Rottenacker Frauen vom Rottenacker Museumsverein pflegen alte Webtechnik

Frauen in Rottenacker zeigen das Weben am historischen Webstuhl (von links): Inge Brucker, Anja Wölfle und Irmgard Schubert.
Frauen in Rottenacker zeigen das Weben am historischen Webstuhl (von links): Inge Brucker, Anja Wölfle und Irmgard Schubert. © Foto: Karin Mitschang
Rottenacker / KARIN MITSCHANG 06.05.2015
Viele Familien Rottenackers besaßen einst Webstühle als zusätzliche Einnahmequelle. An dem der Familie Zoller demonstrieren Mitglieder des Museumsvereins, wie zu dritt ein „Rottenacker Perser“ entstand. Mit Video

„Uns ist es wichtig, das alte Wissen zu erhalten“, sagt Inge Brucker. Die stellvertretende Vorsitzende des Museums- und Heimatvereins hat sich mit anderen engagierten Frauen 2003 von Otto und Dora Zoller zeigen lassen, wie man am riesigen Webstuhl zu dritt einen zwei Meter breiten Flickenteppich, den „Rottenacker Perser“, webt. Inzwischen haben die Frauen in dieser Schwerstarbeit, die aber immer auch eine lustige soziale Komponente hat, bereits den vierten großen Teppich hergestellt. Bei Veranstaltungen im Heimatmuseum wie dem Sommerfest, oder auch auf Anfrage wird das alte Handwerk gern demonstriert. Und schwitzen muss, wer sich auf das etwas wacklige Bänkchen mit hinsetzt und mithilft. Wenn das Schiffchen, in dem eine Flickenspule steckt, von sechs Händen zwischen 580 Kettfäden durchgeschoben wird und das Produkt mit einem großen Balken dreimal festgerüttelt wird, wackelt das riesige, hölzerne Ungetüm von Maschine von 1948, und man meint, das ganze Museum dazu.

Schon als Kind kannte Inge Brucker die Tüten voller Spulen, die die Mutter aus in Streifen geschnittenen und vernähten Stoffresten im Schrank aufbewahrte. Dass fast jede Familie in Rottenacker einst einen Webstuhl für die Läufer oder Teppiche besaß, hat einen Grund: die für den Raum Ehingen völlig unübliche Zersplitterung der Äcker in kleinste Teile durch die Württembergische Realteilung. Von den winzigen vererbten Grundstücken konnten die Landwirte in dem an Anwohnern größer werdenden Ort nicht mehr leben, und so wurde das Weben zum wichtigen Zubrot.

Nach dem Beginn der Industrialisierung mit dem Bau der Eisenbahn 1871 bauten die Gebrüder Walker aus dem Tübinger Raum 1898 die Weberei, in der später bis zu 80 Webstühle standen und bis zu 200 Menschen Arbeit fanden. Das Handwerk wurde in den Familien noch in den 1950er Jahren gepflegt.

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