Zehn Minuten Fütterung der Bestien

Die heimlichen Herrscher des Groggensees und des Baches daneben.
Die heimlichen Herrscher des Groggensees und des Baches daneben. © Foto: Johannes Maier
Johannes Maier 27.08.2018

Am Ehinger Groggensee gibt es in der Regel einiges zu sehen. Wenn der Park nicht gerade von Narren besetzt oder zugefroren ist, herrschen aber nicht Menschen, sondern ganz andere Wesen über das Gebiet: Die stets zahlreichen Schwäne und Enten.

Gerade für Kinder stehen die gefiederten Wasserbewohner im Mittelpunkt des Interesses. Eine Mutter schlendert mit drei kleinen Kindern am Weg um den See entlang. Während das Kleinste der drei noch auf sich allein fokussiert im Arm seiner Mutter weilt, zieht es die beiden älteren Sprösslinge, wie von einem Magneten angezogen, an den Rand des hindurch fließenden Baches. Was könnte eine solche anziehende Wirkung haben? Sie ahnen es: Ein ganz in Weiß gekleideter Schwan wandelt den Bach hinunter.

Das Interesse ist beidseitig. Sofort wagt er sich auch an die neugierigen Geschwister heran. Das mittägliche Stelldichein hält ein paar Minuten. Mittlerweile hat sich das Treiben herumgesprochen, sechs weitere Schwäne sind erschienen. Zwei Ausgewachsene in Weiß und fünf hellbraun befiederte Jungschwäne. Eines haben sie alle gemeinsam. Den ruhigen, fokussierten – ja beinahe fordernden Blick in Richtung Bachufer. Als wollten sie sagen: „Wenn ihr uns schon minutenlang anstarrt, könntet ihr wenigstens auch etwas zum Essen herausrücken.“

Was folgt, dürfte eine herbe Enttäuschung gewesen sein. Auf Hinweis der Mutter geht die junge Familie weiter, ganz ohne Bestienfütterung. Abgesehen von jungen Familien, wandeln hauptsächlich Hundebesitzer unter dem Zwang ihrer vierbeinigen Gefährten auf den Wegen.

Vom Hunger getrieben, wird jede vorbeigehende Person hoffnungsvoll angeglotzt. Ein ums andere mal ohne Erfolg. Ein Jugendlicher ignoriert sie mit Kopfhörern am Ohr komplett, auch zwei Fahrradfahrer haben keine Zeit für die langhalsigen Vögel.

Doch Rettung naht: Eine Mutter mit Kinderwagen erscheint. Im Schoß des dort sitzenden Jungen endlich das Objekt der Begierde: Eine Tüte bis zum Rand gefüllt mit alten Brotresten. Na dann: Mahlzeit!

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