Christina Kirsch

Es liegt eine geschäftige und doch gebremste Erwartung über der Kleingartenanlage am Weiherbach. „Man kann halt noch nichts machen“, seufzen die Gartenbesitzer, die hier beinahe täglich nach dem Rechten sehen. Sobald die Sonne das dunkle Holz der Hütten wärmt, regt sich die Geschäftigkeit. Man will so gerne, aber der Boden ist kalt und die Sträucher sind noch kahl. Im März ist alles noch zu früh.

Die erfahrenen Gärtner wissen, dass die brauen Gartenkrumen auch noch eine Schneedecke bekommen können. Es ist ja noch nicht einmal April. Aber man kann den Rasen vertikutieren und den Rhabarber abdecken, damit er möglichst schnell wächst. Denn die Rhabarbersaison ist schneller vorbei als man denkt. Die Besitzer der Parzellen streifen schon umher wie der Jäger nach dem Wild. Alle Gartenliebhaber scharren innerlich und äußerlich mit den Hufen. Andreas Reimer und sein Sohn Viktor teilen sich die Arbeit beim Rasenmähen, weil sie sonst noch nichts tun können. Immerhin haben sie schon an der Reithalle Pferdemist geholt und auf den Beeten verteilt. Kartoffeln und Zwiebeln werden hier wachsen.

Leute wie Vater und Sohn Reimer wissen intuitiv, dass Gartenarbeit gesund ist. Es gibt zahllose Studien, die nachweisen: Gartenarbeit ist Naturarznei, die sich optimal auf Körper, Geist und Seele auswirkt. Wer mit Schaufel, Rechen und Harke den Boden bearbeitet, wer Blumen pflegt, Gemüse und Obst anbaut und erntet, der hat weit bessere Blutdruck- und Cholesterinwerte, kann Stress abbauen und Endorphine im Gehirn produzieren. Die Hormone sorgen für innere Ruhe und Ausgeglichenheit.

Vielleicht wirken die Reimers deshalb so ausgeglichen. Seit 1999 haben sie hier ihr kleines Paradies. Die Hollywood-Schaukel steht unter dem Vordach oder in der Sonne und wandert mit der Jahreszeit mit. „Ach, die Windschutzfolie muss repariert werden“, fällt dem Senior auf. „Wird erledigt“, sagt der Sohn. Mit seiner Frau Helena und den Enkelkindern Leonie und Julian verbringen die Reimers ihre Freizeit im Garten. Hier werden Geburtstage gefeiert und der Plausch über den Gartenzaun sorgt für soziale Kontakte. Man schaut, wann die Geflügelhalter ihre Hühner wieder ins Freie lassen und was die Enten machen.

In letzter Zeit hat sich ein ungebetener Gast in den Kleingartenanlage breit gemacht: der Biber. Es gibt abgenagte Bäume und wie Bleistifte zugespitzte Stümpfe. Jeder der Hobbygärtner hat seinem Baum bereits eine Drahthose angezogen, aber der Biber mag nicht nur Bäume. „Der frisst auch Rosenkohl und Äpfel“, sagt einer. Kein Obstbaum ist vor dem Nager sicher. Man sieht überall die Schleifspuren des Bibers. Und da der Biber auch den Lauf des Bachs verändert, rutscht einem Gartenbesitzer der Komposthaufen über die Böschung.

Die Sonne genießen

Gartenpflege ist nicht immer das reine Vergnügen. Das wissen auch die Gärtner. Man kämpfe gegen Läuse und anderes Ungeziefer. Mancher ist auch mit seinem Nachbarn nicht grün. Doch die meisten Menschen, die hier ihr Freizeitvergnügen finden, geben ihre Gärten über Generationen weiter. So wie Zivorad Milosevic, der seinen Garten am alten Postweg vom Schwiegervater übertragen bekam. Der Gebäudereiniger erholt sich hier von der Arbeit und hat alles, was es an Obstbäumen gibt: „Quitte, Kirsche, Apfel, Birne“, zählt er auf. Am Spalier ranken Brombeeren und als Wachhund flitzt der Mini-Malteser Samj über das Gelände. Er komme hierher, „wenn der Kopf voll ist“, sagt Zivorad Milosevic. Auf der Bank sitzen und die Sonne genießen, können die Frischluftliebhaber schon. Doch das Pflanzen muss noch warten. Der Gartenverein am Weiherbach hat noch nicht einmal das Wasser wieder in den Leitungen zur Verfügung gestellt, weil immer noch Frost droht. Vorfreude ist des Gärtners schönste Freude. Und meist geht es ganz schnell. Dann platzt das Grün aus allen Knospen und es gibt richtig was zu tun im Garten. Nichts wie raus.

Leseraktion: Zeigen Sie uns Ihren Platz

Fotos Frühling wird’s, und die Leute drängen nach draußen. Ob Mittagspause am Groggensee oder Frühstück am Bistrotisch, ob Spielplatz am Wolfert oder Sitzbank an der Kapelle oberhalb des Jägerhofs mit Blick auf die Stadt – Ehingen ist voll von Plätzen, die zum Draußensein einladen. Wo zieht es Sie hin? Wenn Sie mögen, schicken Sie uns ein Foto und etwas Text zu Ihrem Platz draußen. Am besten per E-Mail an et@swp.de