Obermarchtal Holzhey-Orgel in Obermarchtal eingeweiht - Stromausfall bei der Messe

Obermarchtal / STEFAN BENTELE 08.10.2012
Nun erklingt sie wieder, die Holzhey-Orgel im Münster zu Obermarchtal. Bischof Gebhard Fürst segnete im Festgottesdienst das Instrument, dessen Töne trotz Stromausfalls das Gotteshaus erfüllten.

"Die Orgel führt uns zurück zum Ursprung unseres Glaubens und wirkt Solei Deo Gloria - Gott allein zur Ehre", predigte Bischof Gebhard Fürst gestern im Münster zu Obermarchtal. Dort feierte der Bischof gemeinsam mit den Gläubigen in einem zweistündigen Festgottesdienst die Einweihung der restaurierten Holzhey-Orgel und sprach seinen Segen über das kirchliche Musikinstrument. "Wo Orgelmusik spielt, dort öffnet sich der Himmel und da öffnen wir uns selbst", sagte der Geistliche im vollen Gotteshaus. Die vollbrachte Restaurierung komme der Erweckung eines geistlichen Erbes der Region gleich. Die Orgel mache in besonderer Weise Gottes Wort erfahrbar und gelte somit als "Instrument Gottes".

Die Obermarchtaler Orgel stammt aus der Hand des aus Süddeutschland stammenden und weltweit bekannten Orgelbaumeisters Johann Nepomuk Holzhey. Er war es, der das komplexe Instrument mit seinen 41 Registern um das Jahr 1784 erbaut hat. Für die damalige Zeit besaß die Orgel bereits ein hohes Maß an Vollkommenheit und wurde ihres Klanges wegen gerühmt, heißt es in der eigens herausgegebenen Festschrift. Das Musikinstrument habe bereits damals dem Organisten eine reichhaltige Palette an Klangfarben und Tonumfang geboten, der als fortschrittlich gelten müsse.

Diesen restaurierten, einzigartigen alt-neuen Klang, von Chören begleitet, durften die Besucher des Festgottesdienstes zur Einweihung erleben. Selbst ein kurzzeitiger Stromausfall vor der Kommunion, der sich einigen Gästen zufolge im gesamten Ort bemerkbar machte, ließen die himmlischen Klänge nur kurz verstummen. Mehrere Orgelbauer sprangen beim Stromausfall kurzerhand auf und betrieben die Windwerke der Orgel mit Muskelkraft. "Zwar war für kurze Zeit kein Licht mehr in der Kirche, dafür aber hat die Orgel gespielt", sagte Walter Heberle, Vorsitzender des Orgelbauvereins, im Anschluss an den Gottesdienst.

Wegen dieses spontan erfolgten Einsatzes und für ihr gesamtes Schaffen während der langwierigen Restaurierung richtete Heberle einen besonderen Dank an die Restauratoren und lobte: "Die Orgelbauer haben zu jeder Zeit Großartiges geleistet."

Der Orgelbauverein war es, der sich bei seiner Entstehung vor mehr als zehn Jahren zum Ziel gesetzt hat, die Restaurierung der Orgel zu unterstützen. Über 400 Einzelpersonen haben daraufhin mit großen, kleinen und mehrfachen Spenden zur Finanzierung beigetragen. Dass die finanziellen Gaben dabei keineswegs einzig aus Obermarchtal und Umgebung kamen, sondern vielmehr aus dem gesamten Bundesgebiet und sogar aus den Vereinigten Staaten von Amerika, hat Heberle besonders gefreut. Insgesamt über 443 000 Euro hat der Verein auf diese Weise eingenommen und dem Projekt zugutekommen lassen. Damit war knapp die Hälfte der 1,05 Millionen Euro treuen Restaurierung aufgebracht.

Doch Heberle dankte nicht nur den Spendern. Zugleich lobte der ehemalige Oberfinanzrat Bischof Gebhard Fürst, der als Schirmherr immer unterstützend für das Vorhaben gewirkt habe. Ohnehin ist das Instrument nach wie vor im Besitz der Diözese, die zu den Arbeiten 356 000 Euro beigesteuert hat.

Welche Bedeutung die Wiederherstellung der historischen Holzhey-Orgel hat, zeigte sich an der eigens zur Einweihung angereisten politischen Prominenz. So war Annette Schavan (CDU), Bundesministerin für Bildung und Forschung sowie Mitglied im Kuratorium des Orgelbauvereins, ebenso vor Ort wie die SPD-Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis. Schavan sprach Glückwünsche zur Einweihung aus: "Kirchenmusik ist eine wunderbare Sprache, die nach keinen Dolmetscher verlangt."

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