Nahversorger Gemeinderäte begutachten Konzept des Klosters

Johannes Buhl (vorne rechts) zeigt den Gemeinderäten und Bürgermeister Bernhard Ritzler (links) die Weide an der Donau. Die Kühe grasen derweil nahe an der Donau, links im Hintergrund zu sehen.
Johannes Buhl (vorne rechts) zeigt den Gemeinderäten und Bürgermeister Bernhard Ritzler (links) die Weide an der Donau. Die Kühe grasen derweil nahe an der Donau, links im Hintergrund zu sehen. © Foto: Stefan Bentele
Untermarchtal / Stefan Bentele 18.08.2018

Schwarzwust, Salami, anschließend gegrilltes Fleisch – und all das aus der klösterlichen Eigenproduktion: Für die Gemeinderäte von Untermarchtal und Lauterach hat der Abend gestern im „Garten Eden“, vor dem Wohnpark Maria Hilf des Klosters Untermarchtal gelegen und von Gemeinde und Kloster gemeinsam angelegt, kulinarisch alles andere als uninteressant geendet.

Die etwa 20 Gemeinderäte hatten sich zuvor auf einer gut zweistündigen Rundtour mit Bürgermeister Bernhard Ritzler über genau jene Spezialitäten informiert, die sie am Abend verspeisten. Ritzler hatte bei Ralf Bomheuer, dem Geschäftsleiter der Klosterbetriebe, angefragt, ob man die Konzepte der Klosterbetriebe nicht einmal in Augenschein nehmen könne.

Der nahm gerne an, lud zum Rundgang mit Schwester Elisabeth und Schwester Karin, zumal aus Sicht des Geschäftsleiters zwar auf den Betrieben vor Ort Lebensmittel von hoher Qualität erzeugt werden, es derzeit aber noch daran mangele, diese Qualität auch transparent zu machen und an die Öffentlichkeit zu tragen. „Da müssen wir noch dran arbeiten“, sagte Bomheuer.

Außer der Qualität stellt sich aus Sicht Bomheuers heutzutage noch die Frage nach der Nahversorgung überhaupt. Gemeinden in der Größenordnung von Untermarchtal in Deutschland könnten oft weder einen Bäcker noch eine Metzgerei vorweisen. „Da ist dann oft nichts.“ In Untermarchtal dagegen sei beides gegeben, gebündelt im Klosterladen.

Dessen Sortiment an Lebensmitteln speist sich zu weiten Teilen aus der klostereigenen Landwirtschaft. Zum einen sind da 98 Kühe, die 24 Monate lange gemästet werden und entweder in der Klostermetzgerei (siehe Kasten) geschlachtet und zu Wurst und Fleisch verarbeitet werden, oder aber an den Vertriebspartner Neuland gehen. Die bieten laut Johannes Buhl, Chef der Landwirtschaft im Kloster, für die Tiere feste Preise.

Klosterbetrieb hält Kühe in Weidehaltung

Der Klosterbetrieb hält zwar Kühe, allerdings nur noch zur Mast, aus der Milchproduktion ist man im April 2017 ausgestiegen. Mast mit Kühen, weil laut Buhl die Fleischqualität weiblicher Rinder besser ist. Dabei hilft Buhl zufolge auch die Weidehaltung: Die Tiere müssen gemäß einer Auflage von Neuland zwei Mal in ihrem zweijährigen Leben für mindestens 120 Tage auf der Weide stehen. Dazu hat das Kloster die Weide an der Donau, in Sichtweite der Donaubrücke, reaktiviert. Derzeit grasen dort 64 Tiere, wobei angesichts der Trockenheit eigentlich kaum Gras wächst und täglich 350 Kilogramm Heu zugefüttert werden müssen. Das Futter stammt ausschließlich aus Eigenanbau, 160 Hektar stehen zur Verfügung, davon 50 Hektar Grünland.

Metzgermeister Paul Teschner schlachtet immer montags mit seinen zwei Mitarbeitern um die 16 Schweine aus den beiden Ställen oberhalb von Untermarchtal. Gut 30 Schweine werden regelmäßig an Edeka Süd-West geliefert. Deren Fleisch wird dort laut Bomheuer im Premiumsegment verkauft, auch weil das Kloster mit dem Deutschen Tierschutzbund in der Premiumstufe zertifiziert ist.

Die Ferkel, die alle drei Wochen aus Meßkirch geliefert werden, werden zwar kastriert, allerdings bereits jetzt unter Betäubung, gesetzlich vorgeschrieben ist das – noch – nicht. Die Tiere behalten ihre Schwänze und werden, um gentechnisch verändertes Futter zu vermeiden, mit europäischem Soja gefüttert. In dem Freiluftstall liegt Stroh, das den Tieren zugleich als Beschäftigung dient. „Unsere Schweine haben doppelt so viel Platz als gesetzlich vorgeschrieben“, sagt Buhl. Ob es Schwanzbeißer gebe, fragte Ritzler. „Das ist bei uns eigentlich kein Thema“, sagte Buhl.

Nebenan gackern die Hühner in Freilandhaltung, derzeit 1300. Wie viele Eier die denn täglich legen, fragte Erwin Mönch, Gemeinderat aus Untermarchtal. 2300, antwortete Buhl. Ein Stall stehe derzeit leer, man erwäge, auch dort Hühner in Freilandhaltung unterzubringen. „Der Fuchs war auch schon da. Deshalb haben wir jetzt auch einen Zaun“, sagte Buhl.

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Metzgerei und Klosterladen

Verbraucher Die klostereigene Metzgerei bestückt einen Verkaufswagen, der wöchentlich in Stuttgart, Fellbach und Göppingen Wurst- und Fleischwaren aus der Metzgerei verkauft. Zudem wird die eigene Zentralküche, das Marienhospital Stuttgart und die Kurklinik Bad Ditzenbach beliefert. Aber auch der eigene Klosterladen wird aus der Metzgerei bestückt. Dort finden sich neben Brot und Waren aus der Mission auch Bücher und anderes.

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