Wirtschaft Geld: Sparkasse Ulm erhebt Einzahlungsgebühr

Gastronom Marc Bürkle kann die neuen Gebühren nicht nachvollziehen.
Gastronom Marc Bürkle kann die neuen Gebühren nicht nachvollziehen. © Foto: Emmenlauer
Ehingen / Stefan Bentele 14.06.2018
Die Sparkasse Ulm erhebt für Geschäftskunden eine Einzahlungsgebühr von drei Euro. Das verärgert Gastronom Marc Bürkle.

Für Marc Bürkle gehört ein guter Service zum Geschäft einfach dazu, etwa wenn ein Gast einen Sonderwunsch äußert. Für ihn als Dienstleister und Koch in seinem Restaurant Ehinger Rose eine Selbstverständlichkeit, die er als Kunde von anderen Dienstleistern ebenso erwartet. Doch aus Bürkles Sicht vernachlässigt die Sparkasse Ulm diesen Servicegedanken seit 1. Juni.

Drei Euro berechnet die Sparkasse seitdem für jede Bargeld-Einzahlung auf Geschäftskonten. „Das ist Irrsinn“, sagt Bürkle. „Absolut verrückt.“ Bislang habe er ein bis zwei Mal die Woche Geld eingezahlt. „Ich denke: Wenn ich Geld habe, bringe ich es auf die Bank.“ Jetzt allerdings werde er dafür gewissermaßen finanziell bestraft. Und das, obwohl er den Bankautomaten nutze.

Der Ehinger ärgert sich außerdem darüber, dass er mittlerweile 50 Cent pro Münzgeldrolle obendrauf als Bearbeitungsgebühr entrichten muss. Er bezeichnet das als „Schlupfloch“, um Geld von den Kunden „abzuschöpfen“.

Bürkle geht es bei alledem ums Prinzip. „Du strampelst, du schaffst und tust, und trotzdem kommt immer mehr auf einen zu.“ Mit dem Restaurant müssten er und seine Familie sich mit immer mehr Auflagen und Aufgaben auseinandersetzen.

„Wir wollen unseren Kunden unsere vielfältigen Dienstleistungsmöglichkeiten auch weiterhin anbieten können“, sagt Boris Fazzini, Sprecher der Sparkasse Ulm. Die Gebühren seien einzig dazu eingeführt worden, um die Kosten im Betrieb zu decken. Er verweist zugleich auf andere Institute, die solche Bargeld-Dienstleistungen gar nicht mehr oder nur noch an bestimmten Filialen anbieten. „Wir wollen es aber überall an unseren 70 Geschäftsstellen aufrechterhalten“, sagt Fazzini. Man habe sich also für die Gebühren entschieden und nicht wie andere dazu, den Bargeld-Service nur noch punktuell anzubieten.

Er argumentiert weiter, dass die Kosten für die Bereitstellung und Entgegennahme etwa von Münzgeld von Gewerbebetrieben in den vergangenen Jahren gestiegen seien. Die Bundesbank habe Aufgaben und Auflagen an Banken und Sparkassen übertragen. So müsse das Bargeld mittlerweile von einem externen Dienstleister transportiert werden, was Kosten verursache. „Wir wollen nicht am Bargeldfluss verdienen“, sagt der Sprecher und verweist auf den gesellschaftlichen Auftrag der Sparkassen.

Das Institut hat seine Geschäftskunden vorab schriftlich über die Änderung zum 1. Juni informiert. Wie viele Geschäftskonten die Neuregelung betrifft, gibt die Sparkasse nicht preis, Fazzini spricht von einer niedrigen fünfstelligen Zahl. Er rät Kunden wie Bürkle dazu, sich mit ihren Beratern in Verbindung zu setzen, um nach Wegen zu suchen, die Kosten zu minimieren, etwa bargeldlosen Zahlungsverkehr zu fördern oder Bargeld sicher aufzubewahren.

Banken beobachten Kosten

Die Donau-Iller-Bank in Ehingen liegt mit ihren Kosten eigenen Angaben zufolge deutlich unter denen der Sparkasse, wie Vorstandsassistent Bernd Geprägs auf Nachfrage mitteilt. Doch auch er sagt: „Bargeld bedeutet Aufwand“, weshalb die Kosten, die im Umgang damit entstünden, „laufend überprüft werden“. Mit Kunden, die häufig Bargeldbeträge einzahlen, gebe es individuelle Vereinbarungen, Münzrollen werden an Kunden ohne Gebühr ausgegeben.

„Wir verlangen im Moment noch nichts“, sagt Fritz Lehmann, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß. Allerdings gebe es ein paar Kunden, die viel Bargeld brächten und für die es Individuallösungen gebe. Im Großen und Ganzen habe man am Standort Ehingen nicht so viele Geschäftskunden – von den 21.000 Girokonten sind 2000 Geschäftskonten –, die viel mit Bargeld hantieren. Nichtsdestotrotz, der Vorstand beobachtet das Thema. Lehmann beruft sich wie Fazzini auf Kosten externer Dienstleister, weshalb das Geschäft mit Bargeld ein defizitäres sei. „Aber wir sind erst in der Findungsphase“, sagt der Vorstandsvorsitzende.