Leere Stühle auf der Bühne und nur ein paar Bläser am äußersten Bühnenrand. So sah die Szenerie beim ersten Stück des Benefizkonzertes des Kreisverbands-Jugendblasorchesters in der Ehinger Lindenhalle aus. Das 55 Mitglieder starke Orchester begann unter der Leitung von Franco Hänle sein grandioses Konzert zunächst mit feiner Kammermusik. Der "Canzon septimi toni No. 1" des Renaissance-Komponisten Giovanni Gabrielli eröffnete einen Konzertabend, der nicht nur einen guten Zweck erfüllte (wir haben berichtet), sondern auch ein musikalischer Hochgenuss war.

Man sei durch die Romreise in den Osterferien italienisch inspiriert worden, erklärte der Dirigent. Mit Richard Strauss' "Auf stillen Waldespfad" nahm das Orchester aber auch ein deutsches Stück mit auf die Romreise, die für die Musiker ein tolles Erlebnis gewesen sein muss. Denn sie spielten im Petersdom und bei der Papstaudienz, sahen den Papst zwei Meter neben sich vorbeifahren und verzückten bei den Proben die Hotelgäste.

Den zwei kammermusikalischen Stücken folgte die wilde Ouvertüre aus "Le Carnaval Romain", in der die Musiker ausgelassen dahingaloppierten. Zu Beginn der Ouvertüre schmeichelte sich ein weiches Englischhorn in die Gehörgänge der Zuhörer. Mit Richard Wagners Trauermusik versetzte das phantastisch spielende Orchester sein Publikum erneut in eine andere Stimmung. Getragen und heroisch erklang eine Trauermusik, die Richard Wagner zu Ehren Carl Maria von Webers komponiert hatte. Dabei bediente sich Wagner an Webers musikalischen Motiven. Zum Genießen lud auch Amilcare Ponchiellis "Sinfonia per Banda" ein, bei sich die Holzbläser ordentlich ins Zeug legen mussten.

Man habe in Rom öfter mal improvisieren müssen, erläuterte Franco Hänle eine Programmänderung und erzählte ein Anekdote. Zu Ehren des Papstes hatten die Musiker die Vatikanhymne von Gounod einstudiert. Zwei Minuten vor der Aufführung erfuhren sie dann, dass sie alles spielen dürften, nur keine Hymne und schon gar nicht die Vatikanhymne. Vor Ehinger Publikum war die Hymne jedoch durchaus willkommen.

Nach der Pause spielte das jugendliche Orchester mit "Funiculi Funicula" einen schmissigen Ohrwurm und ließ zur Filmmusik aus Ben Hur die Streitwagen auffahren. In die Arena di Verona fühlte man sich beim großen Final aus Giuseppe Verdis Oper Aida versetzt. Der Ehrenvorsitzende des Kreisverbands, Karl Glöckler, der die Romreise organisiert hatte, bedankte sich im Namen des Publikums für den musikalischen Genuss und die Unterstützung des Projekts "wegive", das ein Ausbildungszentrum in Ghana unterstützt.

Der Kreismarsch krönte das Konzert ausnahmsweise einmal nicht. Obwohl Karl Glöckler die Zuhörer schon zum Mitklatschen eingeladen hatte. "Wir spielen zum Runterkommen und für den ruhigen Puls den immer aktuellen Bach", kündigte Franco Hänle die letzte Zugabe an. Nichts gegen den Kreismarsch, aber Bachs "Wachet auf" war wunderschön und tat als Schlusspunkt unter rasante Klangkaskaden richtig gut. Es waren zweieinhalb Stunden Genuss pur.