Sie ist etwa 1,30 Meter hoch, 65 Zentimeter breit und an der südlichen Außenwand der Pfarrkirche St. Andreas in Untermarchtal befestigt - eine um das Jahr 1830 gefertigte Gedenktafel aus Sandstein, die an die Mitglieder der Familie Zirn erinnert und derzeit von der Firma Kostan Natursteine aus Munderkingen auf Vordermann gebracht wird. Der Untermarchtaler Hobbyhistoriker Hermann Illenberger hat sich mit der Familie befasst und dabei einige interessante Geschichten zu Tage gefördert.

Zum Beispiel die von Dr. Tiber Zirn (1784 bis 1829), ein "Königlich Württembergischer, immatrikulierter Advokat sowie Bauer und Hirschwirt", wie es im Familienbuch heißt. Im Dienste der Freiherren Karl und Friedrich von Speth setzte sich der Rechtskonsulent (Anwalt) unter anderem erfolgreich für eine eigenständige Pfarrei in Untermarchtal ein. Bis zum Entstehen der Diözese Rottenburg im Jahre 1828 nämlich war im Ort lediglich eine Kaplanei durch den Bischof von Konstanz genehmigt gewesen. Ein Jahr darauf starb Tiber Zirn. Er hinterließ Ehefrau Angelina, geborene Kaeser aus Waldsee, und drei Kinder. Die Witwe stiftete der Gemeinde danach einen Acker zur Erweiterung des Friedhofs.

Nicht minder engagiert setzte sich Tiber Zirns Bruder, Georg Zirn, für die gesellschaftlichen Belange ein; allerdings nicht im kirchlichen, sondern im politischen Sinne. Nachdem der gelernte Bauer, Bierbrauer und Gastwirt acht Jahre lang als Württembergischer Landjäger gedient und danach die Witwe des Kronenwirts geheiratet hatte, ließ er sich in den Bürgerausschuss wählen. Im Zuge der Deutschen Revolution hielt er als Vorsitzender einer Bürgerkommission, dem Vorläufer des Munderkinger Volksvereins, am 25. März 1848 vor dem Rathaus eine Rede. Darin prangerte er lokale Missstände an und forderte die Gründung eines Armenvereins.

Derweil gab es in Baden bereits erste bewaffnete Aufstände gegen das Herzogtum, und die Württemberger berieten am Pfingstfest 1849 während einer Wehrversammlung in Reutlingen darüber, ob sie sich den Kämpfen anschließen sollten. Georg Zinn - ein Liberaler, aber kein Revolutionär - nahm als Vertreter des Oberamts Ehingen daran teil, was ihm später allerlei Unannehmlichkeiten einbringen sollte.

Nachdem alle Vermittlungsversuche mit dem Parlament in Stuttgart gescheitert waren, wurden alle Anwesenden der Wehrversammlung in Reutlingen des Hochverrats bezichtigt und per Haftbefehl gesucht. So auch Zinn, der knapp zweieinhalb Monate im "Demokratenbuckel", dem Gefängnis für Revolutionäre auf dem Hohenasperg, zubrachte, ehe er im Dezember 1849 freigelassen wurde. Politisch blieb er danach als Obmann des Munderkinger Bürgerausschusses aktiv.

Georg Zirn und sein Bruder Tiber sind nur zwei von zahlreichen Familienmitgliedern, die auf der Gedenktafel aufgeführt sind. Im Frühjahr soll sie fertig restauriert sein.