Riedlingen Gemeinschaftsschule könnte für G9-Zug Bumerang werden

WALTRAUD WOLF 06.12.2012
Der Antrag für einen parallelen G9-Zug zum G8 am Kreisgymnasium Riedlingen kann gestellt werden. Doch es gibt eine Hürde. Die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule könnte zum Bumerang werden.

Scheitert das von Schule und Eltern gewünschte Angebot an der Gemeinschaftsschule, die jüngst an der Joseph-Christian-Schule in Riedlingen eingerichtet worden ist? Diese Frage beschäftigt den Landkreis Biberach als Träger und das Kreisgymnasium mit Oberstudiendirektor Georg Knapp an der Spitze auch nach dem grünen Licht, das der Schul- und Kulturausschuss des Kreistages jetzt für den Modellversuch gegeben hat. Denn: Dort, wo eine Gemeinschaftsschule besteht - die auch für künftige Abiturienten offen steht -, soll es kein längeres Lernen am klassischen Gymnasium geben.

Allerdings fürchtet das Kreisgymnasium gerade auch die Konkurrenz, die sich aus der Gemeinschaftsschule ergibt. Was dennoch Hoffnung macht: Im Landkreis Biberach bemüht sich keine andere Schule um G9. Und jedem Stadt- oder Landkreis sei eine Schule mit den parallelen Zügen "gegönnt", sagte Landrat Dr. Heiko Schmid.

Vom pädagogischen Konzept des Kreisgymnasiums waren die Ausschussmitglieder überzeugt und auch die anderen Kriterien, wie die gute Erreichbarkeit, stimmten. Wichtig ist diese auch für Absolventen bis aus Pfronstetten, Hayingen und Zwiefalten, die immerhin zwölf Prozent der derzeit 912 Schüler am Gymnasium ausmachen.

Nennenswerte Unterschiede zwischen den Abiturnoten derer, die 2012 nach neun- beziehungsweise achtjährigem Gymnasium ihre Reifeprüfung machten, gab es nicht. Doch offenbarte eine Umfrage unter den Eltern von Viertklässlern im Einzugsgebiet der Schule, dass 88 Prozent der Eltern das neunjährige Gymnasium bevorzugen würden. An der Grundschule Hayingen waren es 85,71, an der Münsterschule Zwiefalten 60 Prozent.

Knapp setzt den Schwerpunkt im Unterricht auf die Allgemeinbildung und wünscht für einen Teil der Schüler dafür mehr Zeit. Gerade auch Kinder und Jugendliche aus weiter entfernten Gemeinden sollen Angebote in Arbeitsgemeinschaften und der Ganztagsbetreuung wahrnehmen können. Wie breit es angelegt ist, imponierte den Ausschussmitgliedern, egal, ob im musischen Bereich, auf dem Gebiet der Wirtschaft oder der Natur wie bei "Business@School" oder der Waldpädagogik.

Bedarf eines längeren Lernens erkennt Knapp vor allem bei Jungen. Aus der pädagogischen Arbeit und den Beobachtungen der vergangenen Jahre - insbesondere in G8 - sei erkannt worden, dass für einen erheblichen Teil der Buben ein neunjähriger Gymnasialzug für die schulische Entwicklung und die geistige Reife äußerst hilfreich sei. Vor allem in den Jahrgangsstufen sieben, acht und neun kämen sie an die Grenzen ihrer Belastbarkeit.

Der Bildungsplan zwischen G9 und G8 ist identisch, nur die Geschwindigkeit ist unterschiedlich. Durch das zusätzliche Jahr im G9-Zug wird eine Dehnung der Unterrichtsinhalte in den Kernfächern erreicht. Zwölf Zusatzstunden finden insbesondere in den Fächern Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen ihren Niederschlag. Man verspricht sich daraus einen leistungsdifferenzierteren Unterricht und weitere Übungsphasen. Der G9-Zug führt bis in Klasse elf. Die beiden letzten Schuljahre werden gemeinsam absolviert.