Kultur Hörgenuss vom Feinsten im Hohlen Fels

Schelklingen / RENATE EMMENLAUER 01.10.2018

Die Premiere des Höhlenkonzerts der Musikschule B-L-S (Blaubeuren-Laichingen-Schelklingen) war mehr als gelungen – die Zuhörer genossen den außergewöhnlichen Musikgenuss verwoben mit dem visuellen Erlebnis offenkundig. Einziger Wermutstropfen war, dass kaum 50 Besucher die Höhle füllten. „Wer heute nicht dabei war, hat richtig was verpasst“, schwärmte eine ältere Dame, die dem fein dosierten Gesang und den einzigartigen Klängen mit einer dem Alltag entrückten Miene lauschte. Ähnlich dachten wohl auch andere der Zuhörer, die offensichtlich in die Welt der Urmenschen eingetaucht waren.

Hommage an die Höhle

Musikschulleiter Tim Beck hatte zu Beginn angekündigt, die Höhle werde komplett mit Klang erfüllt, dies auf mehreren Bühnen und verstärkt durch effektvolle Farbenspiele. Er hatte nicht zu viel versprochen. Den ersten Part gestaltete der „Drei-Generationen-Chor“ der Musikschule vom obersten Schauplatz der Höhle aus. Die etwa 15 Sängerinnen und Sänger zwischen 15 und 75 Jahren zogen ihr Publikum schon beim ersten Lied „Hohler Fels“ in den Bann, eine Hommage ans Zentrum des Weltkulturerbes in Schelklingen. Den Text hatte Musikschülerin Sabine Swatschek geschrieben.

Dann folgten mit „Donna, Donna“, „Frieden“ und „Elah“ gehaltvolle und poppige Stücke, teils in englischer Sprache und mehrstimmig gesungen. Angesichts der herausragenden Akustik erwies sich der Gesang des Drei-Generationen-Chors als ein grandioses Hörerlebnis.

Mucksmäuschenstill war es, als Dorothea Federle mit ihrer Schwanenknochenflöte bei dem fröhlichen „Gedankengezwitscher“ in die Ursprünge der Musikkultur entführte. Mit dem gleichwohl filigranen wie kraftvollen „Abendgesang“ auf dem Schwanenfußknochen präsentierte die Virtuosin eine Uraufführung.  Die einzigartige Stimmung sorgte bei den Zuhörern in der kühle Höhle für innerliche Wärme. Sie waren tief versunken in der herrlichen Atmosphäre.

Bislang ungehörte Klänge lieferte ein Perkussion-Trio der Musikschule bei der Aufführung von „Steinklang“ aus der Feder von Wolfgang Lackerschmid, der beim Konzert anwesend war. Der berühmte Musiker mit Wurzeln in Ehingen hatte das Stück komponiert, überdies die dazugehörigen extravaganten Instrumente entworfen und fertigen lassen. Mit dabei ein Steingong, eine Steinharfe und ein Granmorimba. Wer den exorbitanten Variationen des Konzerts bislang noch nicht gänzlich erlegen war, konnte sich der fest verwobenen Symbiose von archaischem Klang und der ungeheuren Urgewalt des Raumes, eingeläutet durch musikalisches Windrauschen, kaum mehr entziehen.

Faszinierende Fingerfertigkeit

Krönender Höhepunkt des Konzerts war der Auftritt der international gerühmten Perkussion-Virtuosin Jessica Porter aus Laupheim, die auf dem Granmorimba und Marimbafon mit den vier Klöppeln ein Feuerwerk der Klänge mit faszinierender Fingerfertigkeit vollführte. Und das, obwohl die Musikerin fast eine Stunde bis zu ihrem Auftritt in der Kälte gesessen und mittlerweile eisige Finger hatte. Es war ein ganz besonderes Konzert, das die Jahrtausende alte Höhle mit neuem Zauber erfüllte.

Info Das nächste Höhlenkonzert im Hohlen Fels findet am Samstag, 6. Oktober, 17 Uhr, statt. Zu hören sind Frank Heinkel & Guests.

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