Landwirtschaft Getreide trotzt der Trockenheit, Bauern mit Ernte zufrieden

Die Landwirte im Alb-Donau-Kreis haben eine ordentliche Getreide-Ernte eingefahren. Menge und Qualität sind dem Bauernverband zufolge mindestens durchschnittlich, die Preise könnten steigen.
Die Landwirte im Alb-Donau-Kreis haben eine ordentliche Getreide-Ernte eingefahren. Menge und Qualität sind dem Bauernverband zufolge mindestens durchschnittlich, die Preise könnten steigen. © Foto: Volkmar Könneke
Ehingen / Thomas Steibadler 11.08.2018
Im Alb-Donau-Kreis gibt es kaum witterungsbedingte Ausfälle. Auch der Mais entwickelt sich weitgehend zufriedenstellend.

Früh begonnen und rasch durchgezogen. Die Landwirte im Alb-Donau-Kreis haben die Getreide-Ernte fast vollständig abgeschlossen. Und sie sind mit dem Ergebnis weitgehend zufrieden. Das sagten Ernst Buck, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Ulm-Ehingen, und sein Stellvertreter Hanns Roggenkamp vor der Presse.

Brotpreise steigen

Vier Wochen früher als üblich, bereits Mitte Juni, seien die ersten Mähdrescher unterwegs gewesen. Die Trockenheit habe  das Getreide schneller reifen lassen und den Beständen offenbar nicht geschadet. „Wider Erwarten haben wir in unserer Gegend eine gute Ernte eingefahren“, sagte Buck. Beim Weizen, dem für die hiesigen Landwirte wichtigsten Getreide, seien Ertrag und Qualität mindestens durchschnittlich. Nur „in einigen Ecken“ des Landkreises mussten die Bauern Einbußen hinnehmen. Dort, wo kiesiger Boden kaum Wasser speichert. Wegen der in weiten Teilen Deutschlands und in anderen wichtigen Anbaugebieten schlechten Ernte sei mit steigenden Weizen-, Mehl- und letztlich auch Brotpreisen zu rechnen, meint Buck. Davon profitierten dann auch die Landwirte im Alb-Donau-Kreis. Allerdings sei der Anteil des Erzeugerpreises am Brotpreis, den die Verbraucher zahlen, sehr gering.

Auch bei Winter- und Sommergerste sowie beim Dinkel hätten die Landwirte im Kreis „keinen Grund zum Jammern“, sagte Buck. Anders beim Raps. Bedingt durch die anhaltende Trockenheit und die kurze Blüte – bereits Anfang Mai – seien die Erträge unterdurchschnittlich: „Es war nicht das beste Jahr für den Raps.“

Der Mais dagegen habe den wenigen Regen erstaunlich gut verkraftet. Grundsätzlich sei eine passable Ernte zu erwarten, mit der in manchen Bereichen des Landkreises bereits begonnen wurde. „Der Mais steht in der Region nicht schlecht da“, sagte Buck. Dem Ende April, Anfang Mai ausgesäten Mais habe auch die wenige Wochen später einsetzende, anhaltende Trockenheit kaum etwas anhaben können. „Bemerkenswert, mit wie wenig Wasser die Pflanze zurechtkommt“, sagte Hanns Roggenkamp. Allerdings gebe es im Kreis einige sehr trockene Mais-Standorte, zum Beispiel um Rißtissen. Dort müsse mit erheblichen Ertragseinbußen gerechnet werden.

Auch wenn die Landwirte im Alb-Donau-Kreis die Trockenheit „mit einem blauen Auge“ überstanden hätten, wären Regenfälle in den nächsten Wochen sehr willkommen. Vor allem, um die Wiesen noch wachsen zu lassen und damit die Situation auf dem Futtermarkt etwas zu entspannen. „In unserer Region kann die Natur noch viel kompensieren“, sagte Roggenkamp.

Heu wird teurer

Nachdem der erste und der zweite Grünlandschnitt noch in Ordnung waren, drohten der dritte und vierte Schnitt nun auszufallen. Zudem hätten die Ertragsausfälle in weiten Teilen Deutschlands zu explodierenden Heupreisen geführt. Mit teilweise absurden Folgen. Roggenkamp: „Verrückt, wie weit das Futter transportiert wird.“

Wegen der in den meisten Bundesländern schlechten Getreide-Ernte sei auch Stroh zur Mangelware geworden, ergänzte Buck: „Da gehören wir im Alb-Donau-Kreis zu den wenigen Glücklichen.“ Kapital würden die hiesigen Landwirte aus der Heu- und Strohknappheit und den damit verbundenen steigenden Preisen aber nicht schlagen, meinte Roggenkamp: „Die Grundversorgung des eigenen Betriebs steht im Vordergrund.“

Emmer und Einkorn nicht mehr gefragt?

Urgetreide Emmer und Einkorn, so genanntes Urgetreide, sind noch Nischen-Sorten, haben in den vergangenen Jahren im Alb-Donau-Kreis aber etwas an Bedeutung gewonnen. Nach Schätzung von Andreas Braig, dem Geschäftsführer des etwa 3200 Mitglieder zählenden Kreisbauernverbands, werden sie auf etwa fünf Prozent der Ackerfläche angebaut. „Der Anbau bereitet manchem Landwirt noch Probleme, wird aber von Jahr zu Jahr besser“, meint Ernst Buck, Kreisvorsitzender des Bauernverbands. Doch nun droht ein Rückschlag. Die Mühlen in der Region hätten bislang mit keinem Landwirt einen Vertrag für die Abnahme von Emmer oder Einkorn im nächsten Jahr geschlossen. „Wir sind etwas geschockt“, sagt Buck. Und: „Ohne Zusage für 2019 wirst du das in diesem Jahr nicht anbauen.“ ts

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