Allmendingen Hochwasserschutz für die Schmiech

Allmendingen / Walter Kneer 24.03.2017
Der Gemeinderat Allmendingen hat einstimmig Maßnahmen zum Hochwasserschutz an der Schmiech auf den Weg gebracht.

Man stelle sich vor: Nach tagelangen Niederschlägen scheint endlich wieder die Sonne. Herr Kleinallmendinger, Haus- und Gartenbesitzer in der Kleindorfer Straße, mäht seinen Rasen. Und was macht Frau Allmendinger gleichzeitig auf ihrem Grundstück in der Hauptstraße? Nun, sie paddelt mit dem Schlauchboot über ihren Garten.

Allzu absurd scheint dies nicht zu sein. Denn sollte Allmendingen von einem 100-jährigen Hochwasser (HQ100) heimgesucht werden, stünde das Großdorf komplett unter Wasser, während das Kleindorf nur zum Teil in Mitleidenschaft gezogen würde. Ersichtlich ist dies auch aus Hochwassergefahrenkarten (oben rechts), die es seit 2015 gibt.

Wie Bürgermeister Robert Rewitz am Mittwoch im Gemeinderat erklärte, gehe es im ersten Schritt darum, was die Gemeinde Allmendingen beim Hochwasserschutz tun kann. Der zweite Schritt müsse sein, mit den Nachbarn im Süden und im Norden, den Städten Ehingen und Schelklingen, eine Hochwasserschutzgemeinschaft zu bilden. Denn die Maßnahmen müssten aufeinander abgestimmt sein. „Nur gemeinsam erreichen wir das Optimale“, sagte Rewitz. Einstimmig beschloss der Rat,  Schutzmaßnahmen auf den Weg zu bringen.

Kleine Schmiech – Großes Dorf

Bei einem 100-jährigen Hochwasser muss Allmendingen mit einer Wassermenge von 12,97 Kubikmeter pro Sekunde rechnen. Diese Menge verteilt sich aber nicht gleich, sondern 10,97 Kubikmeter fließen in die Kleine Schmiech, die durchs Großdorf führt. Gerade mal 2,0 Kubikmeter Wasser fließen über die Große Schmiech durchs Kleindorf ab.

Planer Michael Haug vom Büro Herzog+Partner stellte dem Rat das Ergebnis eingehender Untersuchungen vor. Drei Varianten wurden untersucht – übrig blieb am Ende die Variante, die hinsichtlich der Effizienz von Schutz und Landschaftsbild das vermeintlich beste Ergebnis bringt.

So soll an der Zweigung der Schmiech/Kleine Schmiech auf Höhe der Wasserfassung durch ein automatisch gesteuertes Schutzbauwerk die Abflussmenge  in die beiden Arme der Schmiech so geregelt werden, dass nur noch sechs Kubikmeter pro Sekunde über die Kleine Schmiech durchs Großdorf abgeführt werden. Zusätzlich entstehen mehrere Dämme. So im Norden quer zur Wasserfassung und entlang der Bahnlinie. Durch die Anhebung von Wegen entlang der Schmiech entsteht ebenfalls ein weiterer dammähnlicher Schutz. Auch die Anhebung von landwirtschaftlichen Grundstücken durch Auffüllung würde zu einem weiteren Schutzmechanismus führen. „Allerdings bleibt auch trotz der angeführten Maßnahmen das Großdorf nicht ganz verschont“, bemerkte Bürgermeister Rewitz.

Damit die berechneten Wassermengen über die Große Schmiech auch entsprechend abfließen können, muss die Brücke in der Kleindorfer Straße, am ehemaligen Gasthaus, durch ein neues Bauwerk ersetzt werden, um den notwendigen Querschnitt für den Durchfluss zu erhalten.  Befürchtungen von Gemeinderat Michael Glöckler, dass durch die Maßnahmen das Kleindorf stärker belastet wird und nun dort die Gefahr von Hochwasser zunimmt, teilt Bürgermeister Rewitz nicht. „Bereits bei der Renaturierung der Schmiech entlang des Baugebiets ,Kleindorfer Kirche’ haben wir dem Hochwasserschutz Rechnung getragen.“

In Mitleidenschaft gezogen werden bei einem 100-jährigen Hochwasser durch die angeführten Projekte vermehrt die landwirtschaftlichen Flächen nördlich von Allmendingen, die als Retentionsflächen dienen und von denen 24 000 Quadratmeter mehr betroffen sind.

Mit einbezogen in die Aktion wird die naturnahe Umgestaltung der Schmiech von der Bahn- und Straßenbrücke am Gemeindeverbindungsweg Katzensteige bis zum Schwimmbadweg. Planerin Christina Herbst erläuterte den Gemeinderäten Details. Auf einer Länge von 500 Metern soll der Schmiech ihr natürlicher Verlauf wieder gegeben und durch einen fünf Meter breiten Gewässerrandstreifen aufgeweitet werden. Dadurch entsteht weiterer Retentionsraum. Vorhandene Bäume sollen soweit wie möglich erhalten bleiben und die Artenvielfalt zunehmen.

Gemeinderat Leonhard Sontheimer regte an, auch die Schmiech im nördlichen Bereich der Gemarkungsgrenze mit in die Planungen einzubeziehen und so die noch vorhandenen Schwachstellen zu beseitigen. „Ablagerungen der Schmiech in diesem Teil wirkten sich in den Jahren negativ aus“, sagte Sontheimer. In die gleiche Kerbe schlug Joachim Keller. „Wir müssen Pflegearbeiten nicht nur der Gewässerrandstreifen kontinuierlich durchführen, sondern auch in der Schmiech selbst, sonst verfehlt das Ganze seine Wirkung.“ Voraussetzung dafür sei jedoch, dass die Gemeinde Eigentümer der Gewässerrandstreifen sei, sagte Rewitz. „Wir werden daher mit den Grundstückseigentümern über einen Verkauf sprechen.“

Es kostet 1,3 Millionen Euro

Für die Hochwasserschutzmaßnahmen rechnet das Planungsbüro mit Gesamtkosten von rund 1,3 Millionen Euro. 815 300 Euro davon seien förderfähig, was bei 70 Prozent einer Förderung von gut 570 000 Euro entspräche. Für die naturnahe Umgestaltung der Schmiech stehen demnach 229 000 Euro zu Buche, die zu 85 Prozent gefördert werden, das wären knapp 195 000 Euro. Zudem erhält die Gemeinde dafür Punkte auf ihr Öko-Konto.

Hochwasserschutz in den 1950er Jahren

Historie Das Schmiechtal und Allmendingen hatten schon seit jeher immer wieder mit Hochwasser zu kämpfen. Aus diesem Grund wurde Anfang der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts das Bachbett der Kleinen Schmiech ab der Brücke bei der Firma Burgmaier bis zum Schloss in ein Betonkorsett gefasst, und in der Schwenkstraße wurde ein neue Brücke gebaut.