Handel Besuch auf dem Ehinger Wochenmarkt

Ehingen 27.12.2016

Leute treffen, Schwätzchen halten, in entspannter Atmosphäre unter freiem Himmel einkaufen – wer den Ehinger Wochenmarkt besucht, dem geht es meist um mehr als nur ums Einkaufen. Nur im Winter – da lassen sich die Besucher nicht so viel Zeit beim Bummeln, sagt Ibrahim Özdemir aus Blaubeuren. Er verkauft Obst und Gemüse auf Markt. Hier hat man mehr Auswahl als im Discounter, sagt der 36-Jährige.

Schräg gegenüber von Özdemir ist der Marktstand P-Feinkost. Dort schiebt Anita Peters gerade der Kundin Sandra App einen Fetakäse über die Theke zu. „Den müssen Sie 20 Minuten vorher aus dem Kühlschrank holen, dann entfaltet sich das Aroma“, rät die 41-Jährige und verabschiedet Sandra App, wie schon die vorherigen Kunden: „Laufen Sie vorsichtig, es ist glatt. Passen Sie auf sich auf.“ App bedankt sich und geht. Die 47-Jährige aus Riedlingen kauft regelmäßig auf Wochenmärkten ein, erzählt sie. „Die Qualität ist viel besser, das ist mir den höheren Preis wert.“

Feinkost-Verkäuferin Peters findet, dass auch der Geschmack einen höheren Preis als den im Discounter rechtfertigt. „Ich mache meine Aufstriche von Hand, da weiß ich immer, was drin ist.“ Überhaupt: So viel höher sei der Preis gar nicht. Der Einkauf auf dem Wochenmarkt sei ein Erlebnis, während der im Discounter nur stresst. „Wenn man einen Discounter verlässt ist, ist jeder in Gedanken für sich.“ Die Verkäuferin dagegen lacht an ihrem Feinkoststand oft mit ihren Kunden. Außerdem könne man bei ihr Mengen angeben, auch ein Vorteil zum Discounter.

Lucia Keckeisen arbeitet bei der Käsetheke Semtner aus Uttenweiler. „Viele Kunden schätzen das Fachangebot. Wir haben keinen Stress und es gibt eine gute Beratung.“ Dabei kommen nicht nur ältere Leute zu ihr an den Stand, sagt die 44-Jährige. Das Publikum sei bunt gemischt. Wobei es sich in Ehingen an den beiden Markttagen etwas aufteilt: Am Dienstag kommen eher die Älteren zum Einkaufen an der Käsetheke, am Samstag die Ehepaare. Die Kunden kenne sie mittlerweile gut. „Wir sprechen 98 Prozent unserer Kunden mit Namen an“, sagt Keckeisen.

„Ich find´ es nett, noch mit den Händlern ein Schwätzle zu halten“, sagt Kundin Sandra App. „Die Besucher nutzen die Ehinger Wochenmärkte auch als Treffpunkt, zum Verweilen und Diskutieren“, sagt Stadtsprecherin Bettina Gihr. Sie erläutert, welche Bedeutung der Markt für die Stadt hat. „Der Wochenmarkt ist nicht nur wichtiger Umschlagplatz für frisches Obst und Gemüse und sonstige Lebensmittel, sondern auch Kommunikationszentrum im Herzen der Stadt.“ Die Händler garantierten Qualität, Frische und individuelle Beratung. Wie beliebt der Wochenmarkt ist, spiegle sich in den Besucherzahlen und der Belegung der Parkplätze am Marktplatz wieder.

Eine langjährige Wochenmarktbesucherin steht an der Käsetheke Semtner: die 73-jährige Alma Feldhahn aus Ehingen. Auch sie kommt regelmäßig zum Markt – wegen der Qualität der Lebensmittel, sagt sie. Außerdem genießt sie die Freundlichkeit der Verkäufer und die Tipps, die sie oft noch zusätzlich bekommt. Aber auch wegen der Gemeinschaft: „Man trifft immer jemand, auf dem Markt. Außer vielleicht, wenn es so kalt ist.“

Seit 1430 Marktrecht in Ehingen

Geschichte Das Marktrecht ist in Ehingen seit 1430 belegt. Damals übertrug Kaiser Sigismund der Stadt das Recht, Märkte zu halten. Allerdings glich die Form der Märkte damals wohl eher einem Jahrmarkt mit Schaustellern und allen möglichen Dienstleistungen. Wochenmärkte im eigentlichen Sinne gibt es in Ehingen seit mehr als 100 Jahren, einen Beleg gibt es im württembergischen Behördenverzeichnis 1943: „Wochenmärkte finden in Ehingen jeden Dienstagvormittag statt, wenn Feiertag, wochentags vorher“. Zwischenzeitlich hat sich der Wochenmarkt am Dienstag- und am Samstagvormittag etabliert, seit März 1996 mit dem Bauernmarkt in der Schulgasse, der mittlerweile fester Bestandteil des Wochenmarktes ist.