Ehingen Hospiz hilft beim Sterben zu Hause

Hanna Nething mit der „Trauernden Witwe“ im Garten in Rechtenstein. In der bemalten Gipsfigur hat ihr Mann sie in der Zeit nach seinem Tod gesehen.
Hanna Nething mit der „Trauernden Witwe“ im Garten in Rechtenstein. In der bemalten Gipsfigur hat ihr Mann sie in der Zeit nach seinem Tod gesehen. © Foto: Anne Hagenmeyer
Ehingen / Anne Hagenmeyer 12.10.2018
Hanna Nething aus Rechtenstein hat Unterstützung erfahren, als ihr Mann wunschgemäß zu Hause sterben konnte.

Vor zehn Jahren hat das Ehepaar Nething ein Haus in Rechtenstein gefunden. Das alte Verwaltungsgebäude des ehemaligen Zementwerks war schon umgebaut und stand zum Verkauf. Als Heiner Nething, Leiter einer ambulanten Psychiatrie, in den Ruhestand ging, verwirklichte er im Brühlhof seinen Lebenstraum: Er gestaltete einen surrealistischen Garten mit unzähligen Skulpturen, zusammengesetzt aus bäuerlichen Fundstücken der Umgebung. In einer sonnigen Ecke schwirren Bienen um ihren Stock, im Teich schwimmen Goldfische, Himalaya-Birken bilden den buschigen Hintergrund. Dazwischen jagen zwei quicklebendige Rehpinscher durch den Garten.

„Da hinten steht die trauernde Witwe“. Hanna Nething geht auf eine bemalte Gipsfigur zu und sagt: „In ihr hat mein Mann mich nach seinem Tod gesehen“. Bei dem Leben im Garten ist auch die Vergänglichkeit in allen Teilen präsent und darf sich zeigen. So ist an einer Kutsche die Achse gebrochen und hat das Gefährt in eine Schieflage gebracht. „Das ist passiert, als mein Mann so krank wurde“. Damit meint Hanna Nething den Schlaganfall ihres Mannes, der viele Krankenhausaufenthalte nach sich zog. Als es so weit war, dass die Zeit absehbar wurde und die Therapien nicht mehr halfen, stand für beide fest: Jetzt gehen wir nach Hause!

Die gelernte Krankenschwester und Therapeutin kannte das Spektrum an Hilfsangeboten und wusste auch schnell, dass sie die Pflege ihres Mannes nur stemmen könnte, wenn sie Hilfe annähme. Dazu ging Hanna Nething ganz strukturiert vor und machte sich eine Liste, die sie Punkt für Punkt abarbeitete: Sie räumte das Wohnzimmer aus, ein Sanitätshaus lieferte ein Pflegebett und Pflegeutensilien. Ihr Mann sollte von dort aus den Garten, die Donau und das dahinterliegende Kloster Obermarchtal vor Augen haben. Sie bekam einen Rollstuhl, der kleine Ausflüge durch den weiträumigen Garten ermöglichte. Eine Haushaltshilfe kam von der Krankenkasse hinzu.

„Haben auch viel gelacht“

Als ihr Mann dann zuhause war, zog das Ehepaar die SAPV, die spezialisierten ambulante Palliativversorgung, hinzu. Die ausgebildeten „Schmerzschwestern“ sind autorisiert, auch Schmerzmittel zu verabreichen, die unter dem Betäubungsmittelgesetz stehen, was sich auf alle Opiate bezieht. „Die Einstellung auf diese Mittel war nicht einfach“, erinnert sich Hanna Nething, „doch die Schwestern kamen mit viel Zeit und Geduld, auch in kurzen Abständen und bei Nacht.“

Hanna Nething bekam viel Unterstützung von ihrer Tochter Julia, die sie die ganze Zeit begleitete. „Sie müssen wissen, dass wir in dieser intensiven Zeit auch viel gelacht haben.“ Sie erzählt von ihrem Mann als einem „Freigeist mit viel Humor“, und selbst im Rückgang seiner Lebenskräfte sei er immer für einen kleinen Spaß gut gewesen.

Hilfe schafft Freiräume

In den letzten Wochen im Juli wollte Heiner Nething nicht mehr essen. „Das ist ein ganz heikler Punkt“, meint Nething, „aber auch ein ganz natürlicher Prozess. Im Krankenhaus wird dann oft mit Sonde ernährt und somit das Leiden verlängert.“ Zu dieser Zeit bekam Familie Nething schon Unterstützung von der Ehinger Hospizgruppe. Einsatzleiterin Ute Häußler kam mit einer ehrenamtlichen Begleiterin, die es Hanna Nething nun ermöglichte, Einkäufe zu machen, mit der Tochter spazieren zu gehen und wieder einmal eine Nacht zu schlafen.

„Das war zum einen eine sehr praktische Hilfe, aber die Begleitung machte es mir auch möglich, den Sterbeprozess in all seinen Phasen zu verstehen und zu akzeptieren“. Sie erzählt, dass das Sterben oft mit einem sogenannten Sterbefasten beginne und sich zum Schluss bestimmte Feinzeichen äußern, die sie ohne die Erfahrung der Hospizbegleiterinnen nicht wahrgenommen hätte.

„Ich bin so dankbar“

„Im Grunde genommen geht es beim Sterben immer ums Loslassen.“ Das müsse der Sterbende leisten, aber die Familie ebenso. Dafür braucht es eine Begleitung, vor allem, wenn man diesen Weg zum ersten Mal mit einem Angehörigen geht. So war es für Hanna Nething auch wichtig, dass Ute Häußler sie darauf aufmerksam machte, ihren Mann zu fragen, ob er noch einen Wunsch hätte.

Wenn man heute, drei Monate nach dem Tod ihres Mannes, Hanna Nething fragt, wie es ihr denn ginge, dann sagt sie: „Ich bin so dankbar, dass ich das alles erleben durfte“, und meint diese intensive Zeit und die für sie kostbare Begleitung aller und letztendlich die der Hospizbegleitung. Diese endete nicht am Sterbebett, sondern half ihr auch danach in Gesprächen, sich auf den Weg der Trauer zu machen und auch diese in allen Phasen anzunehmen.

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