Digitalisierung Glasfaseranschluss für alle Rechtensteiner

Rechtenstein / Jana Zahner 12.10.2018

Erst kam die Steinzeit, dann die Eisenzeit und nun beginnt die gläserne Zeit in Rechtenstein“, sagt Heiner Scheffold, Landrat des Alb-Donau-Kreises, scherzhaft beim Spatenstich für den Breitbandausbau gestern am Rechtensteiner Eschenweg. Als erste Kommune im Kreis will die 330-Seelen-Gemeinde jeden Haushalt an ein Glasfasernetz anschließen.

Rechtenstein ist eins von etwa 230 Mitgliedern im interkommunalen Verbund Komm.Pakt.Net, der den Breitbandausbau im ländlichen Raum seit 2015 vorantreibt. Bis Ende nächsten Jahres sollen die Tiefbauarbeiten, ausgeführt von der Firma Zoller aus Rot an der Rot, abgeschlossen sein. Das Unternehmen Netze BW wird im Ort insgesamt rund 6,6 Kilometer Leerrohre für das „Backbone“, also das Übertragungsnetz, sowie weitere Kilometer für das Verteilernetz verlegen. Das „Backbone“ fungiert dabei als Rückgrat, das den Alb-Donau Kreis mit dem Glasfasersignal versorgt. Die Trasse kommt vom Lauteracher Teilort Talheim und führt weiter nach Obermarchtal. Zum Schluss wird die Glasfaser in die Leerrohre eingeblasen. Die fertigen Leitungen verpachtet die Gemeinde an den Betreiber NetCom BW. Auf Anfrage kann die Glasfaser von der Grundstücksgrenze bis in den Keller der Anlieger verlegt werden. In Frage kommen etwa 150 Gebäude.

Großprojekt für die Gemeinde

Bürgermeisterin Romy Wurm zeigt sich stolz über die Pionierleistung von Rechtenstein. Schon oft habe der Ort Mut für Neues bewiesen. „Zum Beispiel hatten wir die erste Bürgermeisterin im Alb-Donau Kreis“, sagt Wurm. Für die unterhalb der Ruine von Burg Rechtenstein gelegene Kommune ist der Breitbandausbau mit seinen voraussichtlichen Kosten von rund 1,4 Millionen Euro ein Großprojekt. „Wir haben noch nie so viel Geld auf einmal ausgegeben.“ Die Verschuldung der Gemeinde werde voraussichtlich steigen, auch wenn die Maßnahme vom Land gefördert werde, wie Wurm bekannt gibt.

Sowohl die Bürgermeisterin als auch Scheffold sind jedoch überzeugt, dass sich die Investition als „Spatenstich für die Zukunft“ Rechtensteins erweisen wird. „In zehn, fünfzehn Jahren wird sich durch die Digitalisierung entscheiden, in welchen Orten Arbeitsplätze entstehen und in welchen Arbeitsplätze verschwinden.“ Mit dem Ausbau von Glasfaser habe Rechtenstein die besten Voraussetzungen, um Arbeitsplätze zu schaffen, sagt Scheffold. Nicht zuletzt sei der Breitbandausbau auch unverzichtbar, um attraktiv für junge Menschen zu bleiben, ergänzt Wurm. „Wenn heute jemand nach einem neuen Wohnort sucht, dann fragt er in der Regel zuerst nach der Kinderbetreuung und dann nach der Netzgeschwindigkeit im Ort.“ Mit der Glasfaser könne Rechtenstein vielleicht wachsen, sagt die Bürgermeisterin.

Wurm und Scheffold appellieren an die Bürger in Rechtenstein, das Angebot in Anspruch zu nehmen und sich die Glasfaser bis in das eigene Heim verlegen zu lassen. Die Kosten von voraussichtlich 1000 bis 2000 Euro seien, verglichen mit der Wertsteigerung der Immobilie, gering.

Wie die Glasfaser ins Haus kommt

Information Interessierte aus Rechtenstein, die sich einen Glasfaseranschluss in das eigene Gebäude legen lassen möchten, haben am 23. Oktober von 19 Uhr an im Gemeindehaus die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Auskunft geben Vertreter der NetCom BW aus Ellwangen, die das fertige Netz betreiben wird. Kontakt zum Hausanschlussteam ist auch telefonisch unter Telefon (0711) 2892 0640 oder per E-Mail tk_hausanschluss@netze-bw.de möglich. jaz

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