Abschied Schulleiter Wolfgang Aleker geht in Pension

Das Unterschreiben von Zeugnissen gehört in den letzten Schultagen am Johann-Vanotti-Gymnasium zu Wolfgang Alekers Hauptbeschäftigungen. Es ist das letzte Mal, dass er dies tut – er geht nach 14 Jahren in den Ruhestand.
Das Unterschreiben von Zeugnissen gehört in den letzten Schultagen am Johann-Vanotti-Gymnasium zu Wolfgang Alekers Hauptbeschäftigungen. Es ist das letzte Mal, dass er dies tut – er geht nach 14 Jahren in den Ruhestand. © Foto: Christina Kirsch
Ehingen / Christina Kirsch 17.07.2018
Nach 14 Jahren als Schulleiter des Johann-Vanotti-Gymnasiums geht Wolfgang Aleker in Pension. Die Schule habe sich gewandelt.

Er gehe glücklich, zufrieden und mit sich selbst im Reinen, sagt Wolfgang Aleker, der Schulleiter des Johann-Vanotti-Gymnasiums. Nach 14 Jahren als Rektor geht der 64-Jährige in Ruhestand und wird am Freitag um 16 Uhr in der Aula der Schule verabschiedet. Damit verlässt der Ehinger ein Haus, das er selber einst als Gymnasiast besucht hatte und das sich auch unter seiner Ägide sehr veränderte. Die Umsetzung neuer Bildungspläne, die Einführung des G8 mit dem Doppelabitur 2012, die Namensgebung und die Großbaustellen wie der Neubau der Turnhalle und die Sanierung des N-Baus sowie die digitale Ausrüstung des A-Baus fielen in Wolfgang Alekers Amtszeit.

Spagat mit allen Niveaus

Vor allem die neuen Bildungspläne und die Umstrukturierung der Schullandschaft in ein grundlegendes, mittleres und erweitertes Niveau kosteten Wolfgang Aleker, der mit seiner Meinung selten hinter dem Berg hielt, einige Nerven. „Die Werkrealschulen sollen für das grundlegende, die Realschulen für das mittlere und wir für das erweiterte Bildungsniveau sorgen“, sagt der Schulleiter. „Und die Gemeinschaftsschulen versuchen den Spagat mit allen Niveaus“, fügt  Aleker hinzu und lässt im Raum stehen, ob das gelingen kann. Immer neue Bildungspläne beschäftigen die Schulleiter und Wolfgang Aleker sagt, er habe sich die Reformierung der Oberstufe, die im Schuljahr 2018/2019 beginnt und zu einem neuen Abitur 2021 führen soll, nicht mehr antun wollen.

Als Wolfgang Aleker das Johann-Vanotti-Gymnasium übernahm, gingen etwa 1100 Schüler auf die Schule. Die Zahl pendle sich derzeit um die 1000 ein, sagt er. „Wir verlieren jedes Jahr nach der neunten Klasse zwischen 25 und 30 Schüler, die die zweite Fremdsprache vermeiden wollen oder ein bestimmtes Profil suchen“. „Die wissen mit 15 Jahren schon, dass sie einmal Wirtschaft studieren werden“, sagt der Schulleiter, der von 1965 bis 1973 das Gymnasium besuchte.

Diese Zeiten sind mit den heutigen nicht vergleichbar. „Damals durfte Günter Grass, der eine Wahlkampfrede für Willy Brandt hielt, das Schulgelände nicht betreten“, erinnert sich Wolfgang Aleker. Kurzerhand wurde ein VW-Bus auf die Straße vor die Schule gestellt und von dessen Dach hielt der berühmte Schriftsteller seine Ansprache. „Uns Schülern war es verboten, dort hinzugehen und wir haben es trotzdem gemacht“, erinnert sich der Rektor. Die Konsequenzen trug man mit Stolz. „Heute würde jede Schule solch eine Veranstaltung mit Handkuss nehmen.“

Der Traum vom vielen Geld

Bei der heutigen Schülergeneration sei das konstruktiv-kritische Potenzial verloren gegangen, bedauert der Schulleiter. „Die meisten Schüler haben nur noch das individuelle persönliche Wohlergehen vor Augen“, weiß Aleker. Der Traum vom vielen Geld beherrsche das Schülerdenken, meint er und erinnert an Erich Fromms Schrift vom „Haben oder Sein“. Den meisten Schülern gehe es gut und der Förderverein bekomme nur wenige Anträge auf Förderung eines Schülers, sagt Wolfgang Aleker.

Der gesellschaftliche Stand eines Gymnasiums hat sich in den vergangenen Jahrzehnten massiv verändert. „Vor 40 Jahren war ein Abi-Schnitt von 3 bis 3,5 normal“, sagt der Schulleiter. „Heute haben wir über 30 Schüler mit Einser-Schnitten.“ Die Zeiten politischer Abi-Reden scheinen ebenso vorbei wie politisches Engagement außerhalb der Schule. Es werde unter den Schülern kaum noch diskutiert, welche gesellschaftlichen Veränderungen nötig sind, bedauert Aleker, der gleichwohl auch eine Menge an schulischen Erfolgen und Höhepunkten aufzählen kann. Da ist der Schüleraustausch mit China, der erfolgreiche musikalische Zug mit engagierten Musiklehrern und Orchestern oder auch die Fußballmannschaften, die im Landesfinale zu „Jugend trainiert für Olympia“ stehen. Und wenn sich Schüler über die Schule hinaus engagieren, „dann ist das toll“. Gleiches gelte auch für Lehrer. Man müsse den Schüler immer in seiner Gesamtpersönlichkeit sehen, sagt der Rektor, der auch jedes Jahr den Eltern der neuen Fünftklässlern nahelegte, dass es ein Leben außerhalb der Schule gibt und geben muss.

Mit Bedacht haben Wolfgang Aleker und seine Frau Sabine Aich-Aleker den Ruhestand geplant. „Wir wollen es noch ein paar Jahre schön haben“, sagt der Schulleiter. Sabine Aich-Aleker war angestellte Lehrerin an der Franz-von-Sales-Realschule in Obermarchtal und hat ihren Vertrag gekündigt. Die 60-Jährige und ihr Mann wollen in den nächsten Wochen zunächst ihr Wohnhaus grundlegend sanieren „beziehungsweise sanieren lassen“, sagt Aleker, der seine handwerklichen Fähigkeiten auf Hilfsarbeiterniveau einschätzt.

Danach gehe es für drei Urlaubswochen nach Kreta. „Die Reise haben wir eigentlich schon zur Hochzeit geplant, aber dann wurde meine Frau schwanger und wir haben die Reise immer wieder geschoben“, erzählt Wolfgang Aleker. Wenn dann der Alltag als Pensionär seinen Lauf nehme, wolle er den Lehrerband für ein Schulbuch fertig schreiben und den Hobbys wie Wandern, Radfahren und Golfen frönen. Auch die drei Töchter wollen besucht werden und man müsse die vielen Fotos digital aufräumen. „Ein Wohnmobil schaffen wir uns nicht an“, sagt der Rektor. „Vielleicht leihen wir uns mal eines.“

„Von innen heraus leben“

Wolfgang Alekers Vorfreude auf den Ruhestand ist deutlich spürbar. Ein letztes Mal unterzeichnet er in diesen Tagen Hunderte von Zeugnissen und räumt in Gedanken schon sein Büro im Johann-Vanotti-Gymnasium. Seinem Nachfolger wünscht der scheidende Schulleiter, „dass ihm die Schule ans Herz wächst“. Denn Schule müsse man von innen heraus leben und leiten.

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