einen Abfluss aus Ulm mit seiner „schwierigen Baustellensituation“ zurück. Ehingen wird neben Biberach, Laichingen, Blaubeuren, Weißenhorn und Senden als „Gewinner“ geführt.

Messung Gemessen wurde in den Städten jeweils an zwei Wochentagen, donnerstags und samstags. Die beauftragte Firma suchte die Zählpunkte in Abstimmung mit Stadtverwaltung und Handel vor Ort aus. Überwiegend seien die Zählpunkte dieselben wie vor fünf Jahren gewesen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel