Auch wenn es „Rathaussturm“ heißt: Mühe, die Macht über die Gemeinde zu erlangen, hatten die Narren in Oberstadion am Donnerstag nicht. In großer Zahl fielen sie am Morgen des „Glombigen“ in Bürgermeister Kevin Wiests Amtsstube ein. Dieser erwartete Wenk’l Fratza, Schlossberg-Hexa und Gausweiber von Stäa bereits mit Gute-Laune-Musik, einer wahlweise herzhaften, wahlweise süßen Stärkung und reichlich Hochprozentigem. Die Übergabe des Rathausschlüssels am offenen Fenster, die traditionell unter dem Jubel der kostümierten Stäamer erfolgte, war reine Formsache.

Kevin Wiest als Bären-Papa

Dennoch lief das Spiel nach festen Regeln. Auch heuer hatten die Narren ihrem Schultes wieder ein Kostüm mitgebracht: Nach einem Baby, Superman und einer Popcorn-Tüte sollte Wiest heuer den Bären-Papa geben – eine Reminiszenz an die Kindertagespflege „Bärenbande“ der Winkelgemeinden. Unter dem Jubel der Hästräger schlüpfte Wiest in den braunen Overall mit Kapuze und flauschigen Bären-Öhrchen.

„Mir send am Rathaus zamma komma und wellet dem Kevin dr Schlissl abnomma“, verkündete Wenk’l Fratza-Zunftmeister Frank Schweikert reimend. Und wandte sich an Wiest: „Somit hoschd ab heit do nix meh zom saga. Mir Narra dand di aus dem Rothaus jaga.“ Der offiziell „gramgebeugte Schultes“ hisste angesichts des zahlreich erschienen närrischen Volkes die weiße Fahne. Er gab kund, „sich der Übermacht der Narren zum Wohle der Bürgerschaft beugen“ zu wollen. Bis zum Aschermittwoch herrsche in ganz Oberstadion „Narrenrecht und Narrenfreiheit“. Dem wilden Narrenhaufen vor dem Rathaus spendierte Wiest danach reichlich Süßes: Mit beiden Händen warf er Kindern und Erwachsenen Bonbons und andere Leckereien zu.

Bunter Umzug zur Mehrzweckhalle

Dem Rathaussturm vorangegangen war die Befreiung der Schüler und Kindergartenkinder. Fantasievoll kostümiert und von zahlreichen Ulkgruppen begleitet, zogen sie mit den Narren zum Rathaus und im Anschluss angeführt vom Bürgermeister zur Mehrzweckhalle, wo sich ein abwechslungsreiches Fasnetsprogramm mit allerlei Vorführungen von Kindern für Kinder und Eltern anschloss. Außerdem gab es für alle kleinen Narren heiße Saitenwürste und ein Getränk.

Narrensprechstunde im Rathaus ist Tradition geworden

Auch im Rathaus ging es närrisch weiter: Wie in den Vorjahren hielt der entmachtete Bürgermeister Wiest am Nachmittag des Glompigen wieder seine Narrensprechstunde ab – die nunmehr dritte seit seinem Amtsantritt. Sie markiere mittlerweile schon fast traditionell den Auftakt der Dorffasnet, sagte er: „Alle im Ort, die gerne feiern wollen, sind dazu willkommen.“ Ernste kommunale Themen kommen bei dieser Bürgersprechstunde der besonderen Art allerdings eher nicht auf den Tisch: Bei Fasnetsmusik gibt es Krapfen, Süßigkeiten und Getränke; es wird gemeinsam gefeiert und gelacht.