Oberdischingen / Renate Emmenlauer  Uhr

Der Reichsgraf Franz Ludwig Schenk von Castell hat Oberdischingen geprägt wie kein anderer. Er baute das unscheinbare Dorf zu einer prächtigen Residenz aus, hatte zudem die Gerichtsbarkeit unter sich und ließ dementsprechend im Jahr 1788 ein Zuchthaus errichten, was ihm auch den Namen „Malefizschenk“ einbrachte.

Passend zur Historie hatte der  Museumsverein zu einem spannenden wie recht makaberen Vortrag mit dem Thema „Vom Rädern und Hängen – Strafpraxis im späten Mittelalter in Ulm“ mit Geschichtsforscher Dr. Hans Göggelmann geladen. Zahlreiche Interessierte füllten den Sitzungs- und Kulturraum des Rathauses.

Allein in Oberdischingen seien rund 40 Hinrichtungen vollzogen worden, erklärte Werner Kreitmeier, Vorsitzender des Museumsvereins, eingangs. „Frauen wurden in aller Regel geköpft, Männer gehängt“, berichtete er. Wobei das vordergründig mildere Köpfen teils die schlimmere Tötungsmethode war, da der Henker oft drei Mal schlagen musste, bis der Kopf ab war.

Die Hinrichtungsstelle sei kurz vor Ortsende in Richtung Donaurieden gewesen – den Galgenberg hinauf. Die bekannteste in Oberdischingen hingerichtete Frau war die Diebin Elisabetha Gaßner, die „Schwarze Lies“, die am 16. Juli 1788 mit dem Schwert enthauptet wurde.

Laut Göggelmann seien diese Höchststrafen aus der Not der Armutszeit geboren, da es viele Schwerkriminelle gegeben habe. Er nahm insbesondere die gängige Strafpraxis der Freien Reichsstadt Ulm in den Blick, erzählte von einzelnen zum Tode verurteilten Personen, zu deren Hinrichtung die Bevölkerung stets mit dem „Arme-Sünder-Glöckle“ aufgerufen wurde. Gängige Todesstrafe sei das „Rädern“ gewesen, das unerträgliche Schmerzen bereitete. Arme und Beine seien mit dem Rad zertrümmert worden, diese danach in das Rad eingeflochten – oft seien die Toten in diesem Zustand Monate zur Schau gestellt worden. Der Experte präsentierte dazu auf Leinwand Kopien von Originalexponaten.

Auge um Auge, Zahn um Zahn

Weil die Mehrheit der Richter  keine juristische Ausbildung hatte, galt das „Urteil nach Ermessen“, das sich an das Alten Testament „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ anlehnte. So wurden Augen ausgestochen, bei Meineid die Hand abgeschlagen und die Zunge abgeschnitten, andere wurden gebrandmarkt und aus der Stadt verbannt. Brandstifter wurden auf dem Scheiterhaufen verbrannt und Münzfälscher im kochenden Wasser gesiedet.

Regelmäßig seien in Ulm auch Verbrecher in der Donau ertränkt worden, insbesondere Kindsmörderinnen. Gleichwohl sei oftmals auch bei schweren Missetaten Milde gezeigt worden. Todesstrafen seien in aller Regel nach der Devise „Bei dem Recht muss auch Gnade sein“ nur für mehrfache Wiederholungstäter ausgesprochen worden.

„Gut, dass wir nicht im Mittelalter gelebt haben“, sagten einige der Zuhörer hinterher.