Die Höhlen der Alb mit ihrer Eiszeitkunst könnten von 2016 an das Siegel Unesco-Weltkulturerbe tragen. Die Kultusministerkonferenz ist dem Vorschlag Baden-Württembergs gefolgt und hat die Höhlen im Lonetal - Vogelherd-Höhle, Hohlenstein-Stadel und Bockstein - sowie die Höhlen im Achtal - Geißenklösterle, Hohle Fels und Sirgenstein-Höhle - auf die deutsche Tentativliste aufgenommen, sprich für das Unesco-Siegel nominiert. "Das war der härteste Schritt", sagt Reiner Blumentritt, Vorsitzender der Museumsgesellschaft Schelklingen. Er freut sich, dass sich die eineinhalb Jahre dauernde Vorbereitung nun ausgezahlt hat. Jetzt könne man weitermachen, die Chancen stünden gut.

Auch im Wirtschaftsministerium, zugleich oberste Denkmalschutzbehörde im Land, ist man hocherfreut. Staatssekretär Ingo Rust lässt jedoch wissen: "Bis zum Welterbe-Status ist es aber noch ein langes Verfahren." Neben den Höhlen stehen noch acht weitere kulturelle Stätten auf der Liste. Allerdings stehen die Fundorte im Alb-Donau-Kreis und im Kreis Heidenheim, in denen bis zu 40 000 Jahre alte Figuren aus Elfenbein wie die Venus gefunden wurden, an erster Stelle der Liste. Die Spitzenposition dürfte im Übrigen damit zu erklären sein, dass bislang im Vergleich zu historischen Bauten kaum archäologische Stätten das Unesco-Siegel tragen.

Sollte die Unesco zustimmen, bringt das laut Ministeriumssprecher Frank Kupferschmidt zwar kein Geld, dafür aber viele neue Pflichten, erweiterte Schutzmaßnahmen und ein neues Nutzungskonzept mit sich. Zugleich aber garantiere das Siegel erhöhte und weltweite Aufmerksamkeit.

Blumentritt wiederum ist sich sicher, sollte die Unesco 2016 die Höhlen mit dem Weltkulturerbe-Titel adeln, werde man schon "irgendwo zusätzliches Geld auftreiben", von mehr Besuchern aus aller Welt ganz zu schweigen. Das zu bewältigen, sei kein Problem. In der Vergangenheit habe man die Höhlen schon gut präpariert. Schon jetzt seien etwa Zugänge für Rollstuhlfahrer vorhanden, manche der geforderten Kriterium seien bereits erfüllt.

In den kommenden Monaten wird ein umfangreicher Antrag erstellt und bis1. Februar 2016 an das Gremium der Vereinten Nationen in Paris weitergeleitet. Auf einer Konferenz wird über jeden Antrag entschieden. Weitere Stätten sind etwa der Jüdische Friedhof Altona und die Brunnenkunst in Augsburg.