Ehingen / Stefan Bentele  Uhr
Die Freien rücken den Straßenverkehr und das Wohl der Fußgänger in den Mittelpunkt. Im Gemeinderat hoffen sie auf offene Diskussionen.

„Da gehört ein Zebrastreifen hin“, sagt Wolf Brzoska, amtierender Stadtrat der Freien und Kandidat für den Gemeinderat Ehingen, als er bei einem Rundgang durch die Stadt am Ende von Bucksgäßle steht, dort, wo die kleine Straße in die Lindenstraße mündet. „Da kommen morgens Scharen von Menschen“, darunter seien auch viele ältere. Mit einem Fußgängerüberweg könnten sie an dieser Stelle die Straße sicher queren.

Aus Sicht der Freien gibt es im Stadtgebiet Ehingen mehrere Stellen, an denen die weißen Streifen auf dem Boden den Fußgängern das Leben angenehmer und sicherer machen sollen – etwa nahe des Ehinger Hofs über die Lindenstraße, beim Krankenhaus, an der daran anschließenden Hauptstraße und an der Schafmarktstraße. Das Kreuzen der Straße ohne Ampel oder Überweg ist aus Sicht der Freien so unnötig wie gefährlich.

Die Vereinigung will, berichtet Brzoska weiter, dass sich die Ehinger Bürger wohlfühlten. Jahrzehntelang habe man alles aufs Auto zugeschnitten. „Das Auto hatte immer Vorfahrt. Wir müssen aber hin zum Bürger.“

Auf den Hinweis, dass die Stadtverwaltung ja nicht ohne Weiteres Zebrastreifen installieren könne und sich an entsprechende Bestimmungen halten müsse, antwortet der Stadtrat: „Dann muss die Bestimmung geändert werden.“ Das gilt aus Sicht der Freien auch für eine Temporeduzierung auf der Bundesstraße 465 von 70 auf 50 Stundenkilometer am Fuß des Schiffbergs, schließlich gebe es an dessen Hang Wohnbebauung. „Wenn man oben entlanggeht, fühlt man sich wie am Rand einer Trompete“, sagt Brzoska.

Christian Rak, Freie-Stadtrat und ebenfalls Kandidat für den Gemeinderat, kommt noch auf die Fischerkreuzung zu sprechen. Da habe es vonseiten der Stadtverwaltung auch geheißen, dass ein Kreisverkehr nicht möglich sei wegen entsprechender Bestimmungen. „Man muss doch nur nach Erbach schauen“, sagt Rak, dort gehe das auch.

Dass zu viele Zebrastreifen dazu führen könnten, dass Autofahrer diese ignorieren, glaubt
Brzoska nicht und verweist auf die Schweizer Gemeinde Wädenswil am Zürichsee. Er war vor Jahren dort, wunderte sich, dass alle 50 Meter ein Zebrastreifen kommt. „Das ist ein ruhiger Verkehr, da fahren alle langsam.“ Rak ergänzt, dass vor 20 Jahren die Mehrheit Tempo 30 in den Innenstädten als „Teufelszeug“ verschrien habe, heute sei das üblich. Dass die Freien mit solchen Vorschlägen klingen wie andernorts Politiker der Grünen, stört nicht. „Wenn andere auch gute Ideen haben, ist das ja nur gut“, sagt Kandidat Peter Münch.

Die Situation an der Ecke Biberacher Straße und Panorama­straße ist für die Freien zu unübersichtlich, weil hier auch der Donauweg mündet. „Da sind viele Straßen, die zusammenlaufen, aber für den Fußgänger ist nicht gesorgt“, sagt Brzoska.

Abseits aller Verkehrsfragen wünschen sich die Freien einen Kulturwandel. „Ich wünsche mir, dass im Gemeinderat offener, sachlicher und kontroverser diskutiert wird.“ Derzeit sei es Usus, sagt Rak, dass die CDU-Fraktion am Abend vor Sitzungen von Mitgliedern der Stadtverwaltung besucht werde, um über die Themen vorab zu sprechen. Als man die Verwaltung darauf angesprochen habe, habe es geheißen, dass solch ein Angebot für alle Fraktionen bestünde. „Das ist aber nicht praktikabel“, sagt Rak. „Es geht nicht, dass eine Fraktion früher Bescheid weiß als andere.“