Konzert Hingebungsvoll und feurig

Violinistin Zorana Memedovic und Heiner Costabél intonierten „Liebessehnsucht“ in Schloss Mochental.
Violinistin Zorana Memedovic und Heiner Costabél intonierten „Liebessehnsucht“ in Schloss Mochental. © Foto: Christina Kirsch
Mochental / CHRISTINA KIRSCH 15.08.2018

Sommerleichte Violinsonaten von Franz Schubert, Barockmusik von Georg Friedrich Händel, den Ungarischen Tanz von Johannes Brahms und Werke von Ludwig van Beethoven standen im Mittelpunkt eines anspruchsvollen Sommerkonzerts mit dem Pianisten Heiner Costabél und der Geigerin Zorana Memedovic in der Kapelle von Schloss Mochental.

Feine Musik und Anekdoten

Alljährlich kommt der Konzertpianist mit seinem Flügel in das Schloss und es hat sich herumgesprochen, dass man dann nicht nur feine Musik, sondern auch nette Anekdoten hört. Mit dem Konzertrepertoire verbindet der Musiker im Plauderton gehaltene Hintergrund-Informationen. „Musik ist ja doppelt schön, wenn man sie nicht nur hört, sondern auch versteht“, sagt der Pianist, der stets einen seiner drei Konzertflügel mitbringt.

In die Mochentaler Nikolauskapelle brachte der Musiker diesmal auch die Geigerin Zorana Memedovic mit, die alles Sehnsüchtige mit Leidenschaft zu interpretieren wusste. Unter dem Titel „Liebessehnsucht“ entwickelte das Duo ein Feuerwerk der Gefühle. Dabei zog sich die Sehnsucht kompositorisch durch Jahrhunderte. Man hörte die E-Dur Sonate von Georg Friedrich Händel, deren dritten Satz Zorana Memedovic schmelzend vortrug.

„Händel komponierte noch in der alten viersätzigen Form“, berichtete dazu der Pianist. Man erfuhr, dass Händel in einem unmusikalischen Haus aufwuchs und ein Geistlicher seine musikalischen Fähigkeiten entdeckte. Heiner Costabél verwob die eigene Biographie mit der von Franz Schubert und erzählte, dass auch er als kleiner Mann bei der Tanzstunde gegenüber den großen Männern immer den Kürzeren zog. Allerdings war Schubert im Gegensatz zu dem Pianisten etwas dicklich und unattraktiv.

Aber „Kunst ist Triebverzicht“ postulierte Heiner Costabél und gab viele Beispiele dafür. Wenn der direkte Weg zum Objekt der Begierde aus irgendwelchen Gründen versperrt oder mühsam sei, dann versuchten sich Künstler mit Musik oder anderer Kunst. Heiner Costabél verdiente sich als kleiner Junge ein bisschen Taschengeld, indem er seiner Großtante deren Lieblingslied, Franz Schuberts „Gebet einer Jungfrau“ vortrug. „So baute ich meine Sammlung an Wiking-Autos mit dem Geld meiner Großtante auf“, erzählte der Pianist. Auch Schubert verdiente sich Geld mit Klavierspielen und Klavierunterricht, um über die Runden zu kommen. Schubert wurde jedoch nur 31 Jahre alt.

Empfindungen hervorrufen

Mit Antonín Dvorák wurden im 19. Jahrhundert Charakterstücke modern, weil das Publikum keine Lust mehr hatte, eine Dreiviertelstunde einem Komponisten zuzuhören“, erklärte der Pianist einen der Slawischen Tänze von Dvorák. Mit diesen Stücken habe man seelische Empfindungen und Stimmungen hervorrufen wollen, was Zorana Memedovic auch in Johannes Brahms Ungarischen Tanz hervorragend gelang.

Nach der Konzertpause spielte Zorana Memedovic Werke von Kreisler und Salut d´amour von Edward Elgar. Feurig wurde es mit dem weltbekannten Czardas des Italieners Vittorio Monti, den die Geigerin hingebungsvoll wie eine Zigeunergeigerin zu Gehör brachte.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel