Wirtschaft Handwerkskammer Ulm bei Elektro-Fuchs in Munderkingen

Dr. Tobias Mehlich, Landrat Heiner Scheffold, Harald Fuchs, Bürgermeister Dr. Michael Lohner und Joachim Krimmer (von links) sprachen über die Situation der Handwerksbetriebe.
Dr. Tobias Mehlich, Landrat Heiner Scheffold, Harald Fuchs, Bürgermeister Dr. Michael Lohner und Joachim Krimmer (von links) sprachen über die Situation der Handwerksbetriebe. © Foto: Maria Bloching
Munderkingen / Maria Bloching 20.07.2018

Einmal im Monat diskutieren Vertreter der Handwerkskammer Ulm direkt vor Ort in einem Betrieb, mit welchen Problemen das Handwerk zu kämpfen hat. Gestern waren Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm, sowie deren Präsident Joachim Krimmer, Landrat Heiner Scheffold und Bürgermeister Dr. Michael Lohner bei der Firma Elektro-Fuchs in Munderkingen zu Besuch.

18 hochqualifizierte Mitarbeiter und drei Auszubildende gehören dem Betrieb von Harald Fuchs an, der den Elektromeisterbetrieb bereits in vierter Generation führt. Der beengte Standort mitten in der Altstadt gehört bald der Vergangenheit an, denn Elektro-Fuchs will im kommenden Jahr im Gewerbegebiet bauen.

Als Dienstleister für Energie-, Gebäude- und Netzwerk-Technik will das Unternehmen seinen Firmensitz verlegen, um zukunftsfähig zu bleiben. „Es gibt keinen anderen Betrieb in dieser Größenordnung mit Ladengeschäft im Umkreis von 15 Kilometern“, machte Fuchs deutlich. Doch der Fachkräftemangel ist auch hier deutlich zu spüren. „Das Image des Handwerks liegt am Boden, niemand will mehr ein Handwerk lernen“, bedauerte er.

Dabei ist der Alb-Donau-Kreis laut Landrat Scheffold noch in einer vergleichsweise glücklichen Lage. Mehr als ein Viertel aller Arbeitsplätze sei hier vom Handwerk geprägt, dennoch sei es sehr wichtig, das vorhandene Potenzial an jungen Leuten als Auszubildende im Handwerk zu sehen und zu erschließen. Doch auch Scheffold musste einräumen, dass das Ansehen des Handwerks in der Gesellschaft leidet: „Sehr viel hängt vom Sozialprestige ab. Aber das kann in verschiedene Richtungen gelenkt werden.“

Nicht fürs Handwerk schämen

Fuchs versucht seinen Auszubildenden klarzumachen, dass sie sich nicht schämen müssen, „nur“ Handwerker zu sein. „Ein studierter Arzt kann seinen Schalter nicht selber messen und wenn ich was habe, gehe ich auch zum Arzt.“ Ausgebildete Fachkräfte zu halten sei ebenfalls nicht einfach.

Für Tobias Mehlich steht fest, dass Bildung dem Geld folgt, dass ein Student besser gestellt ist als ein Meisterschüler im Handwerk. „Das Handwerk hält einen dauerhaften Weggang von Fachkräften nicht aus. Zwei Drittel aller Handwerker gehen irgendwann raus aus dem Handwerk. Wir müssen erreichen, dass sie da bleiben und die Entwicklungsmöglichkeiten sehen.“ Mehlich sagte: „Werden Sie Bildungspartner von Schulen, finden und binden Sie Fachkräfte. In Sachen Aufträge ist das Handwerk gut ausgelastet. Aber es muss auch für Auslastung im Arbeitsmarkt sorgen.“ Und weiter: „Die Wettbewerbsfähigkeit eines Betriebes wird darüber entschieden, wie er mit seinen Leuten umgeht.“ Dazu gehöre auch, jungen Menschen Verantwortung zu übertragen und ihre Sprache zu sprechen.

Joachim Krimmer plädierte für ein besseres Bild der Handwerker in der Gesellschaft: „Es muss sich in allen Ebenen etwas ändern. Jeder Bürgermeister ist stolz auf eine Technische Hochschule, von einer Beruflichen Schule spricht man nicht.“

Nicht so Bürgermeister Lohner. „Wir schauen nach unseren Betrieben vor Ort und halten es nicht für klug, wie die Akademisierung in den vergangenen Jahrzehnten vorangetrieben wurde.“ Wie wichtig das Handwerk auch dem Landkreis ist, machte Landrat Scheffold am Beispiel der Beruflichen Schulen deutlich: „Hier sind wir sehr gut aufgestellt und auf einem top Niveau.“ In Sachen Digitalisierung müsse man die Handwerksbetriebe mitnehmen: „Der digitale Wandel wird sicherlich Arbeitsplätze kosten, aber er wird auch neue entstehen lassen. Mitunter hier in der Region“, zeigte sich Scheffold überzeugt.

800 Stellen bleiben unbesetzt

Zahlen Im Alb-Donau-Kreis sei die Dichte an Handwerksbetrieben noch sehr gut, dennoch blieben allein im Bezirk der Handwerkskammer Ulm im vergangenen Jahr 800 Ausbildungsstellen unbesetzt, sagte Tobias Mehlich gestern in Munderkingen. Allerdings stieg in den vergangenen Jahren die Zahl der Auszubildenden stetig an, trotz zurückgehender Schülerzahlen. 2017 konnten 3100 Auszubildende eingestellt werden, davon eine wachsende Zahl an Abiturienten. blo

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