Engagement Franz Rothenbacher ist der Disco-Macher

Weiter Blick: Franz Rothenbacher in seinem Garten.
Weiter Blick: Franz Rothenbacher in seinem Garten. © Foto: Raidt
Schelklingen / Bernhard Raidt 19.06.2018
Seit einem Vierteljahrhundert organisiert Franz Rothenbacher die beliebte Powerdisco in Justingen. Doch Rothenbacher macht noch viel mehr im Ort.

Wo heute Sohn und Tochter tanzen, waren vor Jahrzehnten  schon Mutti und Vati unterwegs: Die Powerdisco in Justingen ist in der Region Ehingen und darüber hinaus seit Jahrzehnten eine feste Größe. Sechsmal im Jahr wird das Sportheim im kleinen Ort zum Treffpunkt für die jüngere Generation. Hinter der Powerdisco steckt ein ganzes Team von 70 ehrenamtlichen Helfern – und vor allem ein Mann: Franz Rothenbacher, der die Discokugel vor einem Vierteljahrhundert erstmals in Bewegung setzte.

„Disco mochte ich schon immer“, sagt Rothenbacher. „Wir hatten damals ein Fest mit klassischem Festzelt, das nicht so gut lief. Dann dachte ich – warum nicht mal eine Disco?“ Rothenbacher stieß zunächst auf allgemeines Kopfschütteln. Er ließ sich aber nicht beirren – der enorme Erfolg gab ihm Recht. Jetzt, am Freitag, wird bereits die 150. Powerdisco in Justingen gefeiert. 1500 Gäste werden erwartet. „Da werden auch viele von früher wieder mal kommen“, sagt der Disco-Macher.

Die Powerdisco ist nicht nur für Partyfans in der Region ein wichtiger Anlaufpunkt – sie ist vor allem für die Sportgemeinschaft Justingen von enormer Bedeutung. Denn die Einnahmen der Disco helfen dem Sportverein, wichtige Aufgaben zu finanzieren. Das jüngste Projekt ist der Bau einer Tribüne am Sportplatz. Federführung hat, wie sollte es anders sein, Franz Rothenbacher.

Die Sportgemeinschaft feiert diese Jahr übrigens ihr 50-jähriges Bestehen. Mitgegründet hat sie damals der junge Fußballer Rothenbacher, seit einem Vierteljahrhundert leitet er auch den Verein. Gemeinsam mit dem TSV Ingstetten bildet die SG Justingen den FC Schelklingen-Alb.

Auf den aktuellen Fußball-Ergebniszetteln taucht der Name Rothenbacher übrigens häufig auf – Franz Rothenbachers Sohn Timo ist Torschützenkönig des FC. „Ein Spiel lasse ich mir nicht entgehen“, sagt Fußball-Fan Rothenbacher. Er kümmert sich um einiges, damit die Spiele zustande kommen – weitaus mehr, als ein Vorsitzender sonst  gewöhnlich macht: So mäht und pflegt er gemeinsam mit Freunden den Fußballplatz, sorgt dafür, dass die Sportheim-Bewirtung klappt und ist bei allen Baustellen der Sportgemeinschaft im Einsatz. Mehrere Stunden täglich ist er für den Verein aktiv.

Doch das ist noch nicht alles: Kein Fest, keine Veranstaltung im 530-Einwohner-Dorf, das nicht wegen Rothenbachers Organisationstalent ins Rollen kommt. An Silvester hat er zur Jahrtausendwende etwa eine Milleniums-Party auf die Beine gestellt, die Feier in der Silvesternacht ist mittlerweile ein fester Bestandteil des Veranstaltungskalenders im Dorf.

Was treibt ihn zu seinem Einsatz? „Man kennt sich in so kleinen Dörfern von Jugend an, und für Leute, die man gut kennt, schafft man lieber“, sagt Rothenbacher. Aber ganz so persönlich wie noch vor zwanzig, dreißig Jahren sei es auch auf den Alb-Dörfern nicht mehr, sagt Rothenbacher. „Man kennt nicht mehr jeden im Dorf. Manche sieht man nie bei Veranstaltungen. Das muss man respektieren. Aber ich find’s schade.“

Wer diese Woche das Haus von Franz Rothenbacher sucht, wird im Übrigen schnell fündig. Beim liebevoll sanierten ehemaligen Bauernhof in der Nähe der Kirche weht die US-Flagge. Die in den USA verheiratete Tochter ist mit den Kindern zu Besuch.

Der Bauernhof ist übrigens schon Jahrhunderte alt, ebenso lange ist Rothenbachers Familie im Dorf ansässig. Als Landwirt fühlt sich Rothenbacher immer noch, er trieb den Hof der Familie lange mit dem Vater im Nebenerwerb um. Beruflich lernte er Elektromechaniker, machte die Fachhochschulreife und arbeitete dann 37 Jahre bei Thales in Ulm.

Auch jetzt, im Ruhestand, gibt’s genug zu tun. „Man sagt immer, Rentner haben keine Zeit. Aber wer keine Zeit hat, der nimmt sie sich einfach nicht.“

Die Enkel sind wichtig

Zum Ausgleich für die ganze ehrenamtliche Arbeit kümmert er sich gerne um die vier Enkel, pflegt den großen Garten beim Bauernhof und fährt Fahrrad – mittlerweile ein Mountainbike mit E-Antrieb. Die Knie zwicken mittlerweile halt doch ein wenig. „Vielleicht ein bisschen zu viel Fußball gespielt früher“, sagt er grinsend.

Dass Disco einen jung hält, könnte eine Textzeile aus einem Abba-Song sein: Im Fall Rothenbachers trifft das aber zu. Der 68-Jährige könnte gut und gern als zehn Jahre jünger durchgehen. „Ein paar Jahre mache ich das noch“, sagt er. „Mit dem Rollator stolpere ich aber sicher nicht mehr in der Disco herum.“

Info Die 150. Powerdisco beginnt am Freitag, 22. Juni, um 21 Uhr im Sportheim Justingen.

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