Ausstellung Hopfenleichte Schalen

hristina Kirsch 29.06.2018

Man möchte alles anfassen, um das Gewicht zu prüfen. Dann würde man ein Nichts aus Pflanzensamen spüren, das Angela Flaig zu duftigen Schalen, seriellen Wandbildern und einem großen Kegel formt. „Ich sammle das, was keiner im Garten haben will“, erklärt die 70-Jährige und verweist auf die Schönheit von Pusteblumen, Disteln und anderen Pflanzensamen. „Das alles hat die Natur verpackt, ich empfinde jedes einzelne als Geschenk“, meint die Künstlerin, die mit ihrem Mann Josef Bücheler (82) die kommende Ausstellung „Vergehen um zu werden“ in der Städtischen Galerie bestückt.

„Das Werk beider Künstler wurzelt in ihrem christlichen Glauben, der seine Offenbarung in unserer Welt und der Natur findet“, steht im Flyer zur Ausstellung. Angela Flaig versteht es mit der Anordnung von Samen, die sie weder mit Farbe noch mit Werkzeug bearbeitet, auf die Schönheit der Schöpfung hinzuweisen. „Das geht aber nicht mit jedem Samen“, sagt die Schwäbin, die mit ihrem Mann bei Rottweil lebt. „Pappeln verweigern sich“, die wollen sich nicht nach ihren Vorstellungen formen lassen.

Fügsam oder widerspenstig

Die Widerspenstigkeit liegt demnach in der Natur der Sache. Zudem gibt es in der Natur raffinierte Konstruktionen mit Stacheln oder kleinen Widerhaken, die den Händen der Künstlerin nicht gut tun. Fügsame Samen, die man in der Ausstellung zu sehen bekommt, sind Artischocken, Kugeldistel und Eselsdistel, Weidenröschen, Löwenzahn, Waldrebe und Zeder. Spätestens bei dem duftigen Kegel, der auf dem Boden steht und ohne schützende Glasscheibe präsentiert wird, fragt sich der Betrachter, wie Angela Flaig die Samen fixiert, damit sie nicht davon fliegen. Eine Werkzeugkiste mit der Aufschrift „Haarspray“ verrät den Trick. Trotzdem konnten einige Blütenstände ausbüxen und fanden ihren Weg in die Tür- und Parkettritzen der Galerie.

Josef Bücheler arbeitet mit Weidenruten, Kleister und Zeitungspapier. Die biegsamen Ruten umgibt er mit Papier, so dass eine Art Fahne, ein Mahnmal oder ein Zeichen entsteht. Das Papier wird bemalt. Dadurch erkennt der Betrachter erst auf den zweiten Blick, dass es sich um Altpapier handelt. Beide Künstler arbeiten im Sinne der Arte povera mit vorgefundenen, gewöhnlichen und armseligen Materialien. Das gehört zu ihrem Verständnis von Kunst. „Nichts zerstören, Vorhandenes würdigen“ könnte man als Untertitel über die stimmige Ausstellung schreiben.

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