Kirchbierlingen / RENATE EMMENLAUER Elke und Bernd Beck wollen den „Ochsen“ in Kirchbierlingen sanieren. Doch die Stadt ist vom Konzept nicht überzeugt.

Schon mehr als ein Jahrzehnt gibt es den Gasthof „Ochsen“ in Kirchbierlingen nur noch dem Namen nach. Das Gebäude ist unbewohnt, wirkt baufällig. Mit der Schließung der einst gut besuchten Wirtschaft haben die Menschen in der Pfarrei eine Einkehrstätte verloren.

„Wir liebäugeln schon seit Jahren mit dem Anwesen in der Ortsmitte von Kirchbierlingen“, sagt Bernd Beck. Als ein Ehinger Immobilienbüro das Anwesen im vergangenen Sommer im Angebot hatte, reagierten Bernd Beck und seine Frau Elke und nahmen mit der Stadt als Eigentümer Kontakt auf. Die hatte das Anwesen im Dezember 2012 gekauft.

Kaufpreis zu niedrig

Die Verkaufsgespräche im vergangenen Jahr blieben der Öffentlichkeit nicht gänzlich verborgen: Als OB Alexander Baumann auf seiner Dialog-Tour vor der OB-Wahl im September die Pfarrei besuchte, bestätigte er auf die Frage eines Kirchbierlingers das Gerücht, wonach ein Kaufinteressent gefunden worden sei, betonte aber zugleich, dass nichts entschieden sei. Das, sagte Baumann damals, werde der Gemeinderat tun, „wir prüfen dann, ob das zu uns passt“.

Nun ist klar: Die Verkaufsgespräche sind gescheitert. Laut Beck haben er und seine Frau im nichtöffentlichen Teil der Gemeinderatssitzung im Januar ihr Konzept für den Ochsen vorgestellt. „Es wurde ohne Begründung abgelehnt. Wir waren ganz perplex“, sagt Beck. Auf mehrmaliges Nachfragen hin habe er erfahren, dass der Kaufpreis zu niedrig gelegen habe, auch wolle die Stadt nicht das gesamte Areal veräußern.

Theater und Museum geplant

„Das Konzept konnte den Gemeinderat in keinerlei Weise überzeugen“, sagt Anna Draksimovic, Sprecherin der Stadtverwaltung, zu den Gründen. Mit Blick auf Becks Aussage sagt Draksimovic: „Diese Behauptung ist nicht korrekt.“ Was letztlich die Gründe waren, will die Stadt aber auch nicht sagen, die Verwaltung verweist auf die Sitzung unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Das Konzept der Becks sieht außer der Wiederaufnahme der Gastronomie die Vermietung des Saals vor, ebenso dessen Nutzung für Ausstellungen, Theateraufführungen & Co. Im Ökonomiegebäude soll ein Museum für historisches landwirtschaftliches Gerät entstehen. Den ehemaligen Maschinenschuppen will Bernd Beck für seinen Betrieb nutzen – eine Firma für Lackaufbereitung. Für die Außenfläche hat er Oldtimertreffen im Blick. „Für Kirchbierlingen und Umgebung wäre unser Vorhaben garantiert eine enorme Aufwertung. Es gäbe wieder einen gemütlichen Ort der Einkehr und für vielerlei Veranstaltungen, zudem wäre auch die Dorfmitte wieder verschönert.“

Denkmalschutz kommt dazwischen

Doch Pläne umzusetzen, die das Areal des Gasthofs betreffen, scheint alles andere als einfach: Der historische Gasthof – dessen Wurzeln ins Jahr 1856 zurückreichen, mit Grundmauern aus dem 16. Jahrhundert und dem 18 auf acht Meter umfassenden Saal im Obergeschosses mit seiner Stuckdecke – wurde als denkmalgeschützt eingestuft, wie Beck erläutert. Seiner Ansicht nach hat die Stadt das Areal zum Verkauf angeboten, weil nur ein Gebäude davon hätte abgerissen werden dürfen.

„Dieses Gebiet ist für die Innenentwicklung vorgesehen“, sagt Draksimovic. Das Anwesen sei ein „denkmalgeschütztes Ensemble“ und als solches über einen Makler zum Verkauf angeboten worden, ebenso über eine Liste des Regierungspräsidiums Tübingen zu den verkäuflichen Kulturdenkmälern im Alb-Donau-Kreis. Laut Draksimovic erlaubt der Denkmalschutz einen Abbruch nur dann, sofern eine Erhaltung unzumutbar ist. Für Kommunen aber gelten hierbei höhere Anforderungen, rein finanzielle genügen nicht.

So scheinen die Mühe, die die Becks in das Projekt gesteckt haben, bislang umsonst. Sie holten Angebote bei Handwerkern und einem Restaurator ein. Allein für Fassade und Fenster nach Vorgaben des Denkmalamts sind 100.000 Euro veranschlagt. Die Gesamtkosten der Sanierung inklusive Eigenleistungen schätzen sie auf rund 500 000 Euro. Um das historische Bild auch innen fortsetzen zu können, haben Elke und Bernd Beck viele Wochenenden investiert, um die Ausstattung und Einrichtung von alten Gasthöfen auszubauen, um das Inventar dann im Gasthof „Ochsen“ einzubauen.

Laut den Becks berät der Gemeinderat auf ihre Anfrage hin kommende Woche nochmals im nichtöffentlichen Teil über den Ochsen. Die Stadtverwaltung dementiert dies jedoch, es gebe keine weitere Terminierung, sagt die Sprecherin.

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Eigentum der Stadt

6 Jahre und vier Monate, so lange befindet sich der „Ochsen“ in Kirchbierlingen nach Angaben der Stadtverwaltung bereits im Eigentum der Stadt Ehingen.