. Eigentlich sollte es ein ganz intimes Geschenk für den Freund sein. Doch dann gerät das Nacktfoto in Umlauf, wird mit einem Klick an viele andere verschickt. "Den Betroffenen ist es sehr peinlich und sie haben wahnsinnige Angst davor, es den Eltern zu berichten", sagt Schulsozialarbeiter Kay Kählig. Doch zu solchen Auswüchsen kommt es nicht immer. "Das sind Einzelfälle", betont Kählig, der im vergangenen Jahr das Schulzentrum Längenfeld betreut hat und seit Beginn des Schuljahres auch an der Michel-Buck-Schule im Einsatz ist. Doch der Umgang mit internetfähigen Handys ist immer wieder Thema an Ehinger Schulen. Erst kürzlich berichtete Kählig im Kultur- und Sozialausschuss über seine Arbeit. Auf die Frage, welche Probleme am häufigsten auftreten, hatte Kählig eine klare Antwort - der Umgang mit den neuen Medien.

Fälle von Cybermobbing kommen immer wieder vor. Jemand stellt beispielsweise ein Foto von sich ins Netz, ein anderer verunstaltet es zu einer Fratze und verschickt es mit einem Klick an eine ganze Gruppe. Wie ein Lauffeuer verbreiten sich die Inhalte über Facebook, SMS oder den Nachrichtendienst Whatsapp. "Und jeder kann seinen Senf dazu geben", sagt Kählig. "Innerhalb kürzester Zeit sind da 15 und mehr Kommentare drauf." Für die Betroffenen ist es schlimm.

Am Johann-Vanotti-Gymnasium fand zum Thema Smartphone am Mittwoch sogar eine Gesamtlehrerkonferenz statt. "Wir haben festgestellt, das hier einiges im Argen liegt", sagt Schulleiter Wolfgang Aleker. In jüngster Zeit etwa hätten die Schüler der Unterstufe mit digitalen Kettenbriefen "ganze Hysterien" ausgelöst. Wer die Nachricht nicht weiterleitet, müsse sterben, habe darin gestanden. "Solche Fälle zeigen uns, dass die Fünft- bis Siebtklässler mit einem internetfähigen Handy überfordert sind." Die Schüler seien dafür zu jung. Manche Eltern berichten, dass ihre Kinder nachts um drei Nachrichten bekommen und dann nicht schlafen können. Einige Eltern hätten es am liebsten, dass die Lehrer den Schülern das Handy am Anfang der Stunde abnehmen und erst zum Schulende zurückgeben. "Es ist ein ganz großes Problem", sagt Aleker. In der Hausordnung des Gymnasiums stehe zwar, dass die Handynutzung während der Unterrichtszeit verboten sei. Doch das reiche nicht aus. "In den Pausen hat man es nicht im Griff."

In der Gesamtlehrerkonferenz seien daher verschiedene Möglichkeiten diskutiert worden mit dem Ergebnis, ein totales Verbot von internetfähigen Handys für die Klassen fünf bis sieben einführen zu wollen. "In der nächsten Schulkonferenz soll der Beschluss fallen", sagt Wolfgang Aleker. Darüber hinaus will die Schule ein Schreiben vorlegen, in dem festgelegt ist, dass die älteren Schüler das Smartphone nur mit Erlaubnis benutzen dürfen. "Auch der Elternbeirat ist dafür, dass die Nutzung limitiert wird."

Dabei gehe es nicht darum, die neue Technik aus der Schule zu verbannen, betont Aleker. "Es gibt auch vernünftige Formen für den Umgang mit dem Smartphone." Gerade in der Mittel- und Oberstufe würden internetfähige Handys und Tablets häufiger im Unterricht eingesetzt. Der Schulleiter will insbesondere bei den älteren Schülern auf Aufklärung setzen.

Die Schulen gehen unterschiedlich mit dem Thema Handy um. An der Michel-Buck-Schule beispielsweise gilt: "Handys müssen unsichtbar und aus sein", sagt Schulleiterin Dagmar Fuhr. Diese Regelung greife auf dem gesamten Schulgelände. Das bedeutet, dass auch in den Schulpausen das Mobiltelefon nicht benutzt werden darf. Wenn ein Schüler doch erwischt wird, werde er verwarnt und muss das Handy abgeben. Nach Unterrichtsende kann es abgeholt werden. "Im wiederholten Fall kriegen es die Eltern", sagt Dagmar Fuhr. Die meisten Schüler hielten sich jedoch an die Regel, die ein Beschluss der Schulkonferenz ist. "Und auch die Eltern akzeptieren es", sagt die Schulleiterin.

An der Längenfeldschule ist es ähnlich, auch hier gilt ein Handyverbot auf dem Schulgelände. Hinzu komme ein besonderer Umstand: "Wir sind im Prinzip in einem Funkloch", berichtet Schulleiter Max Weber. Daher seien vom Handy verursachte Störungen während der Schulzeit relativ selten. Doch der Umgang mit den neuen Medien wirke auch in den Unterricht hinein. "Die Auswirkungen haben eine neue Qualität, die auf den Einzelnen einwirken kann", sagt Weber. Daher müsse aktiv dagegen angegangen werden. Sowohl die Längenfeldschule, die Michel-Buck-Schule als auch das Johann-Vanotti-Gymnasium setzen auf Aufklärung und (polizeiliche) Prävention.

Auch rechtlich ist der Umgang mit dem Handy für die Schulen nicht ganz einfach. "Wenn Missbrauch betrieben würde, könnte ich das Handy kassieren", sagt Max Weber. Für die Zeit nach dem Unterricht könne es die Schule aber nicht ohne weiteres einbehalten.

Gute Erfahrungen habe die Realschule in Ehingen mit dem so genannten Chatmentoren-Programm gemacht, wie Schulsozialarbeiterin Angelika Weber berichtet. Neuntklässler können sich von Lehrern ausbilden lassen und stehen ihren Mitschülern in Sachen Internet beratend zur Seite. Das Programm wurde vor einigen Jahren von zwei Lehrern initiiert. "Seit es die Chatmentoren gibt, ist die Zahl der Problemfälle zurückgegangen", berichtet Angelika Weber.

Den Eltern rät Schulsozialarbeiter Kählig, dran zu bleiben und sich für die Mediennutzung der Kinder zu interessieren. Auch wenn sich viele Eltern weniger als die eigenen Kinder in Sachen Smartphone, Facebook und Co. auskennen.