Verkehr Hitzige Diskussion beim Fußverkehrs-Check

„Wie schätzen Sie die Situation für Fußgänger in Ihrer Kommune ein?“ war eine Frage zum Auftakt der Abschlussveranstaltung zum Fußgänger-Check im Bürgerhaus Oberschaffnei.
„Wie schätzen Sie die Situation für Fußgänger in Ihrer Kommune ein?“ war eine Frage zum Auftakt der Abschlussveranstaltung zum Fußgänger-Check im Bürgerhaus Oberschaffnei. © Foto: Christina Kirsch
Ehingen / Christina Kirsch 05.12.2018
Der Schülerverkehr ist eine hoch emotionale Sache. Das hat sich auch wieder im Bürgerhaus Oberschaffnei gezeigt.

Nicht weniger als „eine neue Gehkultur entwickeln“ will das Projekt „Morgenluft“ der Lokalen Agenda, das sich mit der deutschlandweit operierenden Planersocietät und dem Karlsruher Stadtplaner Johannes Lensch zusammengetan hat, um die Schulwege genauer unter die Lupe zu nehmen. Nach einem Auftaktworkshop und zwei Schulwegsbegehungen im September und Oktober (wir haben berichtet) stellte der Ingenieur im Bürgerhaus den anwesenden Eltern, Schulleitern, Vertretern der Stadt und der Polizei die Ergebnisse der Schulwegbetrachtungen vor. Zudem gab er Hinweise auf ein mögliches weiteres Vorgehen.

Dabei kamen neuralgische Punkte auf den Schulwegen zur Sprache, die zu teils hitzigen Diskussionen führten. Laut Johannes Lensch könnten Querungshilfen, Lieferzeitenregulierungen oder teilweise Fahrbahnverengungen die Gefahren zumindest teilweise mindern. Man könne auch unbefahrbare Inseln schaffen, die als Rückzugsmöglichkeit für Kinder mit Blumenkübeln abgetrennt sind. Das geht aber wie im Burghof an der Grundschule im Alten Konvikt meist auf Kosten von Parkmöglichkeiten.

Keine Querung am Rosengarten

Ein gefährlicher Punkt ist der Kreisverkehr am Eingang zum Baugebiet Rosengarten, der außerhalb der städtischen Zuständigkeit liegt. Die Kinder erhalten dort keine Querungshilfe, da es sich um eine Kreisstraße außerhalb des Ortes handelt. Die Situation werde sich mit der Wohngebietserweiterung verschärfen, befürchteten die Eltern. Schwierige Verhältnisse gibt es auch an der Realschule, wo es auf der Wendeplatte beinahe jeden Tag zu unübersichtlichen Situationen und auch zu Unfällen kommt. Schulleiter Alexander Bochtler berichtete von einem Vorfall am gleichen Morgen, bei dem es wegen der Unübersichtlichkeit zwischen den Autos von Kindergarten- und Schulzubringern zur Kollision gekommen war.

Johannes Lensch regte an, den Zugang torartig auf 3,5 Meter Breite zu verengen, damit weniger Autofahrer einfahren. Ähnlich könne man auch an der Längenfeldschule vorgehen, wo sich der Zubringerverkehr vor der Bäckerei Knöpfle immer wieder staut.

Die offensichtlich am gefährlichsten empfundene Situation stellt sich für die Michel-Buck-Schüler beim Überqueren der Biberacher Straße auf Höhe des Lehrerparkplatzes. „Hier wird man fast täglich über den Haufen gefahren“, behauptete Christian Domsch aus der Mörikestraße. Eltern sprachen von rücksichtslosen Autofahrern, die den Zebrastreifen auf der Kuppe ignorieren. „Dieses Thema haben wir seit Generationen“, stellte Ordnungsamtsleiter Ludwig Griener fest. Eine Ampel sei wegen eines Mindestabstands von 200 Metern von Ampel zu Ampel nicht möglich. An der Lindenstraße am Bürgerbüro und zur Sparkasse bestehe zwar kein 200-Meter-Abstand zwischen den Lichtanlagen, räumte Griener auf den Einwurf von Peter Groß ein, „aber die sind zusammengeschaltet und das ist eine andere Situation“. Aus Angst davor, dass den Kindern auf dem Schulweg etwas passieren könnte, bringen viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule.

Der Elternbeiratsvorsitzende Danny Mattstädt plädierte für Geschwindigkeitsreduzierungen. Man müsse den Stadtverkehr entschleunigen. Ursula von Helldorff schlug in der hitzigen Auseinandersetzung vor, zu diesem speziellen Problem der Biberacher Straße ein extra Treffen einzuberufen. „Wir müssen die Leute zusammenbringen“, sagte Realschul-Rektor Bochtler. „Denn wenn die Grundschüler schon nicht zur Schule laufen, dann setzen sie sich wie ihre Eltern ins Auto, sobald sie den Führerschein haben, und es ändert sich nichts“.

Die Eltern überzeugen

Es soll sich aber etwas ändern. „Das Projekt Morgenluft geht weiter“, erklärte Initiator Alexander Rothenbacher. Es gehe dabei nicht nur um den Sicherheitsaspekt, sondern auch um ein Bewusstsein für den Klimaschutz und mehr Gesundheit durch mehr Bewegung. „Die Kinder müssen wir nicht motivieren, die laufen gerne“, erklärte eine Mutter, „man muss die Eltern überzeugen“. Das geschieht auch anhand der 3200 ausgegebenen Fragebögen zur Schulwegsituation, die einen guten Rücklauf von 1400 Bögen hatten. Die konkrete Umsetzungsphase beginnt am 11. März. Bis dahin werden auch Aktionen und Methoden ausgetüftelt, die Kinder belohnen, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule kommen.

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